Was ist der Schwarze Block – und was sagen die Bilder aus Frankreich?

Der Schwarze Block bezeichnet eine Aktionsform, deren Beteiligte sich durchaus koordinieren können. Was darüber belegt ist und weshalb einzelne Gewaltbilder keine pauschalen Schuldzuweisungen tragen.

Das Wichtigste in Kürze

Worum geht es?
Nach den Ausschreitungen in Frankreich am 17. Oktober 2026 wird über die Rolle des „Schwarzen Blocks“ diskutiert. Was bezeichnet dieser Begriff?

Was haben wir herausgefunden?
Er beschreibt eine Aktionsform mit schwarzer Kleidung und Vermummung. Eine übergreifende Führung gibt es dabei nicht; einzelne beteiligte Gruppen können dennoch Angriffe planen und koordinieren.

Was lässt sich daraus ableiten?
Aus dem Auftreten allein lässt sich weder die Verantwortung für sämtliche Ausschreitungen noch die Herkunft oder Religion einzelner Beteiligter bestimmen. Konkrete Tatvorwürfe brauchen eigene Belege.

Wenn schwarz gekleidete, vermummte Menschen gemeinsam durch eine Demonstration ziehen, wirkt das wie eine geschlossene Einheit. Der Ausdruck „Schwarzer Block“ verstärkt diesen Eindruck. Die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung beschreibt damit eine Demonstrationstaktik: Einheitliche Kleidung erschwert es, einzelne Personen zu identifizieren. Wer daraus eine feste Organisation mit eindeutig bestimmbarer Mitgliedschaft macht, verkennt die Bedeutung des Begriffs.

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Wie sich ein Schwarzer Block bildet

Der Politikwissenschafter Francis Dupuis-Déri beschreibt in seinem Fachaufsatz „Black Blocs. Bas les masques“ Zusammenschlüsse kleinerer Gruppen, deren Beteiligte sich etwa aus politischen Zusammenhängen oder dem persönlichen Umfeld kennen. Sie verständigen sich über ihr Vorgehen und können sich mit anderen Gruppen abstimmen. Weitere Personen können erst bei der Demonstration dazukommen. Eine zentrale Führung, die allen Beteiligten Befehle erteilt, gehört zu dieser Aktionsform nicht.

Dupuis-Déri verortet ihre Anfänge um 1980 im autonomen Milieu Westberlins, im Zusammenhang mit Hausbesetzungen und Räumungen. International sichtbar wurde die Taktik unter anderem bei den Protesten gegen die Welthandelsorganisation 1999 in Seattle. Ihre Geschichte ist eng mit anarchistischen und antikapitalistischen Zusammenhängen verbunden. Anarchismus bezeichnet dabei kein einheitliches Verhältnis zur Gewalt: Dupuis-Déri verweist ausdrücklich auch auf gewaltfreie Anarchistinnen und Anarchisten.

Gewalt kann vorbereitet sein – auch ohne zentrale Führung

Eine Forschungsnotiz aus dem Forschungszentrum der französischen Gendarmerie von Juli 2016 beschreibt wechselnde Zusammensetzungen und eine horizontale Organisation. Gemeint ist eine Zusammenarbeit ohne übergeordnete Befehlskette. Das kann trotzdem abgestimmtes Handeln ermöglichen. Die Autorin Alice Cantireau untersucht unter anderem Angriffe auf Polizeikräfte und Sachbeschädigungen an Gebäuden, die Beteiligte als Symbole staatlicher oder wirtschaftlicher Macht betrachten.

Diese politische Begründung erklärt die Auswahl von Zielen; sie rechtfertigt keine Angriffe. Zugleich lässt sich ein damaliger Forschungsbefund nicht als Beweis dafür verwenden, wer heute ein bestimmtes Gebäude angezündet hat. Dafür müssen die konkreten Abläufe und Verantwortlichen ermittelt werden.

Auch der Berliner Verfassungsschutz ordnet den Schwarzen Block überwiegend dem gewaltorientierten linksextremistischen Spektrum zu. Er hält jedoch ausdrücklich fest, dass seine Teilnahme einen friedlichen Demonstrationsverlauf nicht ausschließt. Außerdem dokumentiert die Behörde, dass rechtsextreme „Autonome Nationalisten“ diese Aktionsform übernommen haben. Schwarze Kleidung ist deshalb für sich genommen kein verlässlicher politischer Ausweis.

Was zu den aktuellen Fällen in Frankreich berichtet wird

Zum Brand des Rathauses von Limoges am 17. Oktober berichtete RTL am 20. Oktober 2026 über die Festnahme eines 34-jährigen Verdächtigen. Die Festnahme sei von der Staatsanwältin bestätigt worden. RTL ordnete den Mann dem ultralinken Spektrum zu. Das ist ein berichteter Ermittlungsstand zu einem konkreten Verdacht. Daraus lässt sich keine Verantwortung für andere Brände oder sämtliche Plünderungen in Frankreich ableiten.

Der STANDARD berichtete am selben Tag über unterschiedliche Profile unter den Festgenommenen und erste Gerichtsverfahren wegen Plünderungen. Einzelne Beschuldigte bestritten eine politische Motivation. Solche Aussagen müssen im jeweiligen Verfahren geprüft werden; sie ergeben noch kein vollständiges Bild aller Beteiligten. Die Berichterstattung bietet jedenfalls keine Grundlage, sämtliche Taten einer einheitlichen Gruppe zuzuschreiben.

Was ein Video belegen kann

Eine überprüfte Aufnahme kann einen Steinwurf oder einen Angriff zeigen. Ob die Person zu einer bestimmten Gruppe gehört und mit welchem Motiv sie handelt, braucht zusätzliche Belege. Herkunft oder Religion lassen sich aus Kleidung und Vermummung ebenfalls nicht bestimmen. Für die Einordnung eines Clips gehören deshalb der bestätigte Aufnahmeort und Zeitpunkt zur Prüfung, bevor seine Bildunterschrift als Erklärung übernommen wird.

Für Mimikama folgt daraus: Konkrete Gewalt lässt sich klar benennen, ohne aus einem einzelnen Täterbild eine pauschale Schuldzuweisung zu machen. Eine Szene aus Paris erklärt keinen Brand in Limoges. Und wer einen Angriff begeht, spricht dadurch nicht für alle Menschen, die am selben Tag demonstrieren.

Quellen

WISSENSCHAFT
WISSENSCHAFT
Francis Dupuis-Déri / Mouvements
2003
BEHÖRDE
Berliner Verfassungsschutz
Ohne Datumsangabe
BEHÖRDE
Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung
Ohne Datumsangabe

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