Merkel-Fragerunde – das „nordkoreanische ZDF“

Entdecke die Hintergründe zur ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel!“ und erfahre, warum die Diskussion um Moderationskarten neu entfacht wird auf Mimikama

Gut vor einem Jahr erreichten uns die ersten Anfragen zu einer angeblich inszenierten Fragerunde der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel!“.

Und wie das nun einmal bei sozialen Netzwerken so ist, wird ein alter Sachverhalt auch gern immer wieder neu geteilt.

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Wir erhalten also aktuell abermals Anfragen zu den Moderationskarten, die Peter Frey in der Hand hält:

Screenshot by mimikama.org

Screenshot by mimikama.org

Meanwhile im nordkoreanischen ZDF
…spontane Zuschauerfragen

Der Faktencheck

Am 14. September 2017 wurden der Bundeskanzlerin in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Merkel!“ verschiedene Fragen von BürgerInnen gestellt. Eine ganz normale Sendung im Wahlkampf. Doch gestern tauchte ein Screenshot der Sendung auf.

Dort sieht man die Hand von ZDF-Chefredakteur Peter Frey, der zusammen mit Bettina Schausten durch die Sendung führte. In seiner Hand ist eine Moderationskarte, auf der verschiedene Köpfe samt Notizen zu sehen sind. Anscheinend hat jemand die gedruckten Notizen handschriftlich ergänzt.

Sind die Bürgerfragen abgesprochen? Hat das ZDF alles nur inszeniert?

Die Kommentatoren sehen in dieser Karte den Beweis, dass die „Lügenpresse“ alles nur „inszeniert“ habe. O-Ton: Das ZDF wurde beim Manipulieren erwischt. Doch was bedeutet diese Karte? Der Bildausschnitt ist zu unscharf, um zu erkennen, was genau darauf steht.

Das ZDF sagt dazu, dass es sich hierbei um eine Moderationskarte handelt, die zur Orientierung des Moderators über den Sendeablauf dient. Denn inszeniert oder nicht – dass eine Sendung einen geplanten Ablauf hat, ist völlig normal.

Gegenüber CORRECTIV bestätigte der für die Sendung verantwortliche ZDF-Redakteur auch, dass „jene Zuschauer, die Fragen gestellt haben, tatsächlich ausgewählt wurden.“ Ebenso sagte ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn sowohl gegenüber CORRECTIV, als auch gegenüber MEEDIA, die auch nachfragten, „Zu den Fragestellern gehörten unter anderem auch Personen, die bereits im crossmedialen ZDF-Projekt #ichbindeutschland ihre Sicht auf die politische Stimmung in Deutschland kundgetan haben“. Weiter sagte Hagedorn gegenüber MEEDIA:

„Die Redaktion hat in der Vorbereitung der Sendung selbstverständlich auch geprüft, welche der eingeladenen Gäste zu welchen Themenkomplexen Fragen stellen könnten. In einer 90-minütigen, dynamischen Livesendung kann das aber nicht viel mehr sein als eine grobe Orientierung für die Moderatoren. Es war verabredet, dass die Protagonisten, die in einem Film vorgestellt werden und in einen Themenkomplex einführen, auch zu Wort kommen. Alle anderen Entscheidungen fielen während der Sendung.“

Ganz normaler Ablauf

Dass Redaktionen Fragesteller bereits vorab auswählen, ist ein völlig normaler Vorgang. Immerhin wird versucht, auch in einer Live-Sendung einen einigermaßen geregelten Ablauf einzuhalten. Was die BürgerInnen am Ende jedoch fragen, bleibt ihnen selbst überlassen. Nach Angaben der Klartext-Redaktion war keine der Fragen vorher mit der Kanzlerin oder dem Kanzleramt abgesprochen – dass das ZDF einige Fragen und Stichpunkte zu den Fragestellern vorher abgesprochen hat und sich dazu Notizen macht, ist völlig normal und unspektakulär.

MEEDIA fragte nach, ob das ZDF denn aus Transparenzgründen die Moderationskarte oder einen lesbaren Screenshot veröffentlichen wolle, doch das ZDF wollte nicht. Kleine Anmerkung: wir haben dieselbe Bitte dem ZDF per E-Mail am 15.09.2017 übermittelt, es ist jedoch davon auszugehen, dass das ZDF uns nicht anders antworten wird. Im Zuge der Transparenz wäre diese Darstellung vielleicht am Ende ja doch eine Überlegung wert. Einfach zeigen, Namen und Gesichter vorher unkenntlich machen.

Die beiden verwendeten Artikel in der Quellenangabe:

Epilog

An dieser Stelle einmal einen Dank an Kollege Thomas Laschyk, der den Sachverhalt beschrieben hat. Ich vermute jedoch ganz stark, dass all diese Worte sinnlos sind und nicht dort ankommen werden, wo sie vernünftigerweise verstanden werden sollten. Denn mal so unter uns: auch bei Mimikama haben wir in den letzten Jahren genug Medienerfahrung sammeln können und an so einigen Podiumsdiskussionen und Panels teilgenommen.

Welch Wunder: all diese Redaktionen und Moderatoren bereiten sich vor! Es gibt Gespräche im Vorfeld, es gibt Abläufe, es gibt Strukturen. Natürlich gibt es das, denn auch Podiumsdiskussionen, schlimmer gar bei Liveübertragungen, dürfen am Ende nicht in einer chaotischen Gesprächsanarchie enden.

Das dürfte vernunftorientierten Zuschauerinnen und Zuschauern bewusst sein, daher ist mir ganz klar, dass diese Gruppe, wie eingangs erwähnt, den Artikel hier gar nicht benötigt. Sie dürften zurecht dem Kollegen Ralf zustimmen, der weiterhin motzend am PC sitzt.

Diejenigen, die jedoch sowieso den Stellungnahmen des ZDF, sowie den Darstellungen von Meedia und CORRECTIV nicht glauben wollen, auch wenn sie durchaus Plausibilität besitzen, werden nun ebenfalls schimpfen. Vielleicht auf den Kollegen Thomas, weil er beide Artikel hier angeführt hat. Vielleicht aufs ZDF und Merkel, weil sie es immer so machen. Vielleicht auch auf mich einfach, weil man pauschal austeilt.

Egal zu welcher dieser beiden Gruppen du gehörst, am Ende wird dich dieser Artikel nicht interessieren.

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