Die Behauptung
Es wird behauptet, dass traditionelle Feste wie der St.-Martins-Umzug (nicht das „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“), der Weihnachtsmarkt (nicht der „Wintermarkt“) und die Adventsbeleuchtung (nicht die „Winterbeleuchtung“) durch „falsche Toleranz“ umbenannt werden sollen und, dass diejenigen, die dies fordern, die kulturelle Identität Deutschlands aufgeben wollen.
Falsch
Diese Behauptung ist falsch. Christliche Feste wurden weder flächendeckend umbenannt noch abgeschafft. Die Angst vor der Umbenennung traditioneller Feste wie St. Martin oder Weihnachten ist unbegründet und basiert auf teils falschen Berichten und spekulativen Verbindungen.
Kurze Faktenübersicht:
- Kettenbrief seit 2014: Seit Jahren kursieren jedes Jahr im Oktober ähnliche Nachrichten über angebliche Umbenennungen.
- Herkunft des „Sonne-Mond-und-Sterne-Festes“: Eine Kita in Bad Homburg nannte 2013 ihren St.-Martins-Umzug um – wegen einer thematischen Anpassung, nicht religiöser Rücksichtnahme.
- Phantomdiskussionen: Die Diskussion um Namensänderungen wird bewusst provoziert und zielt darauf ab, Angst vor einem Verlust kultureller Werte zu schüren
Was steckt hinter der „St. Martin“ Panikmache?
Jedes Jahr im Herbst kursiert in sozialen Netzwerken und Messengern wie WhatsApp dieselbe „Klarstellung“: Man wolle den traditionellen St.-Martins-Umzug besuchen und nicht das „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ – und auf keinen Fall einen „Wintermarkt“ statt eines Weihnachtsmarktes. Die wiederkehrenden Nachrichten suggerieren, dass traditionelle Feste aus Rücksicht auf andere Kulturen umbenannt werden könnten.
Nun, wir gratulieren dieser Fake News tatsächlich zum runden Geburtstag: Seit zehn Jahren wird dieses Narrativ ununterbrochen verbreitet – und das, obwohl es nie eine ernsthafte, großflächige Umbenennung gegeben hat. Ein Jahrzehnt Angsthasenpanik, ohne auch nur ein Fitzelchen an Wahrheitsgehalt.
Ich gehe mit meinen Kindern zum St.-Martins-Umzug (nicht zum „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“). Im Dezember freuen wir uns auf den Weihnachtsmarkt (nicht auf den „Wintermarkt“) und die Adventsbeleuchtung (nicht die „Winterbeleuchtung“) und feiern dann Weihnachten (und keine „Jahresendfeier“). Ich halte viel von Toleranz und Rücksichtnahme. Nichts halte ich allerdings von den Vollidioten, die meinen, dass wir in unserem eigenen Land unsere eigenen Traditionen und unsere eigene kulturelle Identität aufgeben sollten. Nicht mit mir!“
Ursprung der „Klarstellung“: Die Geschichte der Kita in Bad Homburg
Die Bezeichnung „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ fand ihren Ursprung 2013, als eine Kindertagesstätte in Bad Homburg ihren St.-Martins-Umzug thematisch umgestaltete. Grund für die Änderung waren keineswegs religiöse Rücksichten, sondern ein einfaches, spielerisches Konzept für die Kinder. Der Fall bekam damals so viel Aufmerksamkeit, dass die Kita eine offizielle Pressemitteilung herausgab, um die Missverständnisse aufzuklären. Dennoch wird der Fall seither jedes Jahr neu aufgekocht, als wäre eine flächendeckende Umbenennung geplant. Wir haben 2013 HIER darüber berichtet.
Hier einer der ersten Statusbeiträge auf Facebook aus dem Jahre 2014

Phantomdiskussionen und gezielte Ängste
Diese Art von Kettenbriefen spielt mit diffusen Ängsten, indem bewusst Themen wie „kultureller Verlust“ und „Bevölkerungsaustausch“ suggeriert werden. Solche „Phantomdiskussionen“ leben davon, Ängste zu schüren und Missverständnisse zu verbreiten. Oft ohne klare Faktenbasis, aber mit gezielten Schlagwörtern, die Menschen aufschrecken sollen.
Fazit zum Thema St.-Martins-Umzug und Weihnachten
Die Behauptungen sind falsch. Die angebliche Umbenennung christlicher Feste und Traditionen ist ein wiederkehrendes Thema, das bewusst zur Förderung von Ängsten und Missverständnissen genutzt wird. Die ursprüngliche Entscheidung der Kita aus Bad Homburg hatte nichts mit religiöser Rücksichtnahme zu tun, und weder der St.-Martins-Umzug noch Weihnachtsmärkte wurden jemals ernsthaft in ihrer Existenz oder Namensgebung gefährdet.
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Artikelbild: Canva
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