Die Behauptung
In sozialen Medien wird behauptet, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe angekündigt, rechtspopulistischen Parteien in Deutschland nach einem Wahlsieg den Auftrag zur Regierungsbildung zu verweigern. Zudem kursiert die Behauptung, Steinmeier habe gedroht, die Bundestagswahl für ungültig zu erklären, sollte die „falsche Partei“ gewinnen.
Falsch
Die angeblichen Zitate von Frank-Walter Steinmeier sind falsch. Das Bundespräsidialamt bestätigt, dass diese Aussagen nie gefallen sind. Solche Behauptungen sollen gezielt Zweifel an der Neutralität des Bundespräsidenten und der Demokratie säen.
Kurzer Überblick über die Fakten:
- Das erfundene Zitat über rechtspopulistische Parteien: Steinmeier soll gesagt haben, er werde ihnen keinen Auftrag zur Regierungsbildung erteilen – eine Behauptung, die jeder Grundlage entbehrt.
- Keine Befugnis des Bundespräsidenten, Wahlen zu annullieren: In Deutschland hat der Bundespräsident keine verfassungsrechtliche Befugnis, Wahlergebnisse für ungültig zu erklären.
- Hintergrund zum Regierungsbildungsauftrag: Anders als in Österreich nimmt der Bundespräsident in Deutschland bei der Regierungsbildung eine weitgehend neutrale, protokollarische Rolle ein.
Falschmeldungen kursieren in sozialen Medien
Auftrag zur Regierungsbildung? In den vergangenen Tagen gab es in den sozialen Medien erneut eine Welle von Fake News, diesmal mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Mittelpunkt. In einem weit verbreiteten Sharepic wird ihm unterstellt, er wolle rechtspopulistischen Parteien den Auftrag zur Regierungsbildung verweigern, „koste es, was es wolle“. Diese angebliche Aussage verbreitet sich rasend schnell auf Plattformen wie Facebook und TikTok.

Annullierung der Wahl? Zudem wird behauptet, Steinmeier habe angedeutet, dass die kommende Bundestagswahl für ungültig erklärt werden könne, wenn die „falsche Partei“ gewinne. Auch diese Aussage findet sich prominent in Videos und Beiträgen rechtskonservativer Kanäle – doch wie sich herausstellt, handelt es sich um gezielte Desinformation.
Die Fakten: Das Bundespräsidialamt reagiert
Eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) beim Bundespräsidialamt bringt Licht ins Dunkel:
Das angebliche Zitat des Bundespräsidenten zu rechtspopulistischen Parteien ist frei erfunden. „Das Zitat ist keine Aussage des Bundespräsidenten“, stellt Steinmeiers Sprecherin unmissverständlich klar. Eine gründliche Recherche auf den offiziellen Kanälen des Bundespräsidenten sowie in veröffentlichten Reden bestätigt dies: Es gibt keinen Hinweis auf eine solche Äußerung.
Ebenso falsch ist die Behauptung über eine angebliche Drohung, die Bundestagswahl zu annullieren. Auch dafür gibt es keine Belege. Die angeblichen Zitate sind in der Regel aus dem Zusammenhang gerissen oder frei erfunden, um eine bestimmte politische Agenda zu befördern.
Hintergrund: So funktioniert die Regierungsbildung in Deutschland
Während in Österreich der Bundespräsident direkt den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt, ist seine Rolle in Deutschland anders geregelt. Nach Artikel 63 des Grundgesetzes schlägt der Bundespräsident nach einer Bundestagswahl einen Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers vor. Dieser Vorschlag erfolgt im Einvernehmen mit den Parteien, die eine Mehrheit im Bundestag anstreben. Steinmeier oder ein anderer Bundespräsident hat keine Entscheidungsbefugnis darüber, welche Partei eine Regierung bilden darf und welche nicht – seine Rolle ist rein vermittelnd und neutral.
Auch die Befugnis, eine Bundestagswahl für ungültig zu erklären, steht dem Bundespräsidenten nicht zu. Für die Prüfung und Anfechtung von Wahlen ist laut Gesetz der Wahlprüfungsausschuss des Bundestages zuständig, dessen Entscheidungen dann vom Bundesverfassungsgericht überprüft werden können. Bundespräsident Steinmeier spielt in diesem Verfahren keine aktive Rolle.
Die Taktik hinter Fake News
Besonders auffällig: Viele der Falschmeldungen basieren auf verzerrten oder frei interpretierten Auslegungen offizieller Reden. Ein Beispiel: Die angebliche Drohung Steinmeiers, die Wahl zu annullieren, wurde aus einer Rede konstruiert, in der er Versuche der Wahlbeeinflussung von außen kritisierte. Steinmeier hatte betont: „Die Wahlentscheidung treffen allein die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland.“ Eine klare Botschaft gegen Manipulation und Desinformation – doch rechtskonservative Kanäle drehten die Aussage um und stellten sie in einen völlig anderen Kontext.
Die Verbreitung solcher Fake News folgt einem bekannten Muster: Sie sollen Misstrauen schüren – sowohl gegenüber demokratischen Institutionen als auch gegenüber den Medien. Ziel ist es, Unsicherheit zu erzeugen und den Eindruck zu erwecken, demokratische Prozesse seien manipuliert oder einseitig.
Fazit zu Fake News über Bundespräsident Steinmeier
Die gezielte Verbreitung von Falschinformationen über Frank-Walter Steinmeier zeigt, wie systematisch versucht wird, das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben. Die kursierenden Zitate sind frei erfunden und entbehren jeder Grundlage. Bürgerinnen und Bürger sollten sich bei solchen Behauptungen immer die Frage stellen: Wem nützen solche Falschmeldungen? Und warum werden sie verbreitet?
Gerade in Zeiten zunehmender Desinformation ist es wichtiger denn je, sich auf verlässliche Quellen zu beziehen und falschen Behauptungen mit Fakten zu begegnen.
Quelle: DPA, DPA, DerWesten.de
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