Ticketkontrollen: Keine Sonderbehandlung für Migranten

Falsche Behauptungen über bevorzugte Behandlung in Thüringer Zügen widerlegt.

Die Behauptung

Online kursiert die Behauptung, dass Zugbegleiter auf der Strecke Erfurt-Suhl angewiesen wurden, Migranten von Ticketkontrollen auszunehmen. Angeblich erhielten deutsche Fahrgäste eine strengere Kontrolle.

Falsch

Diese Behauptung ist falsch. Sowohl die Süd-Thüringen-Bahn als auch die Deutsche Bahn dementieren eine solche Anweisung. Ausnahmen gibt es lediglich in brenzligen Situationen zur Deeskalation.

  • Fehlinformation über bevorzugte Migranten: Nutzer behaupten, Migranten würden auf der Strecke Erfurt-Suhl von Ticketkontrollen ausgenommen.
  • Zugunternehmen dementieren: Süd-Thüringen-Bahn und Deutsche Bahn betonen, dass alle Fahrgäste gleich behandelt werden müssen.
  • Missverständnis eines Berichts: Der Bericht der „Thüringer Allgemeinen“ wurde falsch interpretiert; es gibt keine generelle Ausnahme für Migranten.

Bewertung: Die Behauptung ist nachweislich falsch.

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Falschinformation über Zugkontrollen in Thüringen im Umlauf

Im Internet kursiert eine irreführende Behauptung: Migranten würden in Zügen auf der Strecke Erfurt-Suhl bevorzugt behandelt und von Ticketkontrollen verschont. Medien mit einer Nähe zu rechtspopulistischen Parteien haben dieses Thema aufgegriffen, was nun in deren Blogs sowie auf Social Media-Plattformen weiter verbreitet wird.

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Screenshot eines Beitrages auf X
Screenshot eines Beitrages auf X (hier archiviert)

Auch die AfD selbst postete diese Falschinfo auf X mit einer Verlinkung zur Webseite der Jungen Freiheit.

Screenshot eines Beitrages auf X
Screenshot eines Beitrages auf X (hier archiviert)

Das sorgt für Empörung in den sozialen Netzwerken: Die Meldung ist schlichtweg falsch. Doch wie konnte es zu dieser Verwechslung kommen?

Die Quelle des Missverständnisses: Ein Leserbrief und ein Zeitungsartikel

Der Ursprung der Fehlinformation liegt in einem Bericht der „Thüringer Allgemeinen“ von Mitte September. Ein Ehepaar hatte in einem Leserbrief an die Zeitung behauptet, bei ihrer Zugfahrt seien nur die Fahrkarten deutscher Fahrgäste kontrolliert worden. Die offenbar ausländischen Reisenden seien dagegen unbehelligt geblieben.

Doch was auf den ersten Blick wie eine Bevorzugung aussieht, hat eine ganz andere Erklärung: Nach Angaben der Süd-Thüringen-Bahn wurden die Fahrkarten der als Ausländer wahrgenommenen Fahrgäste lediglich vor dem Einsteigen des Ehepaares kontrolliert.

Die Thüringer Allgemeine stellte auch gleich zu Beginn des Artikels klar: „Die Süd-Thüringen-Bahn hat ihre Zugbegleiter nicht angewiesen, Fahrkarten ausländischer Fahrgäste nicht zu kontrollieren“. Damit wurde die Beobachtung des Ehepaars als ein Vorfall erklärt, der keinesfalls auf eine generelle Praxis schließen lasse.

Auch Züge der Deutschen Bahn (DB) verkehren auf der Strecke Erfurt-Suhl. Eine Sprecherin erklärte hier: „Eine solche Anweisung gibt es bei DB Regio Südost nicht.“

Deeskalation in Gefahrensituationen – kein Standardverfahren

Das Missverständnis beruht auch auf einer weiteren Aussage im Artikel: „In schwierigen Situationen können unsere Mitarbeiter selbst entscheiden, wie sie zur Deeskalation vorgehen“. Diese Passage wurde offensichtlich von den Nutzern falsch interpretiert.

Tatsächlich handelt es sich um eine Ausnahme, die nur in gefährlichen oder schwierigen Situationen zur Konfliktvermeidung greift – unabhängig von den betroffenen Personen oder deren Herkunft – und nicht um eine generelle Weisung, Migranten von Kontrollen auszunehmen.

Sicherheit auf der Route: Mehr Polizeipräsenz und mehr Gewaltvorfälle

Allerdings gibt es auf der Strecke Erfurt-Suhl durchaus Probleme, die das Zugpersonal betreffen. Im April 2024 berichtete die Eisenbahnergewerkschaft EVG von zunehmenden Übergriffen auf Zugbegleiter – sowohl durch deutsche als auch durch ausländische Täter. Die Bundespolizei registrierte einen Anstieg der Anzeigen auf dieser Strecke. Um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, wurden zusätzliche Sicherheitsdienste eingesetzt. Dies hat nach Angaben der Süd-Thüringen-Bahn bereits zu einer Entspannung der Situation beigetragen.

Falsches Video, falsche Anschuldigungen

Besonders brisant: Im Zusammenhang mit der Falschmeldung über privilegierte Migranten in Thüringen wurde auch ein Video verbreitet, das angeblich einen ähnlichen Vorfall zeigen soll. Doch auch hier handelt es sich um eine bewusste Irreführung: Der Clip stammt aus Italien und zeigt eine Auseinandersetzung in einem Zug der Bahngesellschaft Trenitalia, wie man anhand des Zugdesigns erkennen kann. Mit der Strecke in Thüringen hat das Video nichts zu tun.

Fazit

Die Behauptung, dass Migranten auf der Strecke Erfurt-Suhl von Fahrscheinkontrollen ausgenommen sind, ist falsch. Beide Bahngesellschaften haben dies klar dementiert. Die Fehlinterpretation eines Zeitungsartikels und die Verbreitung eines falschen Videos haben zur Verwirrung beigetragen.

Festzuhalten bleibt, dass solche Behauptungen nicht nur haltlos, sondern auch gefährlich sind, weil sie Ressentiments schüren und die Gesellschaft weiter spalten.

Quelle: DPA, Correctiv

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