Merz und Russland: Was er über seine Umfragewerte wirklich sagte

Ein echter Videoausschnitt aus Kiew soll belegen, dass Merz Russland für sein Umfragetief verantwortlich macht. Das vollständige Wortprotokoll zeigt etwas anderes.

Die Behauptung

Bundeskanzler Friedrich Merz habe bei einer Pressekonferenz in Kiew Russland für seine schlechten persönlichen Umfragewerte verantwortlich gemacht.

Aufgestellt von: Russischsprachige Telegram-Beiträge vom 5. Oktober 2026, dokumentiert von Gwara Media

Faktencheck: Falsch

Falsch. Merz sprach über russische Falschinformationen und die Kritik an der Ukraine-Hilfe. Russland gab er bei der Pressekonferenz am 4. Oktober 2026 jedoch nicht die Schuld an seinen persönlichen Umfragewerten.

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Eine Journalistin fragte Friedrich Merz am 4. Oktober 2026 in Kiew, warum die Kritik an der finanziellen Unterstützung der Ukraine in Deutschland zunehme. Von den persönlichen Beliebtheitswerten des Bundeskanzlers war in ihrer Frage keine Rede. Genau diesen Unterschied verwischen Beiträge, die nach der Pressekonferenz verbreitet wurden.

Merz antwortete: „Ich sehe diese Umfragen, ich höre diese Meinungen. Ich nehme sie ernst, auch wenn ich sie nicht teile.“ Anschließend kündigte er an, ausführlicher zu erklären, warum die weitere Unterstützung der Ukraine seiner Ansicht nach im Interesse Deutschlands liege. Dabei sprach er auch von russischen Netzwerken, Bots und Falschinformationen in Deutschland. Dass Russland seine eigenen schlechten Umfragewerte verursache, sagte er nicht.

Die ukrainische Faktencheck-Redaktion Gwara Media dokumentierte mehrere russischsprachige Telegram-Beiträge vom 5. Oktober. Sie zeigten einen echten Ausschnitt aus der Pressekonferenz, behaupteten dazu aber, Merz mache Russland für sein Umfragetief verantwortlich. Gwara verglich den Ausschnitt mit der vollständigen Videoaufnahme und stellte fest, dass die Aussage aus ihrem Zusammenhang gerissen wurde.

Dass Merz schlechte Umfragewerte hat, stimmt allerdings. Laut dem am 1. Oktober veröffentlichten ARD-DeutschlandTrend waren 10 Prozent der 1.303 befragten Wahlberechtigten mit seiner Arbeit zufrieden, 88 Prozent unzufrieden. Diese Umfrage bewertet die Arbeit des Kanzlers. Die Frage in Kiew betraf hingegen die Kritik an der Ukraine-Hilfe. Die beiden Themen sind nicht gleichzusetzen.

Das Wortprotokoll der Bundesregierung gibt die gesamte Antwort wieder. Es beruht laut Bundesregierung auf einer Aufzeichnung des Fernsehsenders phoenix. Der Fall zeigt, dass schon eine irreführende Beschreibung ausreichen kann, um einem echten Video eine Aussage zuzuschreiben, die darin nicht gefallen ist.


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