Vorsicht auf WhatsApp: Ein Code, und Fremde schreiben in Ihrem Namen

Stand: 14. September 2026 Viele haben in WhatsApp die Verifizierung in zwei Schritten eingeschaltet – das ist die zusätzliche PIN, die der Messenger hin und wieder abfragt. Das ist auch richtig so. Nur schützt sie nicht vor…

Die Behauptung

Wer in WhatsApp die Verifizierung in zwei Schritten eingeschaltet hat, dessen Konto kann nicht übernommen werden.

Aufgestellt von: Mimikama-Warnradar, Polizeimeldungen aus September 2026 sowie Leserhinweise

Falsch

Die Verifizierung in zwei Schritten ist sinnvoll und sollte eingeschaltet bleiben: Sie verhindert, dass Fremde die eigene Rufnummer auf einem anderen Gerät neu bei WhatsApp anmelden. Gegen die derzeit dokumentierte Masche schützt sie aber nicht. Dabei bringen Kriminelle Betroffene unter einem Vorwand dazu, selbst einen Code einzugeben oder einen QR-Code zu scannen und damit ein fremdes Gerät mit dem eigenen Konto zu verknüpfen. Bei diesem Weg wird die zusätzliche PIN nicht abgefragt. Die Täter können anschließend mitlesen und im Namen der betroffenen Person schreiben. Wer das getan hat, sollte in WhatsApp unter „Verknüpfte Geräte“ alle unbekannten Verbindungen abmelden.

Stand: 14. September 2026

Viele haben in WhatsApp die Verifizierung in zwei Schritten eingeschaltet – das ist die zusätzliche PIN, die der Messenger hin und wieder abfragt. Das ist auch richtig so. Nur schützt sie nicht vor allem, und ausgerechnet bei der Masche, die gerade läuft, hilft sie nicht.

Denn die Täter brechen nichts auf. Sie bringen Sie dazu, ihnen die Tür selbst zu öffnen. Dafür brauchen sie nur, dass Sie irgendwann einen Zahlencode eingeben oder mit dem Handy einen QR-Code abfotografieren. Der Anlass dafür wechselt ständig: einmal bittet eine Bekannte um eine Stimme für ihr Kind, ein anderes Mal meldet sich angeblich WhatsApp selbst.

So sehen die drei häufigsten Varianten im Chat aus.

Der Vorwand wechselt. Der Code bleibt

Die rot umrandete Nachricht ist jeweils die gefährliche.

S Sabine (Bekannte)

Hallo, könntest du für Eliška stimmen? Sie ist die Tochter meiner Freunde, der erste Preis ist ein kostenloser Tanzkurs, und das ist sehr wichtig für sie! 09:14

[Link zu einer Abstimmungsseite] 09:14

Hier aufhören: Sabine hat das nicht geschrieben – ihr Konto gehört bereits jemand anderem. Der gefährliche Schritt kommt erst auf der verlinkten Seite: Dort soll die Stimme über WhatsApp „bestätigt“ werden, per Telefonnummer oder QR-Code.

! „WhatsApp Support“

Ihr Konto wurde für eine Sicherheitsprüfung markiert. Bitte bestätigen Sie es innerhalb von 24 Stunden. 11:02

Zur Verifizierung scannen Sie bitte den QR-Code auf der folgenden Seite. Sonst wird Ihr Konto gesperrt. 11:02

Hier aufhören: WhatsApp und Meta schreiben Ihnen nicht im Chat und drohen nicht mit Fristen. Der QR-Code prüft nichts, er hängt ein fremdes Gerät an Ihr Konto.

M Martina (Freundin)

Du, ich steck grad fest. Kannst du mir eine dringende Zahnarztrechnung überweisen? 16:38

Ich kann gerade nicht telefonieren, Akku fast leer. 16:39

Ich schick dir die Kontonummer, ich geb dir das morgen zurück. 16:41

Hier aufhören: So sieht es aus, wenn das Konto schon übernommen ist. Rufen Sie an – unter der Nummer, die Sie ohnehin gespeichert haben.

Merken muss man sich nicht die Geschichte, sondern den Code.

Beispiel 1 ist der dokumentierte Wortlaut aus unserem WarnRadar. Beispiel 2 und 3 sind nach Polizeimeldungen nachgestellt, der Originalwortlaut ist dort nicht veröffentlicht. Namen und Uhrzeiten erfunden.

Was so ein Code wirklich macht

WhatsApp hat eine ganz normale Funktion eingebaut: Man kann seine Nachrichten zusätzlich am Computer lesen. Damit das Handy weiß, welcher Computer dazugehören darf, gibt man einmal einen Code ein oder scannt einen QR-Code. Genau diese Funktion nutzen die Täter aus. Sie erfinden einen Anlass, und Sie hängen deren Computer an Ihr Konto – ohne es zu merken.

Von da an können die Täter Ihre neuen Nachrichten mitlesen, ältere Unterhaltungen einsehen und vor allem selbst schreiben. Bei Ihren Kontakten erscheint dann Ihr Name und Ihr Foto. Manche bekommen die nächste Bitte um eine Stimme, andere eine Geldforderung.

Und wozu ist dann die zusätzliche PIN gut?

Die Verifizierung in zwei Schritten bewacht eine andere Tür. Sie greift, wenn jemand versucht, Ihre Rufnummer auf einem fremden Handy neu bei WhatsApp anzumelden – dann wird die PIN verlangt, und ohne sie ist Schluss. Genau dafür sollten Sie sie eingeschaltet lassen.

Die Geräteverknüpfung ist aber eine zweite Tür, und die öffnen Sie selbst. WhatsApp fragt dabei keine PIN ab, weil ja Sie es sind, die den Code eingeben oder den QR-Code scannen. Für den Messenger sieht das aus wie eine ganz normale Handlung. Deshalb schützt die PIN hier nicht, und deshalb bleibt nur, gar nicht erst auf die Aufforderung einzugehen.

So läuft es ab

Vier Schritte, dann lesen Fremde mit.

1

Eine Nachricht mit einem Anlass

Von einer Bekannten oder angeblich von WhatsApp selbst.

2

Eine Seite im Internet

Wettbewerb, Umfrage oder Kontoprüfung. Oft wird die Handynummer abgefragt.

3

Der Code

Eingeben oder scannen. Hier entsteht der Schaden, nicht beim Antippen des Links.

4

Fremde schreiben mit

Sie lesen Ihre Nachrichten und wenden sich in Ihrem Namen an Ihre Kontakte.

Ihr Handy funktioniert dabei ganz normal weiter. Deshalb fällt es lange nicht auf.

Neu ist das nicht. Warum wir es trotzdem noch einmal aufgreifen

Über übernommene WhatsApp-Konten schreiben wir seit Jahren. Wie die Köderseiten im Detail funktionieren, haben wir in einem eigenen Beitrag zu WhatsApp-Fake-Abstimmungen aufgeschlüsselt, und am 12. September ist die Variante mit „Eliška“ in unserem WarnRadar gelandet. Dort ist auch zu sehen, wie professionell die gefälschte Abstimmung aussieht: eine angebliche Ballettakademie in Prag, zwei Finalistinnen, ein knapper Stimmenstand, der zur Eile treiben soll. Dass wir das Thema trotzdem noch einmal aufgreifen, hat drei Gründe.

Erstens läuft die Masche weiter, und zwar messbar: Allein in der ersten Septemberhälfte gibt es dazu mehrere Polizeimeldungen. Zweitens hat sich der Einstieg verändert. Wer nur die Abstimmungsvariante kennt, erkennt die angebliche Kontoprüfung von „WhatsApp“ nicht unbedingt als dieselbe Sache – dabei endet beides an derselben Stelle, beim Code. Und drittens hält sich hartnäckig die Annahme, mit eingeschalteter PIN könne einem das nicht passieren.

Das Polizeipräsidium Konstanz berichtete am 4. September von einer 45-Jährigen, die über eine solche Abstimmungsbitte ihr Konto verlor. Die Nachricht kam von einer Freundin, deren Konto schon vorher übernommen worden war. Aufgefallen ist es erst, als WhatsApp ihr eigenes Konto wegen verdächtiger Aktivitäten sperrte.

Am 11. September meldete die Polizei im Märkischen Kreis einen 58-Jährigen aus Balve. Bei ihm war der Vorwand ein anderer: eine angebliche Nachricht von Meta, sein Konto müsse „verifiziert“ werden. Danach gingen Zahlungsaufforderungen an seine Kontakte. Am selben Tag bekam eine 20-Jährige in Kaiserslautern über das Konto einer Freundin die Bitte, eine „dringende Zahnarztrechnung“ zu bezahlen. Sie rief vorher an und überwies nichts.

Ob dieselben Täter dahinterstecken, wissen wir nicht. Gemeinsam ist den Fällen der Weg: Es sind echte Konten von echten Bekannten, die missbraucht werden. Deshalb nützt der übliche Rat, auf unbekannte Absender zu achten, hier gar nichts.

Die Regel für alle Varianten

Sie müssen sich keine Betrugsgeschichten merken. Es reicht ein Satz: Niemand braucht für eine Abstimmung, ein Gewinnspiel oder eine Kontoprüfung einen Code von Ihnen. Wenn eine Nachricht in diese Richtung geht, hören Sie auf – egal, wessen Name im Chat steht.

Und wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt, fragen Sie nach, aber nicht im selben Chat. Dort antworten möglicherweise die Täter. Ein normaler Telefonanruf unter der gespeicherten Nummer klärt es in einer halben Minute. Dasselbe gilt, wenn Sie plötzlich per WhatsApp um Geld gebeten werden, auch von Ihren eigenen Kindern oder Enkeln. Weitere Muster und Hintergründe sammeln wir auf unserer Themenseite WhatsApp-Betrug.

Falls Sie schon einen Code eingegeben haben

Das sollten Sie jetzt tun

  1. Nachsehen, wer mitliest. In WhatsApp die Einstellungen öffnen und auf „Verknüpfte Geräte“ tippen. Alles, was Sie dort nicht kennen, abmelden.
  2. Freunde und Familie warnen. Damit niemand auf Nachrichten oder Geldforderungen reagiert, die in Ihrem Namen verschickt werden.
  3. Zwei-Schritt-Verifizierung eingeschaltet lassen. Sie verhindert, dass jemand Ihre Nummer auf einem anderen Handy neu anmeldet – vor einem selbst eingegebenen Code schützt sie nicht.
  4. Bei der Polizei anzeigen. Wenn Ihr Konto tatsächlich missbraucht wurde.

Wichtig: Die Internetseite zu schließen, reicht nicht. Nur das Abmelden unter „Verknüpfte Geräte“ trennt die Verbindung wirklich.

Namen, Internetadressen und Vorwände wechseln laufend – dieselbe Bitte kursierte auch schon unter dem Namen „Klara“, und allein bei „Eliška“ sind mehrere Zieladressen dokumentiert. Die nächste Variante wird also anders aussehen als die drei hier gezeigten. Wie viele Menschen insgesamt betroffen sind oder ob die Zahl gerade steigt, wissen wir nicht – die Polizeimeldungen belegen einzelne Fälle, keine Gesamtzahl. Wir werden das Thema deshalb vermutlich nicht zum letzten Mal aufgreifen.

Quellen

  • Polizeipräsidium Konstanz, Meldung vom 4. September 2026
  • Polizeipräsidium Westpfalz, Meldung vom 11. September 2026
  • Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis, Meldung vom 11. September 2026
  • Mimikama-WarnRadar: WhatsApp-Fake-Abstimmung für „Eliška“, 12. September 2026
  • Mimikama: WhatsApp-Fake-Abstimmungen: Voting-Seite, QR-Code und Geräteverknüpfung
  • Mimikama-WarnRadar: Variante „Klara“
  • Gen Digital: Analyse zur missbrauchten Geräteverknüpfung und zur Rolle der Zwei-Schritt-Verifizierung
  • Malwarebytes: Dokumentierte gefälschte Wettbewerbsaufrufe, August 2026
  • Polizei Soest: Hinweise zu Bestätigungscodes

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