Die Behauptung
Ein Bild zeigt einen Vater, der regelmäßig an einer Bushaltestelle auf seine Tochter wartet, um sie sicher nach Hause zu begleiten. Die verbreiteten Beiträge behaupten oder suggerieren, dass dies in Deutschland geschieht.
Falsch
Die Behauptung ist falsch. Das Bild stammt nicht aus Deutschland, sondern aus Paraguay. Es wurde bereits 2022 von der Paraguayerin Belén Cárdenas auf Twitter veröffentlicht. Ihr Vater wartet dort seit Jahren auf sie – aus Sorge um ihre Sicherheit. Die Szene wird in Deutschland instrumentalisiert, um Ängste zu schüren.
Kurze Faktenübersicht:
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Herkunft des Bildes: Das Foto wurde 2022 in Paraguay aufgenommen, nicht in Deutschland.
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Verbreitung in sozialen Netzwerken: Es wird irreführend mit Deutschland in Verbindung gebracht.
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Hintergrund: Der Vater holt seine Tochter seit 2019 regelmäßig an der Haltestelle ab, weil Gewalt gegen Frauen in Paraguay ein großes Problem ist.
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Originalquelle: Das Foto wurde erstmals von Belén Cárdenas auf Twitter veröffentlicht.
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Medienberichte: Die argentinische Zeitung Clarín und andere lateinamerikanische Medien berichteten über die Geschichte.
Wie das Bild in die Irreführung geriet
Aktuell kursiert derzeit ein emotionales Bild: Ein älterer Mann steht nachts an einer Bushaltestelle und wartet. Die dazugehörige Bildbeschreibung suggeriert, dass sich die Szene in Deutschland abspielt. Viele dieser Posts enden mit den Worten „Das ist Deutschland“ – ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Bild bewusst mit einer bestimmten politischen Botschaft verbreitet wird.
Der Statusbeitrag im Wortlaut: “Jeden Abend wartet ein 72-jähriger Vater geduldig an der Bushaltestelle, damit seine Tochter nicht allein nach Hause gehen muss. Seit drei Jahren kommt er montags bis freitags pünktlich um 20.30 Uhr und wartet, bis sie von der Arbeit zurückkommt, in der Regel zwischen 20.30 und 21.00 Uhr, mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sein einziger Wunsch ist es, sie vor jeder möglichen Gefahr zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie sicher nach Hause kommt. Gemeinsam gehen sie nach Hause, und durch diesen Akt der Fürsorge fühlt sich sein „kleines Mädchen“ viel sicherer und wohler.”
Die beabsichtigte Wirkung: Das Foto soll als vermeintlicher Beweis für eine unsichere Lage in Deutschland herhalten. Der Subtext ist klar: Väter müssen ihre Töchter an Bushaltestellen abholen, weil es angeblich zu gefährlich für sie ist, allein nach Hause zu gehen.
Das kann man auch anhand der Kommentare erkennen, wie:
Tatsächlich hat das Bild jedoch nichts mit Deutschland zu tun. Eine einfache Bilderrückwärtssuche entlarvt die Täuschung. Das Foto stammt aus Paraguay und wurde bereits im Februar 2022 von der Paraguayerin Belén Cárdenas auf Twitter veröffentlicht.
Sie schrieb dazu:
„Ich komme nicht vor 8.30 oder 9 Uhr nach Hause und er wartet immer an der Bushaltestelle auf mich 😭❤️ alter Mann ich will nicht, dass du mich jemals verlässt ich liebe dich so sehr“
Die wahre Geschichte hinter dem Foto
Die argentinische Zeitung Clarín, eine der größten Medien Lateinamerikas, berichtete ausführlich über die Hintergründe. Der Mann auf dem Foto ist der 72-jährige Félix Cárdenas aus Paraguay. Seit 2019 wartet er jeden Abend an der Haltestelle, um seine Tochter sicher nach Hause zu begleiten.
Der Grund: Die Sicherheitslage in Paraguay, insbesondere für Frauen, ist problematisch. In einem Bericht von Amnesty International wird von „massive[r] Gewalt gegen Frauen, Kinder und Jugendliche“ in Paraguay gesprochen. Viele Frauen trauen sich nicht allein nachts nach Hause. Genau deshalb wartet Félix Cárdenas jeden Abend auf seine Tochter – aus Angst, dass ihr etwas passieren könnte.
Warum wird das Foto in Deutschland instrumentalisiert?
Es ist kein Zufall, dass dieses Bild in sozialen Netzwerken mit Deutschland in Verbindung gebracht wird. Das Thema „Innere Sicherheit“ wird regelmäßig genutzt, um Ängste in der Bevölkerung zu schüren – vor allem im politischen Kontext.
Solche irreführenden Darstellungen sind eine gängige Strategie: Ein emotionales Bild wird mit einer bestimmten Behauptung verknüpft, die jedoch in keinem Zusammenhang zur Realität steht. Nutzerinnen und Nutzer teilen solche Inhalte oft unkritisch weiter, ohne die Quelle oder die Echtheit der Geschichte zu überprüfen.
Dies ist nicht das erste Mal, dass Bilder oder Videos aus anderen Ländern genutzt werden, um die Sicherheitslage in Deutschland dramatischer darzustellen, als sie tatsächlich ist.
Fazit: Fake News durch falschen Kontext
Das Foto eines fürsorglichen Vaters, der seine Tochter aus Sicherheitsgründen an einer Bushaltestelle abholt, stammt aus Paraguay, nicht aus Deutschland. In sozialen Netzwerken wird es jedoch bewusst falsch dargestellt, um politische Narrative zu bedienen.
Erneut zeigt sich, wie wichtig es ist, Bilder und Geschichten kritisch zu hinterfragen – denn nicht alles, was emotional bewegt, entspricht auch der Wahrheit.
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