Wie Sprachprofiler Verbrecher anhand von Texten entlarven

Erfahren Sie, wie Sprachprofiler Verfasser von Drohbriefen und Hasskommentaren entlarven. Mimikama bietet spannende Einblicke in die forensische Linguistik

Was sagt es über uns, wie wir unsere Texte verfassen, Kommentare schreiben oder auch einfach nur mit Emojis reagieren?

Wie Sprachprofiler Verbrecher anhand von Texten entlarven – Das Wichtigste zu Beginn:

Zwei Sprachanalysten erklären, auf welche Details sie in Texten achten, um herauszufinden, wer der Verfasser von Drohbriefen, Erpresserschreiben oder auch Hasskommentaren im Internet ist.

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Hasskommentare, Drohungen, Erpresserschreiben

Mit derartigen Texten befassen sich Leo Martin, Ex-Geheimagent des deutschen Geheimdienstes und Patrick Rottler, Sprachprofiler des Instituts für forensische Textanalyse in München.

Seit 2018 betreiben die Beiden forensische Linguistik. Ihre Aufgabe ist es, Täter anhand von Sprach- und Schreibmustern zu überführen, was ihnen in 90 Prozent der Fälle auch gelingt.

So liefern sie auch für die Polizei wichtige Hinweise. Sobald sie mit ihrer Analyse zu einem Ergebnis gekommen sind, wird gemeinsam mit dem Auftraggeber entschieden, ob man den Täter konfrontiert oder die Staatsanwaltschaft informiert, um ein Verfahren einzuleiten.

Wie funktioniert die Analyse?

Jeder Satz, jedes Wort, sogar jeder Buchstabe kann verräterisch sein. Die beiden Sprachanalysten lesen Texte bis zu vierzigmal und konzentrieren sich dabei jedesmal auf andere Merkmale im Text. Gestaltung des Textes, Grammatik, Rechtschreibung oder auch nur die Wahl der Grußformel erhalten hier genauso viel Beachtung wie Formulierungen.

„Wir versuchen, eine Systematik herauszuarbeiten. Entscheidet man sich für „stets“ oder eher „immer“, sagt man „Wieso?“, „Weshalb?“ oder „Weswegen?“. So tasten wir uns langsam Stück für Stück an Formulierungen und Konstruktionen heran, die typisch für den anonymen Täter sind“, erklärt Leo Martin.

Natürlich gibt es immer wieder Täter, die versuchen, sich zu verstellen. Anhand eines Beispiels eines Erpressers, der sich als Ausländer ausgab, welcher die deutsche Sprache nicht beherrschte, zeigen die beiden Analysten, welche Hinweise diesen Täuschungsversuch erkennen ließen:
Sobald es um Forderungen ging, wurde das Deutsch wesentlich besser. Auch schwierige Vokabel im Text waren absolut fehlerfrei geschrieben. – Denn so einfach ist das Vortäuschen einer anderen Identität nicht.

Leo Martin schmunzelt: „Für einen Sprachprofiler ist ein Verstell-Versuch wie eine rote Fahne, mit der jemand schwenkt. Ein Täter kann sich immer nur in eine Richtung verstellen – er kann sich nicht schlauer machen, als er ist. Am Ende bleibt immer genug übrig, um eine Aussage treffen zu können.“

Kommunikation in sozialen Medien

Auch vermeintlich banale WhatsApp-Nachrichten oder Posts in sozialen Netzwerken verraten unfreiwillig einiges über uns. Was wir kommunizieren, zeigt, womit wir uns beschäftigen. Sogar Emojis oder eine Kombination von Emojis kann eine Aussagekraft haben, weiß Leo Martin.

„Damit verraten wir auch unsere Motive. Warum schreiben wir Hasskommentare? Was treibt uns an, das zu tun? Ist es der Narzissmus, der uns antreibt? Ist es angegriffenes Ego?“, berichtet Patrick Rottler.

Quelle: Glomex / Pro7 – taff
Artikelbild: Glomex

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