Operation Overload – Desinformationsflut aus Russland: Faktenchecker im Visier

Manipulation auf Höchstniveau: Russische Taktiken zur Schwächung westlicher Medien enthüllt

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Seit vielen Monaten werden Faktencheck-Redaktionen wie unsere und Medien mit Anfragen überschwemmt, zweifelhafte Inhalte zu überprüfen. Diese Methode konnten wir bereits in der Flüchtlingskrise und auch in der Coronakrise verstärkt beobachten! Die Anfragen kommen von anonymen Accounts und sind Teil einer koordinierten russischen Desinformationskampagne.

Das Ziel: westliche Medien sollen über russische Propaganda berichten. Eine neue Analyse zeigt, welche perfiden Taktiken dahinterstecken.

Die von „Check First und Reset.Tech“ als „Operation Overload“ bezeichnete Kampagne flutet Medien mit anonymen E-Mails, die Links zu gefälschten Inhalten und Darstellungen enthalten, die gegen die Ukraine hetzen.


Hinweis: Operation Overload verwendet mehrschichtige Taktiken, einschließlich direkter E-Mail-Kampagnen, Engagements in sozialen Medien und massenhafter Verbreitung manipulierter Inhalte, um Spaltungen in Gesellschaften zu erzeugen und die öffentliche Meinung über die Ukraine zu verändern, wobei insbesondere die Zielgruppen in Frankreich und Deutschland angesprochen werden. Diese Untersuchung offenbart und erklärt wichtige Phasen dieser Operation, die mindestens bis August 2023 zurückreicht. Unsere Erkenntnisse bauen auf den Grundlagen auf, die von der russischen Aktivistengruppe Antibot4Navalny in Zusammenarbeit mit AFP gelegt wurden.

Im Januar 2024 entdeckte Antibot4Navalny einen wichtigen Aspekt der Operation, der als „Matryoshka“ bezeichnet wurde. Wir haben HIER darüber berichtet und untersuchten eine koordinierte Anti-Ukraine-Kampagne auf X. Parallel dazu verfolgten wir die Verbreitung desselben Inhalts auf Telegram. Später erfuhren wir, dass Faktenchecker, Forscher und Redaktionen E-Mails erhielten, die Links zu ähnlichen Inhalten enthielten, welche wir systematisch zu sammeln begannen.


Besonders Frankreich und Deutschland stehen im Fokus. Aber auch wir von Mimikama erhalten immer wieder solche E-Mails.

Zu diesen Anfragen haben wir aber KEINE Faktenchecks veröffentlicht! Die Hinweise beziehen sich stets auf pro-russische Desinformation, die durch die Kampagne selbst in Umlauf gebracht wurde, orchestriert über Netzwerke auf Telegram, X und Propaganda-Webseiten.

Beispiele solcher Mails an Mimikama:

Operation Overload - Desinformationsflut aus Russland: Faktenchecker im Visier – mimikama.org
Screenshot Operation Overload: Fake-Anfrage per Mail an Mimikama
Operation Overload - Desinformationsflut aus Russland: Faktenchecker im Visier – mimikama.org
Screenshot Operation Overload: Fake-Anfrage per Mail an Mimikama

Faktencheck-Redaktionen im Fadenkreuz

„Ist das echt?“, „Stimmt das?“, oder „Könnt ihr das mal überprüfen?“ oder „Is this news real?“, „Check the News“ usw. – Immer wieder bekommen wir solche Anfragen! Mit dieser unscheinbaren Bitte versuchen anonyme Accounts, Faktenchecker auf pro-russische Fakes aufmerksam zu machen. Diese Absender sind selbst Teil einer russischen Operation. Ihr Ziel: Wir als Mimikama sollen über russische Propaganda berichten.

Die Dimension der „Operation Overload“

Die Kampagne überschwemmt Faktencheck-Redaktionen und Medienorganisationen mit anonymen E-Mails, die Links zu gefälschten Inhalten enthalten. Diese Darstellungen hetzen gegen die Ukraine und zielen darauf ab, die Ressourcen von Journalisten zu erschöpfen. Guillaume, Mitgründer von Check First, erklärt:

„Indem sie Faktenchecker und Nachrichtenredaktionen mit gefälschten Inhalten angreifen, wollen sie deren Zeit und Ressourcen verschwenden.“

Die Täter hoffen zudem, dass ihre zweifelhaften Botschaften mehr Menschen erreichen – selbst wenn das in Form eines Faktenchecks geschieht.

Ein Beispiel ist dieses angebliche Video, das fälschlicherweise dem deutschen Medium BR24 zugeschrieben wurde. Die erfundene Geschichte verspottet einen ukrainischen Flüchtling, der angeblich im Berliner Aquarium gearbeitet haben soll.

Desinformationsflut aus Russland! Screenshot Telegram
Screenshot: Telegram

Es wird behauptet, er habe tropische Fische von seinem Arbeitsplatz gestohlen, diese gekocht und gegessen und sei daraufhin an einer Lebensmittelvergiftung erkrankt, die zu seiner Krankenhauseinweisung führte.

Desinformationsflut aus Russland! Screenshot Telegram
Screenshot: Telegram

Innerhalb der Videosequenzen wird ein Foto des ukrainischen Mannes, identifiziert als „Oleg Panasyuk“, gezeigt. Eine Rückwärtssuche des Bildes zeigt, dass dieses Foto von einer russischen Dating-Website stammt und das Profil einer Person mit dem Namen „Taras“ aus Russland zeigt.

Desinformationsflut aus Russland! Screenshot Datingportal
Screenshot: Datingportal

Operation Overload: Fokus auf große Events und internationale Desinformation

Der Großteil der analysierten Inhalte konzentriert sich auf die Ukraine. Darunter 92 Videos, in denen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verunglimpft oder verspottet wird, oder ukrainische Geflüchtete für angebliche Verbrechen verantwortlich gemacht werden. Die Kampagne nahm zudem große Events ins Visier, verbreitete Desinformation zu den Olympischen Spielen in Paris und der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland und fokussierte sich darüber hinaus auf Beiträge zur „wirtschaftlichen Krise“ in Europa.

Verbreitung über russische Plattformen und Fake-News-Netzwerke

Die auf X verbreiteten Fakes stammen aus einer kleinen Gruppe von koordinierten russischsprachigen Telegram-Kanälen und werden strategisch über andere russische Social-Media-Plattformen wie VKontakte und Odnoklassniki sowie Kreml-nahe Websites und Staatsmedien verbreitet. Auch das vor kurzem aufgedeckte Netzwerk gefälschter Nachrichtenseiten namens „Pravda“ spielt dabei eine Rolle. Sieht man sich die Details näher an, dann erkennen wir Überschneidungen zu dem Desinformations-Netzwerk „Doppelgänger“, über das wir hier berichtet haben.

Fragen und Antworten zur „Operation Overload“

  • Was ist das Hauptziel der „Operation Overload“?
    Die Hauptziele der „Operation Overload“ sind, westliche Medien zu überlasten und Desinformation zu verbreiten. Indem anonyme Accounts gefälschte Inhalte an Faktenchecker und Journalisten senden, hoffen die Täter, dass diese die Fakes aufgreifen und so ihre Propaganda weiterverbreiten. Die Kampagne zielt darauf ab, das Vertrauen in Medien zu untergraben und die politische Agenda des Kremls zu stärken.
  • Wie groß ist der Umfang dieser Kampagne?
    Der Umfang der „Operation Overload“ ist enorm. Über 800 Organisationen wurden auf X kontaktiert, und mehr als 200 E-Mails wurden an Newsrooms weltweit gesendet. Die Täter haben es geschafft, über 250 Artikel mit Faktenchecks oder Entlarvungen zu erreichen, die die für „Operation Overload“ erstellten Fake-Inhalte erwähnen. Diese Zahlen verdeutlichen die immensen Ressourcen, die hinter dieser Desinformationskampagne stehen.
  • Wie können sich Journalisten und Faktenchecker vor solchen Kampagnen schützen?
    Journalisten und Faktenchecker müssen wachsam bleiben und neue Strategien entwickeln, um Desinformation zu erkennen und zu bekämpfen. Dazu gehören Schulungen zur Erkennung von Fälschungen, der Einsatz fortschrittlicher Technologien zur Bild- und Videomanipulationserkennung und die enge Zusammenarbeit mit anderen Medienorganisationen und Faktencheckern weltweit. Der Austausch von Informationen und Techniken zur Bekämpfung von Desinformation ist entscheidend, um diesen Bedrohungen effektiv zu begegnen.
  • Warum sind Frankreich und Deutschland besonders im Fokus der Kampagne?
    Frankreich und Deutschland sind geopolitisch bedeutende Länder und standen in der Vergangenheit bereits im Zentrum ähnlicher Desinformationskampagnen. Die Täter versuchen, soziale und politische Spannungen in diesen Ländern zu verschärfen, indem sie gezielte Desinformation verbreiten. Die Wahl dieser Länder zeigt, wie strategisch und durchdacht diese Kampagne ist, da sie darauf abzielt, das Vertrauen in die Medien und politischen Systeme dieser Länder zu untergraben.
  • Was sind die langfristigen Auswirkungen von „Operation Overload“?
    Die langfristigen Auswirkungen dieser Kampagne könnten verheerend sein. Wenn solche Desinformationskampagnen erfolgreich sind, könnten sie das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien und Faktenchecker dauerhaft schädigen. Dies könnte zu einer stärkeren Polarisierung und Unsicherheit in der Gesellschaft führen. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Medienorganisationen und Faktenchecker weltweit zusammenarbeiten, um solche Bedrohungen zu identifizieren und zu neutralisieren, bevor sie großen Schaden anrichten können.

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Operation Overload: Empfehlungen für Medien, Journalisten und Faktenchecker

Basierend auf unseren Erkenntnissen und den Feinheiten von Operationen wie „Overload“ möchten die Autoren einige Empfehlungen an Medienfachleute aussprechen, um ihnen zu helfen, ähnliche Taktiken zu erkennen und zu vermeiden, Opfer feindlicher Akteure zu werden. Früherkennung, Zusammenarbeit und die Meldung solcher Manipulationsversuche sind entscheidend, um diese zu verhindern.

  • Bleiben Sie wachsam:
    Seien Sie besonders vorsichtig bei E-Mails oder Direktnachrichten (DMs), die „Kreml-Propaganda“ ansprechen. Seien Sie misstrauisch gegenüber unaufgeforderten E-Mails und Direktnachrichten, die Links oder Anhänge zu Themen wie der Ukraine, Russland oder anderen politisch sensiblen Themen enthalten. Seien Sie besonders vorsichtig bei unbekannten Kontakten. Überprüfen Sie die Identität des Absenders und gleichen Sie diese mit bekannten Kontakten oder offiziellen Kanälen ab, bevor Sie auf den Inhalt eingehen.
  • Koordinieren Sie sich mit anderen:
    Führen Sie Aufzeichnungen über verdächtige E-Mails und Direktnachrichten, um Muster und potenziell koordinierte Bemühungen zu erkennen. Teilen Sie diese Informationen mit anderen Faktencheckern und Journalisten, um das kollektive Bewusstsein und die Reaktionsfähigkeit zu verbessern. Der Beitritt zu etablierten Netzwerken mit anderen Faktencheckern und Journalisten oder das Monitoring solcher Netzwerke kann sehr nützlich sein, um Erkenntnisse und Strategien im Umgang mit gezielten Desinformationskampagnen auszutauschen. Gemeinsame Anstrengungen können die Erkennung koordinierter Kampagnen beschleunigen.
  • Nutzen Sie die Ressourcen Ihrer Organisation:
    Melden Sie verdächtige E-Mails und Direktnachrichten an die IT-Abteilung Ihrer Organisation (falls vorhanden) oder an relevante Behörden, um diese Bedrohungen zu verfolgen und zu entschärfen. Ermutigen Sie Ihre Organisation, in Schulungen zur Cybersicherheit für alle Mitarbeiter zu investieren, damit diese potenzielle Bedrohungen erkennen und angemessen darauf reagieren können. Melden Sie verdächtige Konten und Direktnachrichten an die entsprechenden Plattformen.
  • Bereiten Sie sich auf Taktiken der Inhaltsvermischung vor:
    Schulen Sie Ihr Team darin, Inhaltsvermischung zu erkennen, bei der verschiedene Arten von manipulierten Inhalten kombiniert werden, um eine überzeugendere falsche Erzählung zu schaffen. Dazu gehört das Verständnis, wie verwandte Videos, Bilder und Texte auf mehreren dubiosen Plattformen oder von verdächtigen Konten in sozialen Medien veröffentlicht werden können.

Diese Empfehlungen sollen Medienfachleuten helfen, sich besser gegen gezielte Desinformationskampagnen zu schützen.

Fazit: Die Bedeutung des Kampfes gegen Desinformation

„Operation Overload“ zeigt eindrucksvoll, wie gefährlich und ausgeklügelt Desinformationskampagnen sein können. Die Täter nutzen fortschrittliche Techniken und koordinierte Aktionen, um Fake-News zu verbreiten und das Vertrauen in Medien und Faktenchecker zu untergraben. Es ist unerlässlich, dass Journalisten, Faktenchecker und Forscher wachsam bleiben und neue Methoden entwickeln, um solche Bedrohungen zu erkennen und zu bekämpfen. Die Zusammenarbeit auf globaler Ebene ist dabei entscheidend, um Desinformation effektiv zu begegnen und die Integrität der Informationslandschaft zu bewahren.

Download: Check First und Reset.Tech – Bericht (PDF)

Quelle: Check First
Artikelbild: Check First


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