Die Behauptung
Aktuell wird in sozialen Netzwerken erneut eine Grafik mit drastischen Aussagen geteilt, die AfD-Politikern, Funktionären und Mitarbeitern zugeschrieben werden. Die Grafik nennt keine Quellen. Ähnliche Zusammenstellungen mit teilweise denselben Zitaten kursieren bereits seit mindestens Anfang 2020. Sind die Aussagen tatsächlich so gefallen?
Aufgestellt von: Unbekannt
Irreführend
Die meisten Aussagen der aktuell verbreiteten Grafik haben einen belegten Ursprung und wurden den genannten Personen tatsächlich zugeschrieben beziehungsweise von ihnen geäußert. Vollständig korrekt ist die Zusammenstellung dennoch nicht. Mehrere Zitate wurden gekürzt oder verändert, bei einzelnen Aussagen ist die Quellenlage nicht abschließend unabhängig verifiziert. Das Andreas Gehlmann zugeschriebene Zitat wurde aus einer fremden Aussage und seinem tatsächlichen Zwischenruf zusammengesetzt. Der Beatrix von Storch zugeschriebene Wortlaut zum „notfalls“ notwendigen Schusswaffengebrauch stammt in dieser Form von Frauke Petry.
Auch eine ältere Version mit 19 Zitaten, die seit mindestens Anfang 2020 kursiert, ist differenzierter zu bewerten als in unserer ursprünglichen Fassung dieses Faktenchecks. Die meisten Aussagen sind belegt oder haben einen dokumentierten Ursprung, einige sind jedoch verändert, kontextbedürftig oder mangels Primärquelle nicht abschließend verifizierbar.
Update vom 21. September 2026: In sozialen Netzwerken kursiert derzeit erneut eine Grafik mit Aussagen, die Politikern, Funktionären und Mitarbeitern der AfD zugeschrieben werden. Einen Teil dieser Zitate haben wir bereits 2025 in einer ähnlichen Zusammenstellung geprüft. Die neue Grafik enthält jedoch zusätzliche Aussagen und teilweise andere Formulierungen. Deshalb haben wir alle 14 Punkte erneut anhand der verfügbaren Quellen überprüft.
Das Ergebnis fällt differenzierter aus als ein einfaches „alles echt“ oder „alles falsch“: Die meisten Aussagen haben tatsächlich einen dokumentierten Ursprung. Einige wurden jedoch gekürzt oder verändert, bei einer Aussage ist die Quellenlage nicht abschließend unabhängig verifiziert, ein Zitat wurde aus zwei verschiedenen Aussagen zusammengesetzt und ein Beatrix von Storch zugeschriebener Wortlaut stammt tatsächlich von Frauke Petry.
Diese Grafik ist aktuell im Umlauf
Die 14 Aussagen im Faktencheck
Für die Bewertung unterscheiden wir zwischen dem tatsächlichen Ursprung einer Aussage, ihrem genauen Wortlaut und der Zuordnung zur genannten Person. Ein Zitat kann einen belegten Kern haben und auf einer Grafik trotzdem verkürzt, verändert oder ungenau beschriftet sein.
| Aussage | Bewertung | Quelle | Begründung |
|---|---|---|---|
| 1. Christian Lüth: „Wir können die nachher alle immer noch erschießen. Oder vergasen. Mir egal.“ | 🟡 Größtenteils korrekt – verkürzt | ZEIT Online | Die Aussage wurde bei einem im Februar 2020 heimlich aufgezeichneten Gespräch dokumentiert. Lüth sagte: „Wir können die nachher immer noch alle erschießen. Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!“ Die Grafik verändert die Wortstellung und kürzt den Satz, gibt den Kern aber korrekt wieder. Lüth erklärte später, seine Äußerungen seien von einer „ironischen und übersteigerten Wortwahl“ geprägt gewesen. |
| 2. Marcel Grauf: „Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg mit Millionen Toten. Frauen, Kinder, mir egal. Sieg Heil.“ | 🟡 Größtenteils korrekt – verkürzt | CORRECTIV | Die Aussage stammt aus privaten Facebook-Chats. Im veröffentlichten Wortlaut heißt es ausführlicher: „Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. Sieg Heil!“ Das Oberlandesgericht Karlsruhe sah es als hinreichend glaubhaft an, dass die im Verfahren vorgelegten Chatprotokolle authentisch waren. Die Grafik kürzt das Zitat und verändert „und Millionen Tote“ zu „mit Millionen Toten“. |
| 3. Marcel Grauf: „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Das Zitat ist Bestandteil der Grauf zugeschriebenen privaten Chatprotokolle. Ihre Authentizität wurde im späteren Gerichtsverfahren als hinreichend glaubhaft angesehen. |
| 4. Holger Arppe: „Wir müssen ganz friedlich und überlegen vorgehen … aber wenn wir so weit sind, stellen wir sie an die Wand. Grube ausheben, alle rein, Löschkalk drauf.“ | 🟡 Korrekt – gekürzt | WELT | Der längere dokumentierte Wortlaut enthält unter anderem: „Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen … aber wenn wir endlich soweit sind, dann stellen wir sie alle an die Wand. … Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben rauf.“ Besonders relevant ist die Quellenlage: Im AfD-Parteiausschlussverfahren traten Zeugen auf, die die Chats auf ihren Mobilgeräten gespeichert hatten. Das Schiedsgericht kam laut WELT zu dem Schluss, dass Arppe die Aussagen selbst verfasst hatte. |
| 5. Marcel Grauf: „Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet.“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Auch diese Aussage stammt aus den veröffentlichten privaten Chats Graufs. Die Authentizität der im Rechtsstreit vorgelegten Chatprotokolle wurde vom Oberlandesgericht Karlsruhe als hinreichend glaubhaft angesehen. |
| 6. Sandro Hersel: „Brennende Flüchtlingsheime sind kein Akt der Aggression.“ | 🟠 Durch veröffentlichte Chats dokumentiert – nicht abschließend unabhängig verifiziert | taz CORRECTIV | Die taz und der NDR berichteten 2017 über interne Chatprotokolle, in denen der Satz unter Hersels Namen auftaucht. CORRECTIV konnte die Originaldateien selbst nicht überprüfen und stufte das Zitat deshalb formal als unbelegt ein. Gleichzeitig hielt CORRECTIV aufgrund der weiteren Vorgänge rund um die Chats deren Authentizität für plausibel. „Unbelegt“ bedeutet hier daher nicht, dass die Aussage nachweislich falsch wäre. |
| 7. Petr Bystron: „Solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen.“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Bystron sagte diesen Satz 2017 bei seiner Abschiedsrede als Landesvorsitzender der AfD Bayern. Er bezog sich dabei auf die damalige Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz und griff eine vorangegangene Äußerung Alexander Gaulands auf. |
| 8. Andreas Gehlmann: „Homosexuelle ins Gefängnis. Das sollten wir in Deutschland auch machen.“ | 🔴 Teilweise falsch – aus zwei Aussagen zusammengesetzt | Landtag Sachsen-Anhalt, Plenarprotokoll CORRECTIV | Gehlmann sagte nicht selbst „Homosexuelle ins Gefängnis“. In der Landtagsdebatte erklärte die damalige Linken-Abgeordnete Henriette Quade, dass Menschen in den diskutierten Staaten wegen offen gelebter Homosexualität eine Gefängnisstrafe drohe. Danach ist im Plenarprotokoll Gehlmanns Zwischenruf „Das sollten wir in Deutschland auch machen!“ vermerkt. Die Grafik verbindet den Inhalt von Quades Satz mit Gehlmanns Zwischenruf zu einem scheinbar geschlossenen Zitat. Die AfD erklärte später zudem, Gehlmann habe sich auf die Tabuisierung offen gelebter Sexualität bezogen. |
| 9. Mirko Welsch: „Abschiebung der Antifa nach Buchenwald.“ | 🟡 Zitat korrekt – Parteizugehörigkeit braucht Kontext | CORRECTIV | Der vollständige Tweet lautete: „Abschiebung der Antifa nach Buchenwald. Arbeit statt Linksterror.“ Welsch bestätigte CORRECTIV persönlich, dass der Tweet von ihm stammte, und bezeichnete ihn als satirisch überspitzt. CORRECTIV weist zugleich darauf hin, dass Welsch 2017 aus der AfD ausgetreten war. Die Bezeichnung als „AfD-Kommunalpolitiker“ sollte deshalb zeitlich eingeordnet werden. |
| 10. Björn Höcke: „Das große Problem ist, dass man Hitler als absolut böse darstellt.“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV / Wall Street Journal | Die Aussage stammt aus einem Interview Höckes mit dem Wall Street Journal aus dem Jahr 2017. Höcke bestritt zunächst die Wiedergabe. Das Wall Street Journal veröffentlichte anschließend Teile der Interviewmitschrift. Daraus geht hervor, dass der Satz tatsächlich fiel. |
| 11. Björn Höcke: „Alles für Deutschland.“ | ✅ Korrekt | Landgericht Halle | Das Landgericht Halle stellte fest, dass Höcke am 29. Mai 2021 bei einer öffentlichen Wahlveranstaltung in Merseburg die Parole „Alles für Deutschland“ verwendete und wusste, dass es sich um eine Parole der SA handelte, deren öffentliche Verwendung verboten ist. Seine entsprechenden Verurteilungen von 2024 sind seit September 2025 rechtskräftig. |
| 12. Alexander Gauland: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ | ✅ Korrekt | Deutsche Welle | Gauland sagte den Satz am 2. Juni 2018 beim Bundeskongress der Jungen Alternative in Seebach. Zum Kontext gehört, dass er unmittelbar davor auch von der Verantwortung Deutschlands für die zwölf Jahre des Nationalsozialismus gesprochen hatte. Der auf der Grafik wiedergegebene Satz selbst ist authentisch. |
| 13. Alice Weidel: „Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner …“ | ✅ Korrekt | Deutscher Bundestag | Weidel sagte am 16. Mai 2018 im Bundestag: „Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern.“ Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erteilte ihr dafür einen Ordnungsruf. Die Grafik kennzeichnet die Kürzung mit Auslassungspunkten. |
| 14. Beatrix von Storch: „Man müsse notfalls von der Schusswaffe Gebrauch machen.“ | ❌ Falsch zugeschrieben | Tagesschau | Der konkrete Wortlaut stammt von der damaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. Petry sagte 2016, ein Grenzpolizist müsse einen illegalen Grenzübertritt verhindern und dabei „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“. Beatrix von Storch äußerte sich anschließend auf Facebook ebenfalls zum Thema. Auf die Frage, ob Frauen mit Kindern mit Waffengewalt am Grenzübertritt gehindert werden sollten, antwortete sie zunächst „Ja“. Später erklärte sie, gegen Kinder sei Schusswaffengebrauch nicht zulässig, und bezeichnete ihre Äußerung später als Fehler. Die Grafik vermischt damit zwei verschiedene Vorgänge. |
Was stimmt also an der neuen Grafik?
Sieben der 14 Aussagen sind in der dargestellten Form im Wesentlichen korrekt belegt. Bei Christian Lüth, Marcel Grauf und Holger Arppe ist der dokumentierte Ursprung ebenfalls klar, die Grafik kürzt oder verändert jedoch den genauen Wortlaut. Das Mirko Welsch zugeschriebene Zitat stammt tatsächlich von ihm, seine Parteizugehörigkeit sollte aber zeitlich eingeordnet werden.
Bei Sandro Hersel ist die Lage komplizierter: Die Aussage wurde in veröffentlichten internen Chatprotokollen unter seinem Namen wiedergegeben. Die Originaldateien konnten von CORRECTIV jedoch nicht selbst überprüft werden. Deshalb sollte die Aussage nicht als abschließend unabhängig verifiziert bezeichnet werden.
Bei Andreas Gehlmann wurde aus dem Inhalt einer Rede und seinem anschließenden Zwischenruf ein scheinbar wörtliches Gesamtzitat gebaut. Und bei Beatrix von Storch liegt eine tatsächliche Fehlzuordnung vor: Die Formulierung vom „notfalls“ notwendigen Schusswaffengebrauch stammt von Frauke Petry.
„Wer das wählt, weiß, was er wählt“ ist kein überprüfbarer Fakt
Die Grafik endet mit der Aussage „Wer das wählt, weiß, was er wählt“. Dieser Satz ist keine Tatsachenbehauptung, deren Wahrheit sich mit Quellen überprüfen lässt, sondern eine politische Bewertung des Erstellers der Grafik. Unser Faktencheck bezieht sich deshalb ausschließlich auf die Zitate, ihre Urheberschaft und den jeweiligen Kontext.
Warum wir auch unseren Faktencheck von 2025 korrigieren
Bereits im Jänner 2025 hatten wir eine andere, damals verbreitete Grafik mit 19 Aussagen überprüft. In unserer damaligen Fassung kamen wir zu dem sehr eindeutigen Schluss, alle 19 Zitate seien echt und keines sei unbelegt. Nach der neuerlichen Prüfung ist diese Formulierung zu pauschal.
Die meisten Aussagen der damaligen Grafik haben zwar ebenfalls einen belegten Ursprung. Bei mehreren Fällen ist die Quellenlage aber weniger eindeutig, manche Formulierungen wurden zugespitzt oder aus mehreren Aussagen zusammengesetzt. Wir korrigieren unsere damalige Bewertung deshalb an dieser Stelle transparent.
Die Grafik, die wir 2025 geprüft hatten
Die 19 Aussagen der älteren Grafik – neu bewertet
| Aussage | Aktuelle Bewertung | Quelle | Begründung |
|---|---|---|---|
| 1. Alice Weidel: „Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Die Aussage ist durch eine Videoaufnahme vom AfD-Bundesparteitag 2017 dokumentiert. |
| 2. Jörg Meuthen: „Bescheidenheit bei der Entsorgung von Personen ist unangebracht.“ | 🟡 Größtenteils korrekt | CORRECTIV | Die verbreitete Formulierung ist verkürzt. Meuthen sagte unter anderem, Gaulands „Bescheidenheit, nur diese eine Person entsorgen zu wollen“, erscheine ihm unangebracht. |
| 3. Mirko Welsch: „Antifa? Ab ins KZ!“ | 🟡 Stark zugespitzt | CORRECTIV | So lautet der Originalsatz nicht. Welsch schrieb: „Abschiebung der Antifa nach Buchenwald. Arbeit statt Linksterror.“ Er bestätigte CORRECTIV die Urheberschaft. Die verkürzte Formulierung ist eine Zuspitzung. |
| 4. Andreas Gehlmann: „Homosexuelle ins Gefängnis? Das sollten wir in Deutschland auch machen!“ | 🔴 Teilweise falsch | CORRECTIV | Gehlmanns protokollierter Zwischenruf lautet nur: „Das sollten wir in Deutschland auch machen!“ Der vorangegangene Hinweis auf Gefängnisstrafen für Homosexuelle stammte aus der Rede von Henriette Quade. Zudem bestritt die AfD die Interpretation des Zwischenrufs. |
| 5. Marcel Grauf: „Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet!“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Die Aussage stammt aus den gerichtlich behandelten privaten Chatprotokollen Graufs. |
| 6. Andreas Geithe: „Wir sollten eine SA gründen und aufräumen!“ | 🟠 Nicht ausreichend belegt | CORRECTIV | Es existiert ein Screenshot eines angeblichen Tweets. Die Urheberschaft ließ sich jedoch nicht unabhängig bestätigen; Geithe beziehungsweise die AfD bestritten sie. |
| 7. Egbert Ermer: „Drecksack-Antifakindern bekiffter Eltern gehört eine verpasst …“ | 🔴 Teilweise falsch | CORRECTIV | Eine Videoaufnahme zeigt, dass Ermer einen Vorfall schilderte, bei dem andere Personen einen Mann geschlagen und bedroht hätten. Die verbreitete Fassung macht daraus eine eigene Forderung Ermers und verändert damit die Aussage. |
| 8. Heiko Hessenkemper: „Wir müssen diese links- und deutsch-rechtlichen Propagandaapparate … abschaffen.“ | 🔴 Teilweise falsch beziehungsweise zusammengesetzt | CORRECTIV | Hessenkemper sprach tatsächlich davon, Medien „anzugreifen und zu schwächen“ und den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen. Die verbreitete Fassung fügt jedoch getrennte Aussagen zusammen und verändert den Wortlaut. |
| 9. Hans-Thomas Tillschneider: „Wer versucht, die AfD zu richten, den richtet die AfD!“ | ✅ Korrekt – Kontext nötig | CORRECTIV | Der Satz fiel tatsächlich. Tillschneider bezog ihn im Zusammenhang seiner Rede auf innerparteiliche Entwicklungen und frühere Parteivorsitzende. |
| 10. Markus Frohnmaier: „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Die Aussage ist durch einen Video-Mitschnitt einer AfD-Kundgebung in Erfurt im Oktober 2015 belegt. |
| 11. Sandro Hersel: „Brennende Flüchtlingsheime sind kein Akt der Aggression.“ | 🟠 Nicht abschließend unabhängig verifiziert | taz CORRECTIV | Der Satz wurde aus internen Chatprotokollen veröffentlicht. CORRECTIV konnte die Originaldateien allerdings nicht selbst überprüfen. |
| 12. Dubravko Mandic: „Von der NPD unterscheiden wir uns nicht durch Inhalte.“ | 🟠 Nicht abschließend unabhängig verifiziert | CORRECTIV | Monitor zeigte einen Screenshot eines Facebook-Beitrags mit einer ausführlicheren Formulierung: „Von der NPD unterscheiden wir uns vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützer-Umfeld, nicht so sehr durch Inhalte.“ Der Originalbeitrag konnte von CORRECTIV jedoch nicht mehr gefunden und unabhängig geprüft werden. |
| 13. Beatrix von Storch: „Wenn jemand kommt, und den ganz großen Knüppel rausholt … bin ich sofort dabei.“ | 🟠 Nicht ausreichend belegt | CORRECTIV | Der Satz wird von mehreren Veröffentlichungen von Storch zugeschrieben. Eine Primärquelle in Form einer Aufnahme oder eines überprüfbaren Originaldokuments konnte CORRECTIV jedoch nicht finden. |
| 14. Petr Bystron: „Solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen.“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Die Aussage fiel bei Bystrons Abschiedsrede als Landesvorsitzender der AfD Bayern im Jahr 2017. |
| 15. Björn Höcke: „Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ | 🟡 Größtenteils korrekt | CORRECTIV | Der Satz ist durch die veröffentlichte Mitschrift des Wall Street Journal belegt. Im Original lautet die Formulierung „dass man Hitler als absolut böse darstellt“. |
| 16. Dieter Görnert: „Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ | 🟡 Größtenteils korrekt – aus zwei Tweets zusammengesetzt | CORRECTIV | Die verbreitete Formulierung kombiniert zwei getrennte Tweets: „Am besten das Pack zurück nach Afrika prügeln“ und „Auf der Stelle erschießen, dann wird sich das ganz schnell legen.“ Es gibt laut CORRECTIV ausreichende Hinweise, dass Görnert die Tweets verfasste. |
| 17. Marcel Grauf: „Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote …“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Die Aussage stammt aus den privaten Grauf-Chats, deren Authentizität im Gerichtsverfahren als hinreichend glaubhaft angesehen wurde. |
| 18. Marcel Grauf: „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ | ✅ Korrekt | CORRECTIV | Auch dieses Zitat stammt aus den gerichtlich behandelten Chatprotokollen. |
| 19. Holger Arppe: „Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen … Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben rauf.“ | 🟡 Belegt – gekürzt | WELT | CORRECTIV konnte die Original-Chats selbst nicht prüfen. Die Zuordnung wird jedoch durch das spätere AfD-Parteiausschlussverfahren wesentlich stärker gestützt: Zeugen zeigten dem Schiedsgericht die auf ihren Geräten gespeicherten Chats; das Gericht kam laut WELT zu dem Schluss, dass Arppe die Sätze selbst verfasst hatte. |
Fazit: Die meisten Aussagen haben einen echten Ursprung – die Grafiken sind trotzdem nicht fehlerfrei
Der grundlegende Eindruck der aktuell verbreiteten Grafik ist durch viele belegte Originalaussagen gestützt. Trotzdem wäre die Behauptung, sämtliche Zitate seien exakt und zweifelsfrei richtig wiedergegeben, zu pauschal.
Einige Aussagen wurden gekürzt oder sprachlich verändert. Beim Gehlmann-Zitat werden zwei unterschiedliche Aussagen zu einem scheinbar geschlossenen Zitat verbunden. Bei Sandro Hersel beruht der Nachweis auf veröffentlichten Chatprotokollen, deren Originaldateien nicht von allen Faktencheckern unabhängig geprüft werden konnten. Mirko Welschs frühere AfD-Zugehörigkeit benötigt eine zeitliche Einordnung. Und die Formulierung vom „notfalls“ notwendigen Schusswaffengebrauch wurde auf der neuen Grafik Beatrix von Storch zugeschrieben, obwohl dieser konkrete Satz von Frauke Petry stammt.
Auch unsere eigene frühere Fassung dieses Faktenchecks war an einzelnen Stellen zu eindeutig formuliert. Deshalb haben wir sie mit diesem Update korrigiert. Gerade bei politischen Zitaten reicht es nicht, dass eine Aussage ungefähr in die erwartete Richtung weist. Entscheidend sind der tatsächliche Wortlaut, die belegbare Urheberschaft und der Kontext, in dem sie gefallen ist.
Zentrale Quellen dieser Aktualisierung
- CORRECTIV: Die meisten dieser Zitate stammen von AfD-Politikern – einige sind aber unbelegt
- CORRECTIV: Erneut radikale AfD-Zitate auf Facebook im Umlauf
- ZEIT Online: Christian Lüth und die verdeckt aufgezeichneten Aussagen
- WELT: Parteiausschlussverfahren gegen Holger Arppe
- taz: Veröffentlichte Chatprotokolle aus Mecklenburg-Vorpommern
- Landtag Sachsen-Anhalt: Plenarprotokoll vom 2. Juni 2016
- Landgericht Halle: Rechtskräftige Verurteilungen Björn Höckes
- Deutscher Bundestag: Alice Weidels Äußerung und Ordnungsruf
- Tagesschau: Frauke Petry und Beatrix von Storch zur Schusswaffendebatte
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