Japan: Abe sandte keine Impfdosen zurück, um Ivermectin zu verteilen

Falsche Behauptungen über Shinzo Abes Ermordung werden entlarvt. Mimikama zeigt die Hintergründe und Fakten zu den Verschwörungstheorien auf

Die Behauptung

Auf einem Sharepic wird behauptet, dass der ehemalige japanische Premierminister Shinzo Abe Ivermectin statt Impfungen an die Bevölkerung verteilte, weswegen er ermordet wurde.

Faktencheck: Wahr

Japan schickte die Impfdosen zurück, weil sie verunreinigt waren, Abe war zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr Premierminister, Ivermectin war zu keinem Zeitpunkt eine Alternative zu Impfungen oder Heilung in Japan.

💬Welche Mythen kursieren rund um Gesundheitsthemen? Antworten finden Sie im Leitfaden Gesundheits-Desinformation.
Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Am 8. Juli wurde der ehemalige japanische Premierminister Shinzo Abe auf einer Wahlkampfveranstaltung niedergeschossen, er verstarb wenig später. Als Motiv gab der Täter Hass auf eine religiöse Sekte an, die von Abe unterstützt wurde.
Doch in der Welt der Verschwörungsgläubigen kursiert ein anderer Grund: Abe soll ermordet worden sein, da er 1,6 Millionen Impfdosen zurückschickte und stattdessen Ivermectin an die Bevölkerung verteilte. An dieser Behauptung stimmt jedoch so gar nichts!

Die Behauptung über Abe

Als Sharepic wird die Behauptung bereits seit kurz nach dem Tod Abes geteilt:

Japan: Abe sandte keine Impfdosen zurück, um Ivermectin zu verteilen – mimikama.org
Die Behauptung über Abe

Der Text auf dem Sharepic:

„Assasinated Japanese P.M. didn’t follow WEF orders. Didn’t mandate vaccines, sent 1.6 million doses back and gave citizens ivermectin. Make sense now? – Der ermordete japanische Premierminister hat die Anweisungen des WEF nicht befolgt. Er hat keine Impfstoffe vorgeschrieben, 1,6 Millionen Dosen zurückgeschickt und den Bürgern Ivermectin gegeben. Macht das jetzt Sinn?“

Sandte Japan 1.6 Millionen Impfdosen zurück?

Ja.
Im August 2021 wurden in fast 40 Dosen des Moderna Impfstoffes an acht verschiedenen Orten Verunreinigungen entdeckt, woraufhin insgesamt 1.6 Millionen Impfdosen an Moderna zurückgeschickt wurden. Eine unbekannte Menge der Dosen wurde bereits verimpft, doch es wurden keine gesundheitlichen Probleme diesbezüglich gemeldet.

Die Impfdosen wurden also wirklich zurückgeschickt, aber nicht etwa, weil das Land Impfungen ablehnen würde (was nicht der Fall ist), sondern weil einige Chargen verunreinigt waren.

Wurde die Rücksendung der Dosen von Shinzo Abe initiiert?

Nein.
Wie oben bereits erwähnt, ging es um verunreinigte Dosen, nicht etwa um eine Ablehnung der Impfstoffe. Die Rücksendung geschah im August 2021, doch Shinzo Abe trat bereits im August 2020 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Nachfolger wurde im Oktober 2020 Yoshihide Suga.

Die Behauptung ist also falsch, Shinzo Abe war zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr Premierminister.

Verhinderte Abe eine Impfpflicht in Japan und wurde Ivermectin verteilt?

Nein.
Hier liegt auch eine Fehlübersetzung im deutschen Textteil des Sharepic vor: „mandate vaccines“ bedeutet in dem Zusammenhang nicht „Impfstoffe vorgeschrieben“ (da wurde anscheinend Google Translate bemüht), sondern „Impfungen vorgeschrieben“ im Sinne von Pflichtimpfungen.

Pflichtimpfungen gibt es in Japan bereits seit 1994 nicht mehr, und auch die Corona-Schutzimpfungen waren nicht verpflichtend. Trotzdem hat das Land eine beeindruckende Impfquote von durchschnittlich 83 Prozent.

Das Entwurmungsmittel Ivermectin wurde jedoch noch nie in Japan als Alternative zu den Impfungen angewendet (wir berichteten), es ist auch jetzt nicht als zugelassenes Medikament zur Behandlung von COVID-19 in dem Land aufgelistet. Im Gegenteil wird davor gewarnt, Ivermectin gegen Covid-19 zu verwenden.

Fazit

Die Behauptung auf dem Sharepic ist somit in allen Belangen falsch:
Japan schickte die Impfdosen zurück, weil sie verunreinigt waren, Abe war zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr Premierminister, Ivermectin war zu keinem Zeitpunkt eine Alternative zu Impfungen oder Heilung in Japan.

Weitere Quelle: CheckYourFact


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.