Windkraft decke in Österreich nur 2 % des Energiebedarfs, ein Beweis für die Ineffizienz und Überbewertung dieser Technologie.
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Falsch
Falsch. Die 2 %-Zahl bezieht sich auf den gesamten Energieverbrauch inklusive Verkehr, Wärme und Industrie – nicht auf den Stromsektor. Tatsächlich lag der Windkraftanteil an der Stromproduktion in Österreich im ersten Halbjahr 2024 bei 12,2 % (laut E-Control). Für das Gesamtjahr 2024 wird ein Anteil von 15,4 % prognostiziert (Quelle: Österreichs Energie / Fraunhofer-Institut).
Kurze Faktenübersicht:
12,2 % Windstromanteil im 1. Halbjahr 2024 laut E-Control
15,4 % prognostizierter Jahreswert laut Branchenprognose
2–3 % Anteil am gesamten Primärenergieverbrauch, inklusive Verkehr, Industrie, Heizung etc.
Die 2 %-Zahl wird gezielt gewählt, um die Bedeutung der Windenergie herunterzuspielen
Verzerrte Vergleiche untergraben das Vertrauen in faktenbasierte Energiepolitik
💬Wie beeinflussen Narrative die öffentliche Meinung? Antworten finden Sie im Leitfaden Narrative & Meinungsmache.
Wenn „nur 2 %“ Windstrom plötzlich alles infrage stellt
Es ist ein Satz, der sofort sitzt:
„Die über 1.300 Windräder in Österreich liefern gerade einmal 2 % des Energiebedarfs.“
Das klingt dramatisch: Viel Geld, viel Beton und dafür nur 2 %? Ein Schockeffekt mit Zahlentrick.
Genau solche Formulierungen sollen Zweifel säen. Sie bedienen ein wachsendes Unbehagen in Teilen der Bevölkerung gegenüber der Energiewende, mit einer scheinbar neutralen Statistik.
Diese Zahl stammt aus einem aktuellen Meinungsartikel, der sich kritisch mit Windkraftanlagen auseinandersetzt. Er enthält eine Vielzahl an Vorwürfen, von Mikroplastik über Ölverbrauch bis hin zu Bodenversiegelung. Doch die vermeintlich nüchterne „2 %“-Angabe entfaltet eine besonders starke Wirkung: Sie stellt den gesamten Nutzen der Windenergie infrage, mit einem einzigen, geschickt platzierten Prozentwert.
Doch worauf bezieht sich diese Zahl überhaupt? Und warum ist sie so irreführend?
Die Fake News: „Windräder liefern nur 2 %“
Im kursierenden Artikel heißt es, die rund 1.300 Windräder in Österreich würden nur 2 % des Energiebedarfs abdecken. Implizit wird damit suggeriert: Windkraft sei ineffizient, überbewertet, ja geradezu sinnlos.
Doch genau hier beginnt die Irreführung: Der Artikel vermischt absichtlich „Stromproduktion“ mit „Gesamtenergieverbrauch“.
Denn bei Letzterem, also inklusive Heizöl, Benzin, Flugbenzin, Industrieprozesse usw., liegt der Windanteil tatsächlich bei 2–3 %. Das ist nicht überraschend, denn Windkraft produziert Strom, keine Wärme und keine Treibstoffe. Niemand erwartet von Windrädern, dass sie Diesel oder Heizöl ersetzen.
Die Wahrheit: Windkraft liefert über 12 % des Stroms
Laut E-Control lag der Anteil der Windkraft an der gesamten Stromproduktion in Österreich im ersten Halbjahr 2024 bei 12,2 %, Tendenz steigend. Das ist mehr als jede achte Kilowattstunde, die in Österreich produziert wurde. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 lag der Anteil noch bei etwa 11,4 %.
Eine aktuelle Branchenanalyse von Österreichs Energie und dem Fraunhofer-Institut geht für das Gesamtjahr 2024 sogar von einem Windkraftanteil von 15,4 % aus.
Und noch wichtiger: Windkraft ist nach der Wasserkraft die zweitwichtigste erneuerbare Energiequelle des Landes.
Die 2 %-Behauptung verschweigt diesen Zusammenhang vollständig. Der Trick ist einfach: Man nennt eine möglichst niedrige Zahl – und sagt nicht, worauf sie sich bezieht.
Warum die 2 % formal stimmen und trotzdem irreführend sind
Tatsächlich stammt rund 2 bis 3 % des gesamten Energieverbrauchs in Österreich aus Windkraft, diese Zahl ist nicht frei erfunden. Doch was viele Leser dabei übersehen (oder bewusst übersehen sollen): Diese 2 % beziehen sich nicht auf Strom, sondern auf die gesamte Primärenergie, also inklusive Verkehr, Heizung, Industrie, Flugbenzin, Diesel, Heizöl und vielem mehr.
Windkraft erzeugt ausschließlich Strom. Sie kann und soll gar nicht direkt Benzin oder Heizöl ersetzen, dafür braucht es Technologien wie Elektromobilität oder Wärmepumpen, die zuerst Strom als Energieträger nutzen. Wer also Windkraft mit dem Gesamtenergieverbrauch vergleicht, misst am falschen Maßstab.
Der rhetorische Trick dabei ist simpel:
Man nennt eine möglichst niedrige Zahl und verschweigt, dass sie sich auf einen Bereich bezieht, den die Windkraft gar nicht versorgen kann.
Solche Zahlenspiele verzerren die Realität und untergraben das Vertrauen in eine faktenbasierte Energiediskussion.
Zahlenakrobatik statt Argumente
Diese Art der Manipulation ist nicht neu. Immer wieder nutzen Gegner der Energiewende das Mittel der selektiven Statistik, um erneuerbare Energien kleinzurechnen:
Mal wird der Stromanteil genannt, wenn er niedrig ist.
Dann wieder der Primärenergieverbrauch, wenn die Zahl kleiner ausfällt.
In keinem Fall wird sauber erklärt, welcher Bereich eigentlich gemeint ist.
Das ist keine sachliche Kritik, das ist bewusste Irreführung. Und sie funktioniert: Wer nicht täglich mit Energiepolitik zu tun hat, glaubt schnell, was vermeintlich nüchtern und rechnerisch klingt. „So viele Windräder, und nur 2 %? Was für ein Witz!“, genau diesen Reflex wollen die Urheber auslösen.
Ein besonders häufig zitierter „Beleg“ für die angebliche Ineffizienz der Windkraft ist ein Gutachten des Rechtsanwalts Dr. Thomas Mock, das im März 2023 dem nordrhein-westfälischen Landtag vorgelegt wurde. In Windkraft-kritischen Kreisen wird es als „brisant“ bezeichnet. Doch was steckt dahinter?
Tatsächlich handelt es sich nicht um ein wissenschaftliches Gutachten, sondern um eine juristische Stellungnahme. Mock argumentiert aus Sicht von Eigentums- und Anwohnerschutz, stützt sich auf hypothetische Risiken und verweist auf unbewiesene Behauptungen, etwa zu „verstecktem Mikroplastik“ oder Gesundheitsgefahren durch Rotorabrieb. Unabhängige Studien und Umweltbehörden konnten diese Effekte nicht bestätigen.
Dass ausgerechnet dieses Gutachten herangezogen wird, um den „2 %-Wert“ zu dramatisieren, zeigt deutlich: Es geht hier nicht um Aufklärung, es geht um Meinungsmache.
Windkraft wirkt fast ausschließlich im Stromsektor und genau dort liefert sie inzwischen beachtliche Mengen. 2023 erzeugten Windräder in Österreich knapp 9 Terawattstunden Strom, das entspricht etwa dem Jahresverbrauch aller Haushalte.
Der Stromsektor ist auch der wichtigste Hebel für den Klimaschutz: Elektromobilität, Wärmepumpen und CO₂-arme Industrie benötigen grünen Strom. Deshalb zählt der Anteil am Stromverbrauch, nicht der gesamte Energieverbrauch.
Fazit zum Thema
Die Aussage, Windkraft liefere nur 2 % Energie, ist sachlich irreführend. Sie verschweigt bewusst, dass sich der Wert auf den gesamten Energieverbrauch bezieht – nicht auf den Strom, den Windräder tatsächlich liefern.
Richtig ist: Laut E-Control lag der Anteil der Windkraft an der österreichischen Stromproduktion im ersten Halbjahr 2024 bei 12,2 %.
Eine aktuelle Branchenprognose von Österreichs Energie und dem Fraunhofer-Institut nennt für das Gesamtjahr 2024 einen Anteil von 15,4 %.
Windkraft ist damit nach Wasserkraft die zweitstärkste erneuerbare Energiequelle in Österreich – und ein wachsender, relevanter Beitrag zur Energiewende. Wer das verschweigt, führt in die Irre und bedient ein Zerrbild, das sachlich nicht haltbar ist.
🔍 Merke: Nicht jede Zahl sagt die Wahrheit. Manche sagen nur das, was man glauben soll.
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Hilde Ollig ist Rechercheurin bei Mimikama, Österreichs
führender Faktencheck-Organisation. Sie ist spezialisiert
auf die Überprüfung von Behauptungen in sozialen Medien
und unterstützt das Redaktionsteam mit akribischer
Quellenarbeit bei der Aufklärung über Internetmissbrauch.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum. Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG). Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein. (Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
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