Die Behauptung
Das Zitat „Der größte Schaden entsteht durch die schweigende Mehrheit, die nur überleben will, sich fügt und alles mitmacht“ wurde von Erika Steinbach in einem Tweet geteilt und Sophie Scholl zugeschrieben. Besonders in politischen Kontexten und auf Social Media wird es als authentische Aussage der NS-Widerstandskämpferin verbreitet.
Aufgestellt von: Unbekannt
Faktencheck: Falsch
Es gibt keinen Beweis, dass dieses Zitat von Sophie Scholl stammt. Experten und die Weiße Rose Stiftung haben die Zuschreibung klar zurückgewiesen. Es handelt sich um eine Erfindung, die oft im politischen Diskurs missbraucht wird.
Kurze Faktenübersicht:
- Kein Beleg für das Zitat: Weder in Scholls Briefen noch in den Flugblättern der Weißen Rose findet sich das vermeintliche Zitat.
- Begriff „schweigende Mehrheit“: Zu Sophie Scholls Lebzeiten war der Ausdruck unüblich und wurde erst in den 1960er-Jahren durch Richard Nixon populär.
- Expertenmeinung: Historiker und Biografinnen weisen das Zitat als Fälschung zurück.
- Missbrauch durch politische Gruppen: Besonders bei Querdenken-Demonstrationen und in der AfD wurde Sophie Scholl instrumentalisiert.
Was wird behauptet?
Das Zitat „Der größte Schaden entsteht durch die schweigende Mehrheit, die nur überleben will, sich fügt und alles mitmacht“ wird Sophie Scholl, der NS-Widerstandskämpferin der Weißen Rose, zugeschrieben. Es tauchte zuerst bei Corona-Demonstrationen auf und wurde von politischen Gruppierungen wie der AfD weiterverbreitet. Wie auch kürzlich erst am 27.12.2024 von Erika Steinbach auf „X“
Was sind die Fakten?
Weder Sophie Scholl noch ein anderes Mitglied der Weißen Rose hat diesen Satz jemals geäußert.
Die Weiße Rose Stiftung bestätigt, dass dieses Zitat in keinem ihrer Flugblätter oder Briefe vorkommt. Auch der Begriff „schweigende Mehrheit“ war zur Zeit des Nationalsozialismus nicht gebräuchlich. Er wurde erst 1969 durch den US-Präsidenten Richard Nixon in einer Rede bekannt.
Wie wurde geprüft?
Mehrere Historiker und Biografen haben das Zitat überprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine historischen Belege dafür gibt. Experten weisen darauf hin, dass der Satz in keiner der erhaltenen Quellen der Weißen Rose, wie Flugblättern oder Briefen, auftaucht. Fachleute für Zitatforschung analysierten die Zuschreibung und bezeichneten sie als „Kuckuckszitat“, also eine frei erfundene Aussage, die einer bekannten Person zugeschrieben wird, um ihr Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Warum ist das wichtig?
Die fälschliche Zuschreibung dieses Zitats an Sophie Scholl führt zu einer Instrumentalisierung ihres Vermächtnisses. Politische Gruppierungen wie die AfD oder Corona-Leugner nutzen es, um ihre Agenda zu stützen, was das Andenken an die Weiße Rose und ihren Widerstand gegen das NS-Regime verzerrt.
Reaktionen auf Steinbachs Tweet
Erika Steinbach, ehemalige Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, verbreitete das falsche Zitat in einem Tweet am 27.12.2024 und bezeichnete Sophie Scholl als ihr Vorbild. Diese Aktion führte zu intensiver öffentlicher Kritik, da sie als Versuch gesehen wurde, Sophie Scholl für politische Zwecke zu vereinnahmen.
Der bekannte Meteorologe Jörg Kachelmann reagierte besonders scharf und kritisierte die Vereinnahmung von Sophie Scholl mit den Worten:
„Mehr ekelhafte und abseitige Aneignung ist eigentlich kaum möglich (…) Wenn es eine Hölle gibt, wird Frau Steinbach sie kennenlernen, wie ich zumindest hoffen darf.“
Seine Aussage unterstreicht die Empörung, die solche Aktionen in der Öffentlichkeit hervorrufen. Kachelmanns scharfe Wortwahl reflektiert die moralische Ablehnung solcher Vereinnahmungen und verdeutlicht, wie tiefgreifend das Andenken an Sophie Scholl und die Weiße Rose geschützt werden muss.
Diese Kritik betont den Unterschied zwischen einem historischen Vermächtnis, das auf Mut und Widerstand gegen das NS-Regime basiert, und aktuellen politischen Instrumentalisierungen, die diesen Kontext ignorieren. Kachelmanns Worte unterstreichen zudem, wie sehr das öffentliche Bewusstsein dafür sensibilisiert ist, dass das Andenken an Persönlichkeiten wie Sophie Scholl vor Vereinnahmung geschützt werden muss.
Kachelmanns Kommentar steht exemplarisch für die moralische und emotionale Ablehnung gegenüber der Vereinnahmung Sophie Scholls durch politische Akteure. Auch andere prominente Persönlichkeiten und Nutzer sozialer Medien äußerten ihre Empörung, indem sie die Unangemessenheit von Steinbachs Aussage hervorhoben. Diese Reaktionen zeigen, wie sensibel das Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und wie stark das Bedürfnis besteht, das Andenken an Sophie Scholl und die Weiße Rose vor Missbrauch zu schützen. Diese Empörung unterstreicht, wie sensibel das Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und wie stark das Bedürfnis besteht, das Andenken an Sophie Scholl und die Weiße Rose vor Missbrauch zu schützen.
Fazit zum Thema:
Dieses Zitat hat keinen belegbaren Ursprung und wird weder in den Briefen noch in den Flugblättern der Weißen Rose erwähnt. Fachleute, darunter Historiker und die Weiße Rose Stiftung, haben es eindeutig als Fälschung identifiziert.
Das Zitat „Der größte Schaden entsteht durch die schweigende Mehrheit…“ ist keine authentische Aussage von Sophie Scholl. Es handelt sich um eine Erfindung, die oft missbraucht wird, um politische Positionen zu untermauern. Historiker und die Weiße Rose Stiftung weisen darauf hin, dass solche Falschzitate eine verfälschende Wirkung haben und das Erbe der Weißen Rose beschädigen.
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