Aktuelles

Das „Loch“ in den Wolken – Keine Außerirdischen oder „Blue Beam“!

Ralf Nowotny, 7. Juli 2020
Das "Loch" in den Wolken - Keine Außerirdischen oder "Blue Beam"!
Das "Loch" in den Wolken - Keine Außerirdischen oder "Blue Beam"!

Seit Neuestem schwirrt wieder ein Video durch Facebook, welches sich viele Nutzer nicht erklären können.

Für die Einen ist es das sagenumwobene Blue Beam-Projekt, ein Verschwörungsmythos, wonach die NASA holographische Projektionen an den Himmel wirft, um die Menschen auf ein neues Zeitalter vorzubereiten, für die Anderen sind es „nur“ Außerirdische, die da ein Loch in die Wolken gesägt haben.

Um dieses Video handelt es sich:

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Faszinierend, oder? Schneiden da Außerirdische Löcher in die Wolken? Ist das die Alternative zu Kornkreisen? Und haben die Aliens auch gleichzeitig die Bäume geklont?

[mk_ad]

Genau hingeschaut

Bei der Analyse von Videos ist es wichtig, immer auch einen genauen Blick nicht nur auf das eigentlich gefilmte Ereignis, sondern auch auf die Umgebung zu werfen. Denn hier fällt uns etwas auf, was genauso ungewöhnlich scheint, wie das Loch und die Lichter selbst:

Zweige, verdoppelt euch!
Zweige, verdoppelt euch!

Diese „Zwillingszweige“ sind deutlich unten im Video zu zu sehen. Entweder handelt es sich um eine irre Laune der Natur oder es hat jemand gewaltig manipuliert.

Die Grundlage für das Loch-Video

Ohne euch mit langweiligen Details aufzuhalten, wollen wir euch verraten, dass es sich um kein „echtes“ Video handelt. Was da nämlich gefilmt erscheint, ist in Wirklichkeit nur ein Bild, welches in ein Videoprogramm geladen und mit einem Wacklereffekt versehen wurde, um den Anschein einer Aufnahme zu erwecken. Damit das Ganze auch noch eindrucksvoller erscheinen zu lassen, als es ohnehin schon ist, wurde ein Effekt hinzugefügt, der den Anschein erweckt, als ob diese Löcher von seltsamen Lichtern umkreist werden.

Hier sehen wir das Originalbild von 2003:

Quelle: Burlington News/Wayne Carter
Quelle: Burlington News/Wayne Carter

Carter schreibt dazu, dass er das Bild um 10 Uhr morgens mit einer Kodiak Digitalkamera von seinem Garten aus in Gallatin/USA geschossen habe.

Und wie entstanden diese „Löcher“?

Die sind nämlich tatsächlich nicht manipuliert, sondern gibt es wirklich. Dieses Wetterphänomen nennt sich Hole-Punch Cloud bzw. Fallstreak Hole.
Diese Löcher in den Wolken sind ein Wetterphänomen, was in Cirrocumulus- oder Altocumulus-Wolken auftauchen kann, wenn die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinkt, sich aber noch keine Eiskristalle gebildet haben („supercooled state“).

Wenn sich dann Eiskristalle formen, gibt es eine Art Kettenreaktion, bei der die Wassertröpfchen um die Kristalle herum verdunsten. Dieses hinterlässt dann große, meist kreisförmige Löcher in der Wolkendecke.

Eine Google-Suche nach dem Phänomen wird euch eine Menge Bilder von diesem Wetterphänomen zeigen (doch Vorsicht, auch da finden sich Fakes darunter).

[mk_ad]

Fazit

Solche „Wolkenlöcher“ gibt es wirklich und nennen sich Hole-Punch Cloud oder Fallstreak Hole. Alles andere an dem Video ist aber Fake: Es handelt sich dabei eigentlich ein Bild, Lichter und Soundeffekte wurden mit einem Videobearbeitungsprogramm hinzugefügt.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

  • Mit deiner Hilfe unterstützt du eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Fake News und Verbraucherschutz im deutschsprachigen Raum. Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fake News, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung! Begleite uns – 30 Tage kostenlos!

Mehr von Mimikama