Die Behauptung
Ein Facebook-Beitrag stellt die Existenz und Gefährlichkeit der Maul- und Klauenseuche infrage. Es wird behauptet, die Krankheit sei ausgestorben, ungefährlich, noch nie habe ein Tier daran sterben müssen – und die Keulung sei nichts weiter als ein Vorwand für staatliche Panikmache.
Aufgestellt von: Unbekannt
Falsch
Falsch! Die Behauptungen sind widerlegt. Die Maul- und Klauenseuche ist nach wie vor weltweit verbreitet, 2024 erneut in Europa aufgetreten, mit Todesfällen. Sie bedroht Paarhufer massiv. Die Seuche ist hochansteckend, schwer einzudämmen und kann bei Tieren zum Tod führen, insbesondere bei Jungtieren.
Kurze Faktenübersicht:
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Wiederauftritt in Europa: 2024 Fälle in Ungarn, Slowakei und Deutschland.
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Nicht ausgestorben: MKS kommt weltweit vor, zuletzt 2011 in Bulgarien.
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Tödlich für Tiere: Vor allem Jungtiere sterben häufig an der Krankheit.
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Keulung gesetzlich vorgeschrieben: Bei Ausbruch müssen gefährdete Tiere getötet werden.
Maul- und Klauenseuche ist zurück in Europa und mit ihr die Desinformation
Ein Facebook-Beitrag sorgt für Aufsehen, in dem gleich mehrere Falschinformationen verbreitet werden. Der Verfasser behauptet, die Maul- und Klauenseuche sei längst ausgerottet, völlig ungefährlich und diene nur als Vorwand, um Tiere zu töten und wirtschaftliche Einschränkungen zu rechtfertigen. Besonders skurril: Keulungen, also das vorsorgliche Töten von Nutztieren bei Seuchenverdacht, werden als übertriebene Maßnahme dargestellt, um Panik zu schüren.

Die absurde Behauptung
In einem auf Facebook verbreiteten Beitrag wird die Maul- und Klauenseuche kurzerhand für eine Erfindung erklärt. Der Autor schreibt:
„Kein einziges Viech ist jemals an dieser komischen WIRRus-Krankheit gestorben, auch kein Tier musste ’notgeschlachtet‘ werden, aber TAUSENDE Tiere wurden ‚gekeult‘! Ist nur ein perverser Grund der LINKS-RADIKALEN Sekten-Mitglieder, jede Menge Tiere bei Bauern zu KEULEN.“
Die restlichen Aussagen im Beitrag strotzen vor sachlichen Fehlern, wilden Verschwörungstheorien und polemischer Sprache. So wird unterstellt, MKS sei eine „bestellte Seuche“ der WHO – analog zu Corona – und diene angeblich dazu, die Bevölkerung zu einer veganen Ernährung zu zwingen. Auch die Existenz des Virus selbst wird angezweifelt, da angeblich kein „Vergleichsmaterial“ für PCR-Tests vorliege.
Fakt ist: Diese Aussagen stehen im Widerspruch zu sämtlichen aktuellen Erkenntnissen von Fachbehörden wie der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), der Europäischen Kommission und der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH).
Zum Faktencheck
Was ist die Maul- und Klauenseuche?
Die Maul- und Klauenseuche ist eine hochansteckende Viruskrankheit, die ausschließlich Paarhufer betrifft. Dazu zählen sowohl Nutztiere wie Rinder, Schweine, Ziegen und Schafe als auch Wildtiere wie Rehe, Hirsche und Wildschweine. Pferde, Hunde oder Bären sind nicht betroffen, da sie keine Paarhufer sind.
Typische Symptome sind Fieber, Blasenbildung an Klauen, Maul und Euter sowie starker Rückgang der Leistungsfähigkeit. Besonders Jungtiere sind durch das Virus gefährdet. Bei Jungtieren liegt die Sterblichkeit bei über 20 %. Erwachsene Tiere sterben seltener (ca. 5 %), doch die wirtschaftlichen Folgen für betroffene Betriebe sind auch bei milden Verläufen massiv.
Die Seuche ist extrem ansteckend. Das Virus kann durch direkten Kontakt, kontaminierte Kleidung, Fahrzeuge, Futtermittel, Wasser und sogar über die Luft verbreitet werden. Experten sprechen von einer möglichen Ausbreitung über Distanzen von bis zu 60 Kilometern.
Die Rückkehr nach Europa mit tödlichen Folgen
Seit Anfang 2024 gibt es wieder bestätigte Fälle in mehreren Ländern Europas. Ungarn, die Slowakei und Deutschland meldeten neue Ausbrüche. Besonders dramatisch war der Fall in Brandenburg, wo drei Wasserbüffel einer Herde starben, noch bevor das Virus endgültig nachgewiesen werden konnte. Die Tiere zeigten alle typischen Symptome, die spätere Laboranalyse bestätigte den Verdacht.
Auch wenn Österreich seit 1981 keinen eigenen Fall mehr dokumentiert hat, reagierten die Behörden umgehend. An den Grenzen zu Ungarn und der Slowakei wurden Überwachungszonen eingerichtet, Tiere stichprobenartig untersucht und strenge Einfuhrverbote für bestimmte Tierprodukte verhängt. Gleichzeitig haben mehrere Länder, darunter die USA und Japan, den Import österreichischer Fleisch- und Milchprodukte vorsorglich gestoppt.
Warum ist Keulung notwendig und kein Vorwand?
Viele verstehen unter Keulung einfach nur das „Abschlachten“ von Tieren. Tatsächlich handelt es sich um eine definierte veterinärmedizinische Maßnahme, die gesetzlich vorgeschrieben ist, wenn eine hochinfektiöse Tierseuche wie MKS auftritt. Ziel ist es, eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, da eine Behandlung nicht möglich ist. Impfungen sind zwar prinzipiell möglich, werden aber in der EU nicht flächendeckend eingesetzt, weil sie mit Handelsbeschränkungen verbunden wären.
Der Begriff Keulung wird oft mit Notschlachtung verwechselt. Während eine Notschlachtung aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt (beispielsweise bei verletzten Tieren), dient die Keulung ausschließlich der Seuchenbekämpfung.
Die Differenzierung ist entscheidend, wird in Falschmeldungen jedoch konsequent ignoriert.
Wie wird MKS diagnostiziert?
Zwar lassen sich erste Anzeichen klinisch erkennen, doch zur sicheren Diagnose braucht es Labortests. PCR- und Antigen-Tests liefern eindeutige Ergebnisse. Gerade weil die Symptome auch bei anderen sogenannten Bläschenkrankheiten auftreten können, ist eine Laboranalyse unverzichtbar.
Die Vorstellung, es handle sich um eine „erfundene“ oder „übertriebene“ Krankheit, lässt sich mit diesen Fakten nicht halten.
Warum solche Falschmeldungen gefährlich sind
Die Verbreitung dieser Desinformationen ist nicht nur irreführend, sondern auch brandgefährlich. Wenn Landwirte die Warnungen nicht ernst nehmen, gefährden sie nicht nur ihre eigenen Tiere, sondern auch ganze Bestände in Nachbarbetrieben. Zudem können solche Gerüchte das Vertrauen in veterinärmedizinische Maßnahmen und staatliche Krisenpläne massiv untergraben.
In einer globalisierten Agrarwirtschaft ist der Schutz vor Seuchen wie MKS nicht nur eine Frage des Tierwohls, sondern auch der wirtschaftlichen Stabilität.
Eine unkontrollierte Ausbreitung kann Lieferketten lahmlegen, Exporte stoppen und Existenzen zerstören.
❓ FAQ zur Maul- und Klauenseuche, was du wissen musst!
Weil Desinformation auch 2025 ein Risiko ist, klären wir auf.
❗ Was ist die Maul- und Klauenseuche (MKS)?
MKS ist eine hochansteckende Viruserkrankung bei Paarhufern wie Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen. Sie verursacht Bläschen an Maul, Klauen und Euter, Fieber, Lahmheit und starke Schmerzen. Bei milchgebenden Tieren kommt es zu massivem Milchrückgang. Eine Heilung gibt es nicht, die Tiere müssen im Verdachtsfall getötet werden.
👨👩👧 Ist MKS gefährlich für Menschen?
Nein. Menschen erkranken so gut wie nie daran. Nur in extrem seltenen Fällen nach intensivem Kontakt mit infizierten Tieren kann es zu milden Symptomen kommen. Eine Übertragung über Lebensmittel wie pasteurisierte Milch oder Fleisch ist nicht bekannt, diese gelten als unbedenklich.
🧒 Hat MKS etwas mit der Hand-Fuß-Mund-Krankheit zu tun?
Nein. Nur der Name klingt ähnlich. MKS ist eine Tierseuche, Hand-Fuß-Mund eine harmlose Virusinfektion bei Kindern. Die beiden Krankheiten haben weder denselben Erreger noch denselben Ursprung.
🐕 Können Haustiere wie Hunde oder Katzen erkranken?
Nein, sie erkranken nicht. Allerdings können sie das Virus über Fell, Pfoten oder Gegenstände weiterverbreiten. Deshalb gilt in betroffenen Gebieten höchste Hygienepflicht.
🧪 Wie wird MKS nachgewiesen?
Symptome geben einen ersten Hinweis, aber nur Labortests (PCR oder Antigen) liefern Sicherheit. Eine reine Sichtdiagnose reicht nicht aus, da es ähnliche Krankheiten gibt.
🚨 Was passierte beim Ausbruch in Brandenburg im Januar 2025?
Drei Wasserbüffel im Landkreis Märkisch-Oderland starben mit MKS-Symptomen. Daraufhin wurden Sperrzonen eingerichtet, der Tiertransport gestoppt, Zoos geschlossen und auf der Grünen Woche keine Klauentiere zugelassen. Schnellmaßnahmen verhinderten eine Ausbreitung, weitere Fälle wurden nicht gefunden.
💉 Wurde gegen MKS geimpft?
Nein. Zwar wurde der Impfstoff aus der EU-Reserve bereitgestellt, aber nicht eingesetzt. Eine Impfung wäre nur bei massiver Ausbreitung erfolgt. Die EU erlaubt Notimpfungen nur in Ausnahmefällen, weil sie Handelsbeschränkungen auslösen könnten.
🌍 Welche Folgen hatte der Ausbruch für den Export?
Kurzzeitig stoppten viele Drittstaaten den Import tierischer Produkte aus Deutschland. Dank schneller Reaktion konnten wichtige Märkte wie China, Malaysia oder Großbritannien wieder geöffnet werden. Innerhalb der EU blieb der Handel mit Produkten aus nicht betroffenen Regionen möglich.
💸 Welche Unterstützung bekamen Landwirt:innen?
Tiere, die gekeult wurden, werden über die Tierseuchenkasse entschädigt. Die Rentenbank bietet Hilfskredite zur Liquiditätssicherung an. Steuererleichterungen sind in Prüfung. Das BMEL bemüht sich, die Exportmärkte schnellstmöglich wieder freizugeben, zum Schutz auch nicht betroffener Betriebe.
🔎 Was ist über den MKS-Ausbruch in Ungarn bekannt?
Im März 2025 wurde MKS in einem Rinderbetrieb im Nordwesten Ungarns nachgewiesen. Es war der erste Ausbruch dort seit über 50 Jahren. Weitere Fälle traten in der Slowakei auf. Ein Zusammenhang mit dem Fall in Brandenburg ist laut Behörden nicht belegt.
📌 Warum sind solche Infos wichtig? Weil auf Social Media immer wieder Falschmeldungen kursieren: MKS sei harmlos, „erfunden“ oder diene nur zur Panikmache. Diese Behauptungen sind falsch und sie gefährden Tiergesundheit, Landwirtschaft und ganze Wirtschaftszweige.
Fazit zum Thema
Die Behauptung, Maul- und Klauenseuche sei harmlos oder gar ausgestorben, ist nachweislich falsch. Die Krankheit ist 2024 mit mehreren Ausbrüchen in Europa zurückgekehrt und hat bereits Tierleben gefordert. Maßnahmen wie Keulung sind wissenschaftlich fundiert und rechtlich verpflichtend. Wer die Seuche verharmlost, trägt zur Gefährdung von Tiergesundheit und landwirtschaftlicher Infrastruktur bei.
Quellen:
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