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Fake-Klassiker: Popcorn mit dem Handy machen

Ralf Nowotny,

Seit 10 Jahren kursieren mehrere Videos, die zeigen sollen, wie man mittels vier Handys schnell Popcorn machen kann, nur durch deren Strahlung.

Seit November 2017 existiert jener Beitrag auf Facebook, wird aber immer noch kräftig geteilt und kommentiert:

Screenshot mimikama.org
Screenshot mimikama.org

Hier könnt ihr euch eines der vielen Videos ansehen:

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Ein Blick auf die im Video verwendeten Handys zeigt schonmal, dass hier nicht etwa die neuesten Smartphones verwendet wurden, denn tatsächlich erschienen jene Videos bereits 2008. Die Strahlungen jener Handys beim Klingeln sollen so stark sein, dass sie das im Wasser enthaltene Mais erhitzen und die Körner zu Popcorn machen.

Nun haben wir da schon ein kleines, physikalisches Problem: Es genügt nicht, alleine das Wasser zu erhitzen, auch muss ein Gegenstand direkt bei den Körnern oder die Luft um die Körner herum erhitzen, da die Körner sonst die Hitze einfach nur an die Luft abgeben würden; es würde also gar nichts passieren.

Die Auflösung

Bei den Videos handelt es sich nicht etwa um eine echte Demonstration, wie stark doch Handystrahlung ist, sondern um geschicktes Viral Marketing.
Am 28. Mai 2008 veröffentlichte die Firma „cardo“ jene Videos und lösten am 13. Juni 2008, nachdem die Videos bereits von 4 Millionen Nutzern gesehen wurden, auf. Die Webseite wurde ständig aktualisiert, um die neuesten Views zu zeigen.

„More than 17 million people have seen our little videos since May 28, 2008 and we hope you had as much fun watching as we had creating them.“

Im September 2008 wurde die Erklärung schließlich offline genommen, die Videos existieren aber weiterhin und werden immer wieder von Nutzern neu hochgeladen. Unter den Originalvideos konnte man auch noch einen Hinweis lesen, der selbstverstänlich bei den neu hochgeladenen Videos fehlt:

„The content of the initial video is merely a fictitious and humorous optical illusion designed for entertainment. Nothing in the video implies that mobile phones can make popcorn.“

Der Inhalt jenes Videos ist also eine fiktive, optische Illusion, der nur zu Unterhaltungszwecken diene. Mit den Videos warb die Firma für ihre Bluetooth-Headsets, damit man sich die vermeintlich gefährlichen Handys, welche einem dann sicher das Wasser im Hirn kochen lassen, nicht mehr ans Ohr halten muss.

„Vielleicht geht das ja doch?“

Dagegen spricht sämtliche Physik. Erst einmal ist es so, dass klingelne Handys ein Signal empfangen, nicht etwa ausstrahlen. Das Wasser in eurem Körper müsste bereits zum Kochen anfangen, wenn das Handy in der Hosentasche klingelt. Zudem benötigt Popcorn selbst in einer Mikrowelle mehr als nur wenige Sekunden, die angebliche Strahlung der Handys müsste euch also wortwörtlich innerhalb weniger Sekunden von innen verbrennen.

Fazit

Die Videos sind nicht echt, sondern waren ein Viral Marketing Gag einer Firma, um für ihre Bluetooth-Headsets zu werben. Die genaue Erklärung, wie die Videos entstanden, lieferte die Firma nicht. Am Wahrscheinlichsten sind geschicktes Video-Editing oder eine Heizplatte, die unter dem Tisch befestigt wurde (und entweder viel Geschick, um die Handys kurz vor dem Platzen klingeln zu lassen oder das nachträgliche Audio-Editing der Videos).


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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