Edward Mordake: Der Mann mit den zwei Gesichtern

Die Wahrheit über Edward Mordake: Ein grausames Schicksal oder reine Fiktion?

Die Behauptung

Im 19. Jahrhundert soll in Großbritannien ein Mann namens Edward Mordake, oft auch Mordrake geschrieben, mit einem zweiten, bösartigen Gesicht auf dem Hinterkopf geboren worden sein. Dieses „Dämonengesicht“ soll eigenständig Emotionen gezeigt und ihn mit hasserfülltem Flüstern in den Wahnsinn getrieben haben.

Faktencheck: Falsch

Falsch! Edward Mord(r)ake hat nie existiert. Die Geschichte stammt aus einer erfundenen Zeitungsmeldung aus dem Jahr 1895 und wurde später von medizinischen Kompendien unkritisch übernommen. Es gibt keine historischen Belege für seine Existenz, und das oft geteilte „Beweisfoto“ stammt vermutlich aus einem Wachsmuseum.

Kurze Faktenübersicht:

  • Erfundene Quelle: Ursprünglich aus einem Zeitungsartikel von 1895, der mehrere groteske „Missbildungen“ beschrieb.

  • Kein medizinischer Beweis: Es gibt keine wissenschaftlichen oder historischen Dokumente über Mordrake.

  • Falsche „Beweisfotos“: Das verbreitete Bild zeigt vermutlich eine Wachsfigur aus einem Panoptikum.

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Der Ursprung der Legende

Die Geschichte von Edward Mordake tauchte erstmals in einem Artikel des Autors Charles Lotin Hildreth im Jahr 1895 auf. Der Text mit dem Titel „The Wonders of Modern Science“ beschreibt mehrere angeblich existierende „Halb-Menschen“, darunter Edward Mordake.

Edward Mordake: Der Mann mit den zwei Gesichtern
Screenshot aus den sozialen Medien

Doch es gibt ein Problem: Keiner dieser Fälle ist in historischen oder medizinischen Aufzeichnungen dokumentiert. Hildreths Artikel war reine spekulative Fiktion, die sich als Tatsachenbericht tarnte.

Später wurde die Geschichte 1896 in das Buch Anomalies and Curiosities of Medicine von Gould und Pyle aufgenommen. Die Autoren übernahmen Hildreths Bericht ohne jegliche Prüfung der Quellen – eine fatale Nachlässigkeit, die bis heute zu der anhaltenden Verbreitung des Mythos beiträgt.

Medizinische Erklärung: Könnte so etwas überhaupt existieren?

Zwei medizinische Bedingungen könnten theoretisch als Grundlage für den Mythos dienen:

  • Craniopagus parasiticus: Eine extrem seltene Form siamesischer Zwillinge, bei denen ein nicht lebensfähiger Zwilling am Kopf des dominanten Zwillings anhaftet.
  • Diprosopus: Eine seltene Fehlbildung, bei der Teile des Gesichts verdoppelt auftreten.

Doch kein bekannter Fall dieser Erkrankungen zeigt die angeblichen Merkmale des „hasserfüllten Flüsterns“ oder einer eigenständigen Kontrolle des zweiten Gesichts. Zudem sind solche Fehlbildungen mit extrem niedriger Überlebensrate verbunden – das von Mordake behauptete Alter von 23 Jahren wäre daher nahezu unmöglich gewesen.

Das „Beweisfoto“ – Ein moderner Mythos

Seit den frühen 2000er-Jahren kursiert ein Schwarz-Weiß-Foto eines angeblichen „Mordake-Schädels“. Experten haben jedoch festgestellt, dass die Bildqualität viel zu hoch für eine echte Aufnahme aus dem 19. Jahrhundert ist. Viel wahrscheinlicher handelt es sich um eine retuschierte Fotografie einer Wachsfigur aus dem Panoptikum in Hamburg. Diese Museen stellten historisch „medizinische Abnormitäten“ aus, die oft frei erfunden oder künstlerisch übertrieben waren.

Warum der Mythos so erfolgreich ist

Die morbide Geschichte fasziniert bis heute. Sie wurde in Filmen, Liedern und Fernsehserien verarbeitet, unter anderem in American Horror Story: Freak Show. Doch die Tatsache, dass sie sich so tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat, zeigt vor allem eins: Fake News und urbane Legenden können Jahrhunderte überdauern, wenn sie spannend genug sind.

Fazit zum Thema

Edward Mordake ist eine erfundene Figur. Die angeblichen Beweise sind widerlegt, und kein seriöser Historiker oder Mediziner kann seine Existenz bestätigen. Die Geschichte lebt allein durch ihre Faszination für das Makabre und durch unkritische Weiterverbreitung in sozialen Medien.

Merke: Nicht alles, was skurril klingt, ist wahr. Gerade bei historischen „Wundern“ lohnt sich immer ein genauerer Blick!

Quellen:
Edward Mordrake, der Mann mit den zwei Gesichtern
Museum of Hoaxes: Edward Mordake – A Mystery Solved


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