WhatsApp Werbung: Meta greift jetzt auch im Messenger zu

Ab Juli 2025 tauchen erste Anzeigen im „Aktuelles“-Reiter auf – was heißt das für den Datenschutz?

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Warum Meta jetzt Werbung in WhatsApp platziert

Seit dem 19-Milliarden-Dollar-Kauf 2014 hat Meta (damals Facebook) die weltweit meistgenutzte Chat-App fast ein Jahrzehnt lang ohne klassische Reklame betrieben. Das ändert sich nun radikal: Künftig erscheinen Werbeanzeigen im „Aktuelles“-Reiter – demselben Bereich, in dem Nutzer Status-Stories posten und öffentliche Kanäle abonnieren.

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Der Schritt kommt nicht überraschend: Analysten schätzen, dass WhatsApp zwar rund drei Milliarden Menschen erreicht, aber bislang „nur“ 500 Millionen bis eine Milliarde Dollar pro Jahr umsetzt – überwiegend mit Gebühren für Business-APIs.

Die neue Werbefläche soll diese Lücke schließen und laut Meta „zehn Prozent Kommission“ auf bezahlte Kanal-Abos einspielen.

Will Cathcart, Chef von WhatsApp, versichert zwar:

„Wer nur Nachrichten schreibt, sieht keine Anzeigen in seinem Chat-Feed.“

Doch Kritiker erinnern an frühere Dementis – 2023 hatte WhatsApp Berichte über Werbepläne vehement zurückgewiesen.

Die Reichweite macht das Format für Werbetreibende attraktiv: 1,5 Milliarden Menschen öffnen den „Aktuelles“-Tab laut Meta täglich. Damit ist das Segment größer als X (Twitter) – und potenziell ähnlich lukrativ wie Instagram-Stories.

Schon 2019 testete WhatsApp Status-Ads in Indien und Brasilien, brach die Versuche aber ab, weil die Nutzerreaktionen verheerend ausfielen. Nun will Meta aus vergangenen Fehlern lernen und platzierte Anzeigen lediglich als dezente Vollbild-Slides zwischen Status-Beiträgen.

Nikila Srinivasan, Vizepräsidentin für Business Messaging, betont:

„Die Updates-Leiste ist der einzige Ort, an dem Werbung sinnvoll ist.“

Meta kämpft parallel mit Gegenwind in den USA: Die Handelsbehörde FTC wirft dem Konzern vor, mit den Übernahmen von Instagram und WhatsApp den Wettbewerb ausgehebelt zu haben. Ein neues Umsatzmodell könnte die Argumentation befeuern,

WhatsApp sei niemals gewinnorientiert übernommen worden. Bewusst verweist Meta deshalb auf zusätzliche Verdienstmöglichkeiten für „Creators“, die in ihren Kanälen exklusive Inhalte gegen Gebühr anbieten dürfen. Für Endkunden bleibt die App kostenlos – für Meta ist sie nun jedoch ein vollwertiger Werbeträger.

So funktioniert das Werbemodell im „Aktuelles“-Reiter

Die technische Umsetzung ähnelt Instagram-Stories, unterscheidet sich aber in zwei zentralen Punkten.

  1. Erstens erscheinen Anzeigen ausschließlich im Reiter „Aktuelles“, private Chats, Gruppen und Anrufe bleiben unberührt.
  2. Zweitens zielt Werbung primär auf Interaktion: Ein Wisch nach oben öffnet direkt den Business-Chat oder abonniert den beworbenen Kanal.

Damit will Meta verhindern, dass Nutzer die App verlassen – eine Strategie, die schon bei Facebooks „Click-to-Messenger“-Ads die Konversionsraten verdoppelte.

Für Kanalbetreiber stellt Meta drei neue Tools bereit: Promoted Channels (gesponserte Platzierungen im Verzeichnis), Status-Ads (Vollbild-Story-Spots) sowie Abo-Schaltung (monatliche Gebühren für exklusive Posts).

Die Funktion startet zunächst in Brasilien, Mexiko und Indonesien; Europa folgt „innerhalb weniger Monate“. Unternehmen können bereits vorhandene Instagram-Spots 1:1 importieren – erleichtert durch die gemeinsame Ads-Manager-Plattform.

Ein spannender Nebenaspekt: WhatsApp wird damit zum ersten Mal ein vollwertiges Ökosystem für Influencer-Marketing. Laut der Beratungsfirma eMarketer überholen Messenger-Feeds 2026 weltweit das klassische Feed-Scrolling in Sachen Werbekontaktzeit. Meta will diesen Trend ausnutzen, indem es Werbung tief in den natürlichen Story-Konsum einbindet.

Erste Pilotkunden – etwa ein mexikanischer Lebensmittel­händler und eine indonesische Telko-Marke – berichten von Klick­kosten unter 0,02 US-Dollar je Chat-Initiierung, deutlich günstiger als vergleichbare Instagram-Kampagnen.

Datenschutz bleibt heikel: Welche Daten fließen wirklich?

Meta versichert, dass persönliche Chats „unantastbar“ seien. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verhindert laut Konzern, dass Anzeigen-Algorithmen Nachrichtinhalte auswerten. Tatsächlich arbeitet das Targeting ausschließlich mit „Basic Signals“: Land, Stadt, Gerätesprache, Gerätetyp und Interaktionen innerhalb des Updates-Tabs. Telefonnummern, Chat-Member­ships und Anruflisten sollen laut Meta nie herangezogen werden.

Kritiker wie der österreichische Jurist Max Schrems zweifeln dennoch: Schon das bloße Öffnen der Updates-Rubrik verrät Nutzungsgewohnheiten, die Rückschlüsse auf soziale Netzwerke zulassen. Wer regelmäßig den Kanal eines politischen Akteurs aufruft, liefert ein Profilmerkmal – auch ohne Inhaltsanalyse. Zudem speichert WhatsApp Metadaten (Zeitpunkt, IP-Adresse, Geräte-ID) bis zu 90 Tage. Diese lassen sich theoretisch mit Facebook-Daten abgleichen, um Look-alike-Modelle zu bauen – ein Szenario, das Meta offiziell „derzeit“ ausschließt, aber in den Nutzungsbedingungen nicht explizit verbietet.

„Meta macht hier genau das Gegenteil von dem, was das EU-Recht vorschreibt. Die Daten mehrerer Plattformen werden verbunden und Nutzer:innen werden ohne echte Wahl für Werbung getrackt. Ohne eine freiwillige Einwilligung ist die Verknüpfung der Daten und personalisierte Werbung ganz klar illegal. Bei Instagram und Facebook hat Meta auf ‘Pay or Okay’ gesetzt, ohne dass die irische Behörde oder die EU-Kommission effektiv dagegen vorgegangen wäre. Wir vermuten, dass Meta das auch bei WhatsApp so machen wird.“

Max Schrems

Datenschützer verweisen auf die DSGVO: Sobald Meta EU-Nutzer segmentiert, muss das Unternehmen eine Rechtsgrundlage nachweisen (z. B. „berechtigtes Interesse“) oder eine Einwilligung einholen. WhatsApp kündigte an, die Funktion in Europa erst zu starten, wenn „alle regulatorischen Fragen geklärt sind“. Denkbar ist eine Opt-in-Lösung, die jedoch erfahrungsgemäß niedrige Annahmequoten hat. Fazit der NGO

„Meta testet Grenzen aus und wartet, bis Gerichte Grenzen ziehen.“

Noyb

FAQ: Die wichtigsten Fragen zur WhatsApp-Werbung

Sehe ich künftig Reklame in meinen privaten Chats?

Nein. Meta platziert Anzeigen ausschließlich im „Aktuelles“-Reiter. Private Unterhaltungen, Gruppen und Anrufe bleiben werbefrei – jedenfalls laut offizieller Ankündigung.

Kann ich die Werbung komplett deaktivieren?

Der „Aktuelles“-Tab lässt sich in den Einstellungen ausblenden. Wer ihn nie öffnet, sollte keine Ads sehen. Eine globale Werbe-Abschaltung ist bislang nicht vorgesehen.

Welche Daten nutzt Meta für das Targeting?

Laut Nikila Srinivasan greift WhatsApp nur auf Land, Stadt, Gerätesprache, Gerätetyp und Aktivitäten innerhalb von „Aktuelles“ zu. Telefonnummern und Chat-Inhalte bleiben außen vor.

Kommt die Werbefunktion auch in der EU?

Meta will „in den kommenden Monaten“ starten, wartet aber laut eigener Aussage noch Datenschutz-Prüfungen ab. Es ist möglich, dass EU-Nutzer eine Einwilligung angeben müssen.

Können Unternehmen meine WhatsApp-Nummer kaufen?

Nein. Meta betont, keine Telefonnummern an Werbetreibende zu verkaufen. Kontakt erfolgt nur, wenn der Nutzer aktiv mit dem Anzeigeninhalt interagiert.

Fazit zum Thema

Meta rollt Werbung bei WhatsApp mit Bedacht, aber nicht ohne Risiko aus. Der Konzern nutzt ein Story-ähnliches Format, um Einnahmen zu steigern, ohne den heiligen Bereich der privaten Chats zu berühren. Kritiker fürchten dennoch, dass die schrittweise Kommerzialisierung das letzte werbefreie Refugium des Meta-Kosmos auflöst und langfristig Begehrlichkeiten weckt, das Targeting auszuweiten.

Quellen:

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