Die Behauptung
Meta steht im Zentrum neuer Vorwürfe: Angeblich soll das Unternehmen bereit gewesen sein, Millionen Nutzerdaten preiszugeben und ein Zensursystem einzuführen, um Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten. Dies geht aus einer Beschwerde hervor, die der US-Börsenaufsicht SEC vorliegt.
Falsch
Falsch! Es gibt keine Beweise dafür, dass Meta tatsächlich Nutzerdaten an China übermittelt hat. Zwar zeigen Dokumente, dass Facebook umfangreiche Zugeständnisse plante, doch das Unternehmen selbst bestätigt, diese nie umgesetzt zu haben. Facebook bleibt bis heute in China gesperrt.
Kurze Faktenübersicht:
- Projekt Aldrin: Entwicklung einer zensierten Facebook-Version für China.
- Geplante Zensur: Kontrolle von Inhalten durch Moderatoren und Algorithmen.
- Keine Umsetzung: Trotz weitreichender Pläne kam es nie zur Markteinführung in China.
Schwere Anschuldigungen gegen Meta und der Facebook unter Druck: Vorwurf des Datenaustauschs mit China
Bereits 2014 begannen Facebooks Bemühungen, eine Genehmigung für den chinesischen Markt zu erhalten. Mark Zuckerberg setzte ein Team auf, um unter dem Namen „Project Aldrin“ eine angepasste Plattform zu entwickeln, die den strengen Vorgaben der chinesischen Regierung entsprechen sollte. Die Enthüllungen zeigen, dass Facebook bereit war, mit der Regierung zu kooperieren, um an die Millionen potenzieller Nutzer zu gelangen.
Zensur und Kontrolle: Wie weit war Facebook bereit, zu gehen?
Ein zentrales Element der Strategie war die Implementierung eines umfassenden Zensursystems. Geplant war die Einrichtung eines „Chefredakteurs“, der entscheiden sollte, welche Inhalte erlaubt sind. Facebook plante eine automatische Erkennung sensibler Begriffe und eine Löschung abweichender Meinungen. Dokumente belegen, dass mindestens 300 Moderatoren vorgesehen waren, um die Inhalte zu überwachen. Auch die Abschaltung der Plattform in Krisenzeiten wurde diskutiert.
Laut Whistleblowerin Sarah Wynn-Williams war Facebook sogar bereit, auf Anweisung chinesischer Regierungsvertreter gezielt Dissidenten zu unterdrücken. So soll Zuckerberg zugestimmt haben, das Konto eines prominenten chinesischen Regimekritikers in den USA einzuschränken, um sich das Wohlwollen der Regierung zu sichern.
Nutzerdaten als Verhandlungsmasse?
Ein besonders heikler Punkt: Facebook soll bereit gewesen sein, Nutzerdaten auf chinesischen Servern zu speichern – was der chinesischen Regierung potenziell Zugriff auf persönliche Informationen ermöglicht hätte. Ob diese Pläne jemals ernsthaft umgesetzt wurden, ist jedoch unklar. Die Vorwürfe stützen sich auf interne Dokumente und Aussagen von Wynn-Williams, die 2017 aus dem Unternehmen ausschied.
Die Whistleblowerin reichte ihre 78-seitige Beschwerde bereits im April 2024 bei der SEC ein und legte zahlreiche interne Dokumente vor. Sie plant zudem die Veröffentlichung eines Buches mit dem Titel „Careless People: A Cautionary Tale of Power, Greed, and Lost Idealism“, in dem sie ihre Erfahrungen bei Meta schildert.
Zuckerberg auf Charmeoffensive
Mark Zuckerberg versuchte persönlich, das Wohlwollen Pekings zu gewinnen. Er schrieb den Klappentext für ein Buch von Xi Jinping, hielt eine Rede auf Mandarin und bat den chinesischen Staatschef sogar um die Namensgebung für seine Tochter. Zudem soll Facebook 2017 heimlich mobile Apps über eine chinesische Firma gestartet haben, um die Behörden milde zu stimmen. Später schränkte das Unternehmen das Konto des bekannten Dissidenten Guo Wengui ein – angeblich auf Druck der chinesischen Regierung.
Kehrtwende nach 2019
Ab 2019 änderte sich Metas Haltung unter dem Druck der US-Regierung. Zuckerberg selbst räumte in internen Meetings ein, dass ein Verbot von TikTok in den USA Facebooks Marktstellung stärken würde. Gleichzeitig begann er, China öffentlich für seine restriktive Internetpolitik zu kritisieren. Bei einer Rede in Georgetown präsentierte er sich als Verfechter der freien Meinungsäußerung. In den folgenden Jahren lockerte er Metas Moderationsrichtlinien und entfernte externe Faktenprüfer – insbesondere nach Donald Trumps Wiederwahl.
Offizielle Reaktion von Meta
Meta-Sprecher Andy Stone erklärte, dass die Bemühungen um China kein Geheimnis seien. Tatsächlich sei es Facebooks Ziel gewesen, dort Fuß zu fassen. Doch die Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine Expansion nicht praktikabel sei. Zuckerberg selbst beendete 2019 alle Pläne offiziell.
Doppelmoral? Metas widersprüchliche China-Strategie
Während Meta nach außen als Verfechter der freien Meinungsäußerung auftritt, zeigen interne Dokumente eine andere Realität. Facebook plante nicht nur, sich den Zensurvorgaben der chinesischen Regierung zu unterwerfen, sondern war auch bereit, Datenschutzrechte von Hongkong-Nutzern zu schwächen. Eine interne E-Mail aus dem Jahr 2014 legt offen, dass das Unternehmen in Erwägung zog, Peking Zugriff auf die Daten Hongkongs zu gewähren – ein schwerer Verstoß gegen internationale Datenschutzstandards.
Zusätzlich arbeitete Facebook mit der chinesischen Private-Equity-Firma Hony Capital zusammen, um ein spezielles Zensursystem zu entwickeln. Gleichzeitig wurden 2017 von Meta-Mitarbeitern heimlich Apps unter dem Namen eines chinesischen Unternehmens veröffentlicht, um mögliche Marktchancen zu testen.
Ironischerweise positioniert sich Meta heute als Gegner chinesischer Internetpolitik. Das Unternehmen finanziert die Organisation American Edge, die gegen TikTok lobbyiert und chinesischen Einfluss auf den westlichen Tech-Sektor kritisiert. Zudem arbeitet Zuckerberg eng mit US-Präsident Donald Trump zusammen, um KI-Standards gegen China durchzusetzen.
Ein besonders brisantes Detail ist eine interne Aufnahme aus dem Jahr 2025, in der Zuckerberg erklärte, dass ein TikTok-Verbot Meta massiv finanziell zugutekäme: „Das ist eine Karte, die wir ausspielen können.“ Analysen zeigen, dass Meta im Falle eines TikTok-Verbots bis zu 3,38 Milliarden Dollar an zusätzlichen Werbeeinnahmen gewinnen könnte.
Diese Enthüllungen werfen ein zwiespältiges Licht auf Metas China-Politik: Während das Unternehmen sich öffentlich gegen chinesische Zensur ausspricht, zeigen die internen Pläne eine langjährige Strategie der Anpassung – mit wirtschaftlichem Kalkül im Hintergrund.
Fazit: Keine Beweise für eine Umsetzung
Die Vorwürfe gegen Meta zeigen, dass das Unternehmen bereit war, weitreichende Zugeständnisse zu machen. Doch letztlich blieb es bei Planungen und Verhandlungen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass tatsächlich Nutzerdaten an China übergeben wurden oder ein Zensursystem in Betrieb genommen wurde. Dennoch zeigt der Fall, wie flexibel Facebook agiert, wenn es um wirtschaftliche Interessen geht.
Quellen:
🔹 Facebook baute ein Zensur-Tool für China und predigte Meinungsfreiheit
➡️ CCN.com
🔹 Meta-Whistleblower enthüllt geheime China-Pläne – 78-seitige Beschwerde
➡️ Washington Post
🔹 Chinas Ex-Internetchef Lu Wei wegen Korruption verurteilt – Facebooks Verhandlungspartner
➡️ BBC
🔹 Meta bringt Gesichtserkennung nach Europa – Kritiker warnen vor China-ähnlicher Überwachung
➡️ CCN.com
🔹 Meta könnte Milliarden an Werbegeldern durch TikTok-Verbot gewinnen
➡️ Business Insider Africa
🔹 Meta finanziert „American Edge“ – Anti-TikTok-Kampagne gegen chinesischen Einfluss
➡️ City A.M.
Lesen Sie auch: Meta schickt seine Faktenchecker in Rente – Facebook & Co öffnen die Türen für Desinformation
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