Diverse Medien berichten aktuell über das mysteriöse Hundesterben, welches nach dem Ausbruch in Norwegen nun auch Deutschland erreicht haben soll.
Tödliche Hundekrankheit aus Norwegen nun auch in Deutschland: Diese Meldungen verunsichert Hundebesitzer, welche wiederum auf uns zukommen und wissen möchten, ob dies nun so stimme. Im Speziellen geht es um die Berichte von RTL und vom FOCUS.
Unser Faktencheck zu diesem Thema, wurde von der Tierarztpraxis Anke Meeuw durchgeführt
Tierarztpraxis Anke Meeuw: Ich habe mit der behandelnden Tierarztpraxis Katharina Wiener telefoniert. An dieser Stelle darf ich mich recht herzlich bei der Kollegin bedanken, die sehr gut, ruhig und besonnen zu diesem Falle reagiert hat und die Vorfälle ordnungsgemäß an die Behörden gemeldet hat.
Nachdem im August und September 2019 einige Hunde in Norwegen an einer bisher nicht näher geklärten Hundekrankheit verstorben sind, kommen nun auch beunruhigende Meldungen aus dem Norden Deutschlands. Angeblich sind drei Hunde in Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern) an dieser Krankheit verstorben.
Die drei Hunde litten zunächst an einem wässrigen und zum Schluss auch an blutigen Durchfall und verstarben innerhalb von 24 Stunden.
Alle drei Tiere waren allerdings körperlich geschwächt und vorgeschädigt (chronisch erkrankt), so dass eine schwere Durchfallerkrankung hier auch deutlich gefährlicher ist.
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Bei einer Kotprobe eines verstorbenen Hundes wurde ein Keim gefunden, der auch in Norwegen bei einigen (nicht bei allen) Tieren gefunden wurde: Providencia alcalifaciens. Dieser Keim kommt schon mal in Kotproben vor, ist aber in der Regel nicht tödlich.
Aktuell konnten zwei Bakterien bei den obduzierten Hunden (in Norwegen) nachgewiesen werden. Clostridium perfringens und Providencia alcalifaciens. Beide Erreger können zu Magen-Darm-Erkrankungen führen, sind aber auch bei gesunden Hunden zu finden. Man spricht daher von fakultativ pathogenen Erregern, die eine Erkrankung verursachen können, aber dies meist nicht tun. Zwei der verstorbenen Tiere kamen aus einer Mehrhundehaltung. Bei den anderen Hunden wurde dieser Keim nicht festgestellt.
Bisher wurde kein Hund einer Obduktion unterzogen, um die genaue Todesursache festzustellen. Die Behörde kann aber bei weiteren Todesfällen eine Obduktion der betroffenen Tiere veranlassen.
Hundekrankheit: Bisher haben wir hier in Deutschland die gleichen Erkenntnisse wie die Kollegen in Norwegen:
- Durchfall, am Ende blutig
- kein einzelner Keim als Ursache identifizierbar
- Übertragung von Hund zu Hund wurde bisher nicht festgestellt
- Providencia alcalifaciens konnte in Norwegen bei einigen, hier in Deutschland bei einem Hund festgestellt werden
- weitere Ursachen sind bisher nicht bekannt
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man hier nicht von einem „Ausbruch“ der gleichen Hundekrankheit sprechen kann. Um eine Verwandtschaft der Providencia Bakterien zu beweisen, müsste man den in Boizenburg gefundenen Keim genetisch mit den Keimen aus Norwegen vergleichen.
Bisher scheint es sich um eine schwere Durchfallerkrankung unbekannter Ursache zu handeln, die zumindest bei geschädigten und chronisch kranken Tieren schnell zum Tode führen kann. Die norwegischen Behörden haben auch in Bezug auf die Fälle von August und September keine weiteren Erkenntnisse.
Panikmache ist nicht angebracht!
Allerdings sind Panikmache und große Angst nicht angebracht, da sich im Herbst erfahrungsgemäß Durchfallerkrankungen häufen und augenscheinlich eine Übertragung von Hund zu Hund nicht stattfindet.
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Leider findet man im Netz auch höchst unseriöse Meldungen eines Tierarztes aus Deutschland, der angeblich in Norwegen Hunde mit Chlordioxid geheilt hat. Nach Rücksprache mit den norwegischen Behörden gab es weder eine Zusammenarbeit, noch ist dieses Bleichmittel als Medikament beim Tier zugelassen und die Anwendung ist im höchstem Maße tierschutzrechtlich relevant.
Verweise:
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stuft zwei „Miracle Mineral Supplement“-Produkte als zulassungspflichtig und bedenklich ein
- Drei Jahre Haft für Verkäufer des „Wundermittels“ MMS
- Ätzende Alternativmedizin: Das Geschäft mit dem „Wundermittel“ MMS geht weiter
Autorin: Anke Meeuw
Artikelbild: Shutterstock / Von PRESSLAB
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