Die Behauptung
Ein Ausschnitt aus der britischen Dokumentation „Climate: The Movie“ verbreitet auf Facebook die Behauptung, die Mehrheit der Deutschen glaube nicht an den Klimawandel. Zudem wird darin behauptet, Kohlendioxid habe keinen Einfluss auf die Erderwärmung und Klimamodelle lägen grundsätzlich falsch.
Aufgestellt von: Facebook
Faktencheck: Falsch
Falsch. Mehrere unabhängige Umfragen zeigen eindeutig: Die Mehrheit der Deutschen und Österreicher glaubt an den menschengemachten Klimawandel. Nur eine Minderheit zweifelt die Forschungsergebnisse an. Der wissenschaftliche Konsens ist klar: Der Ausstoß von CO2 ist der Haupttreiber der globalen Erwärmung. Behauptungen aus dem Video widersprechen gesicherten Erkenntnissen und arbeiten mit nachweislich manipulierten Darstellungen. Die Vorhersagen der Klimamodelle decken sich im Wesentlichen mit den tatsächlich gemessenen Temperaturanstiegen.
Wie die Doku „Climate: The Movie“ Desinformation über Klimawandel streut
Die auf Facebook geteilten Ausschnitte aus der britischen Dokumentation „Climate: The Movie“ stellen wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel gezielt infrage. Filmemacher Martin Durkin ist bereits seit Jahren für provokante Beiträge bekannt, die mit Verschwörungserzählungen arbeiten. Nun erreicht die Desinformation über soziale Netzwerke erneut ein Millionenpublikum.
Die Irreführung beginnt mit gefälschten oder verzerrten Grafiken.
Kritiker wie die London School of Economics werfen dem Film vor, Daten falsch darzustellen. Temperaturkurven werden so ausgeschnitten oder skaliert, dass Trends harmloser wirken. Wer den Film sieht, bekommt den Eindruck, die Erderwärmung sei minimal und unproblematisch.
Ein zweiter Mechanismus ist die Verharmlosung von CO2.
Im Video heißt es, es gebe keinen klaren Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und globaler Erwärmung. Das widerspricht dem IPCC-Bericht, der einen nahezu linearen Zusammenhang zwischen kumulativen Emissionen und Temperaturanstieg bestätigt. Faktenchecks von dpa und Correctiv haben diese Falschbehauptung mehrfach widerlegt.
Drittens wird wissenschaftliche Prognosearbeit diskreditiert.
Die Doku behauptet, Klimamodelle hätten falsche oder übertriebene Vorhersagen geliefert. Tatsächlich stimmen die Messdaten von 1990 bis 2025 weitgehend mit den Prognosen des Weltklimarats überein. Diese Übereinstimmung belegt, dass die Modelle zuverlässige Werkzeuge sind.
In Kommentarspalten zeigt sich, wie die Strategie wirkt.
Viele Nutzer greifen die angeblichen Fehler der Klimaforschung sofort auf und nutzen sie, um Politik oder Medien pauschal als „Lügner“ zu diffamieren. So verstärkt die Doku nicht nur Zweifel an wissenschaftlichen Ergebnissen, sondern auch Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen.
Die Kommunikationsabsicht ist klar: Skepsis schüren.
Indem die Doku Wissenschaftler als Teil einer angeblichen Verschwörung darstellt, wird ein Feindbild erzeugt. Die Klimapolitik wird als „Ideologie“ abgewertet, die angeblich nur Kosten verursacht. Diese Rhetorik richtet sich an Menschen, die ohnehin skeptisch gegenüber Wissenschaft und Politik eingestellt sind.
Die Sprache ist stark emotionalisiert.
Begriffe wie „Panikmache“ oder „Klima-Hysterie“ tauchen wiederholt auf. Solche Wörter sollen die Zuschauer abwertend gegenüber Klimaforschung einstellen. Bilder von Naturkatastrophen werden dagegen ausgespart oder kleingeredet, um den Ernst der Lage zu vernebeln.
Psychologisch greift hier der Bestätigungsfehler.
Menschen, die ohnehin Zweifel an Klimapolitik haben, nehmen solche Inhalte leichter an. Der Film liefert ihnen scheinbar „wissenschaftliche Beweise“ für ihre Haltung. Diese Verzerrung macht es so schwierig, Falschinformationen im Bereich Klimawandel zu korrigieren.
Das Video ist ein Paradebeispiel für digitale Desinformation.
Mit gezielten Schnitten, manipulativen Visualisierungen und der Suggestion einer unterdrückten Wahrheit wird eine Gegenrealität konstruiert. Plattformen wie Facebook verstärken den Effekt, weil polarisierende Inhalte dort mehr Reichweite bekommen.
Praktischer Tipp: Wer Videos wie dieses sieht, sollte prüfen, ob die zitierten Quellen seriös sind und ob es unabhängige Faktenchecks dazu gibt. Seriöse Institute wie der IPCC, Universitäten oder unabhängige Faktenprüfer veröffentlichen klare Daten und Belege.
Faktenlage: Mehrheit glaubt an Klimawandel
Studien belegen den klaren Trend. Die Universität Hamburg veröffentlichte bereits 2013 eine Untersuchung, nach der die Mehrheit der Deutschen den menschengemachten Klimawandel anerkennt. Neuere Umfragen, etwa von YouGov oder die FOM-Sommerstudie, bestätigen dies. Drei Viertel der Befragten sehen eine drohende ökologische Katastrophe, falls sich nichts ändert.
Laut YouGov-Umfrage aus 2023 stimmen 63 Prozent der Aussage zu, dass der Mensch Hauptursache des Klimawandels ist. Nur 22 Prozent widersprechen.
In Österreich halten laut Umweltbundesamt 85 Prozent den Klimawandel für ein ernstes Problem. Diese Werte stehen in direktem Gegensatz zu den Behauptungen im Facebook-Video.
FAQ
Glauben die meisten Deutschen an den Klimawandel?
Ja. Mehrere repräsentative Umfragen zeigen: Die Mehrheit akzeptiert den wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel.
Ist CO2 wirklich der Haupttreiber der Erderwärmung?
Ja. Der IPCC bestätigt einen direkten, fast linearen Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß und globaler Erwärmung.
Haben Klimamodelle in der Vergangenheit falsch gelegen?
Nein. Prognosen des Weltklimarats stimmen weitgehend mit den gemessenen Temperaturanstiegen überein.
Wer steckt hinter „Climate: The Movie“?
Der britische Filmemacher Martin Durkin, der schon früher mit kontroversen Dokus auffiel. Kritiker werfen ihm Propaganda und Datenmanipulation vor.
Warum verbreitet sich das Video so stark?
Auf Plattformen wie Facebook werden polarisierende Inhalte stärker geteilt. Viele Nutzer reagieren emotional und teilen Videos, die scheinbar einfache Antworten liefern.
FAZIT
Das Facebook-Video mit Ausschnitten aus „Climate: The Movie“ verbreitet Desinformation. Es stellt wissenschaftliche Fakten falsch dar, arbeitet mit verzerrten Grafiken und behauptet ohne Belege, Klimamodelle hätten versagt. In Wirklichkeit zeigt die Forschung klar: CO2 treibt die Erwärmung an, und die Mehrheit der Deutschen vertraut diesen Erkenntnissen. Die Doku ist kein Beitrag zur Aufklärung, sondern ein Werkzeug zur Verunsicherung.
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