Am Telefon meldet sich eine Ärztin. Ein Familienmitglied sei schwer krank, ein teures Medikament müsse sofort her. Im Hintergrund klingt es nach Krankenhaus. Vor genau solchen Anrufen hat die Polizei Münster am 16. September 2026 gewarnt.
Die Täter geben sich laut Polizei als Ärztin oder Arzt aus und täuschen eine Krankheit bei Angehörigen vor. Das Medikament komme angeblich aus dem In- oder Ausland und koste viel Geld. Nach dem Telefonat wollen die Betrüger Bargeld oder Wertgegenstände bei den Angerufenen abholen. Die Krankheit ist erfunden – und die Krankenhausgeräusche im Hintergrund beweisen gar nichts.
Ist das eine neue Masche?
Die Polizei Münster spricht von einer neuen Art von Betrugsversuchen in Münster. Für die Stadt mag das stimmen. Die Geschichte selbst kennt man aber schon länger. In Österreich warnte das Bundeskriminalamt bereits im April 2025 vor „falschen Ärzten“ am Telefon, die Polizei Vorarlberg zuletzt im Juli 2026. Ende August haben wir mehrere Fälle aus Deutschland zusammengetragen, bei denen Menschen Bargeld und Gold an Abholer übergeben haben.
Auffällig an der Warnung aus Münster ist deshalb nicht die Geschichte. Auffällig ist der Ton dahinter.
Warum ein Geräusch so viel ausmacht
Am Telefon sieht man nichts. Man hat nur die Stimme und das, was man dahinter hört. Den Rest ergänzt der Kopf von selbst: einen Gang, ein Krankenbett, eine Ärztin im weißen Mantel. Die Polizei nennt es „das Perfide“, dass die Täter ihre Geschichte mit glaubwürdigen Krankenhausgeräuschen untermauern und dazu enormen zeitlichen und emotionalen Druck aufbauen.
Wer gerade hört, dass das eigene Kind im Spital liegt, prüft keine Hintergrundgeräusche. Das Geräusch übernimmt in diesem Moment die Rolle eines Beweises. Wie die Täter die Geräusche erzeugen, schreibt die Polizei nicht.
In der Warnung steht noch ein Satz, der leicht überlesen wird: Man solle misstrauisch sein, „auch bei bekannten Rufnummern“. Ob die Täter in Münster eine bekannte Nummer vorgetäuscht haben, geht aus der Meldung nicht hervor. Der Hinweis zeigt aber, dass auch die Nummer im Display kein Beleg ist.
Was die Polizei rät
Die Polizei Münster rät, aufzulegen und selbst sofort Kontakt mit den Angehörigen aufzunehmen. Am sichersten geht das über die Nummer, die Sie ohnehin gespeichert haben, und nicht über eine, die der Anrufer nennt. Außerdem gilt: Niemandem Zugriff auf das eigene Konto geben, kein Bargeld und keinen Schmuck aushändigen und am Telefon keine persönlichen Daten verraten, etwa Adresse, Telefonnummern oder Bankdaten. Im Zweifel verständigen Sie die Polizei, in Österreich unter 133, in Deutschland unter 110.
Wer schon Geld oder Wertsachen übergeben hat, sollte sich so schnell wie möglich bei der Polizei melden. Eine ausführliche Anleitung und eine einfache Absprache für die Familie finden Sie in unserem Artikel zu den Krebs-Schockanrufen. Weitere Hilfe nach einem Betrug gibt es im Mimikama-Notfall-Check.
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