Die Behauptung
Online wird empfohlen, sich angesichts möglicher Pestfälle mit Ivermectin und einem medizinischen Notfallpaket für rund 300 US-Dollar vorsorglich zu schützen.
Aufgestellt von: https://factcheck.afp.com/doc.afp.com.D2NZ79E
Faktencheck: Irreführend
Ivermectin schützt nicht vor der Pest. Doxycyclin kann bei einer Pesterkrankung oder nach konkretem Kontakt mit Pest-Erregern medizinisch sinnvoll sein. Der vorsorgliche Kauf und die eigenständige Einnahme solcher Mittel ohne entsprechendes Risiko sind keine empfohlene Schutzmaßnahme.
Ivermectin wird derzeit als Mittel zur Vorbereitung auf eine mögliche Pestgefahr empfohlen. Das ist medizinisch nicht begründet: Die Pest wird durch Bakterien ausgelöst, Ivermectin ist hingegen ein Medikament gegen bestimmte Parasiten. Für einen Schutz vor der Pest durch Ivermectin gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.
Auslöser der neuen Empfehlungen ist der Tod einer Mitarbeiterin eines russischen Pestforschungsinstituts in Irkutsk. Ob die Frau tatsächlich an der Pest erkrankt war, ist weiterhin unklar. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte am 7. Oktober 2026, Russland habe bislang keinen Pestfall in der Region bestätigt. Sie fordert weitere Untersuchungsergebnisse an. Trotzdem wird in sozialen Netzwerken bereits über angebliche Vorsorgemittel diskutiert.
Ein Notfallpaket für knapp 300 Dollar
Die Nachrichtenagentur AFP dokumentierte Beiträge, in denen ein medizinisches Notfallpaket beworben wird. Ein dazugehöriges Facebook-Video erreichte laut AFP mehr als 161.000 Aufrufe. Manche Beiträge enthielten persönliche Rabattcodes. Das kann auf eine Vergütung für die Werbung hindeuten, beweist aber noch keine tatsächlich geflossene Provision.
Das Angebot ist real: Das US-Unternehmen The Wellness Company verlangt für sein „Medical Emergency Kit“ 299,99 US-Dollar. Laut Produktbeschreibung enthält es acht verschreibungspflichtige Medikamente, darunter Ivermectin und das Antibiotikum Doxycyclin. Der Anbieter nennt auch den möglichen Kontakt mit Pest-Erregern als Einsatzgebiet für Doxycyclin. Er schreibt zugleich, dass ärztliche Prüfung und Begleitung erforderlich sind.
Warum Doxycyclin etwas anderes ist als Ivermectin
Doxycyclin ist tatsächlich eines der Antibiotika, die bei bestimmten Formen der Pest eingesetzt werden können. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt Antibiotika auch für Menschen, die nachweislich einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt waren, etwa durch engen Kontakt mit einer an Lungenpest erkrankten Person. Daraus folgt aber keine Empfehlung, bei einer unbestätigten Pestmeldung auf eigene Faust Antibiotika einzunehmen. Welche Behandlung nötig ist, muss medizinisch entschieden werden. Unnötige Antibiotikagaben können Nebenwirkungen haben und die Entstehung resistenter Bakterien begünstigen.
In anderen Beiträgen werden zusätzlich Chlordioxid und verschiedene Vitamine empfohlen. Chlordioxid ist kein anerkanntes Pestmedikament. Das Trinken solcher Lösungen kann gesundheitsschädlich sein. Diese Empfehlung ist von den tatsächlichen Bestandteilen des beschriebenen Notfallpakets zu unterscheiden.
Für Österreich und Deutschland ist außerdem die Versandfrage geklärt: Nach den veröffentlichten Bedingungen von The Wellness Company werden verschreibungspflichtige Medikamente nur innerhalb der USA verschickt. Internationale Lieferungen sind laut Anbieter bei Nahrungsergänzungsmitteln möglich, beim beschriebenen Medikamentenpaket jedoch nicht.
Quellen
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