Geköderte Follower und frisches Profil: Der Trick mit dem Neuanfang
Auf den ersten Blick wirkt das Instagram-Profil wie ein typisches Influencer-Konto: sympathische, zum Teil verführerische Selfies, verspielte Storys, dann plötzlich ein Gewinnspiel mit „30.000 Euro“ im Pot.
Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Hier stimmt einiges nicht. Alle Beiträge sind neu, maximal ein Monat alt. Laut eigener Aussage wurde ihr altes Profil von Bots zerstört, daher jetzt der Neustart. Doch diese Geschichte bröckelt. Denn: Das Profil existiert bereits seit 2012, es gab auch eine Namensänderung.
Es handelt sich also nicht um einen neuen Account, sondern um ein umbenanntes und komplett geleertes Konto. – Ein klares Indiz für ein gehacktes oder gekauftes Profil. Das dient nur einem Zweck: alte Inhalte verschwinden zu lassen und das Vertrauen neuer Follower zu erschleichen.
Diese Red Flags sollte man nicht ignorieren, denn es geht nicht nur um einen enttäuschenden Klick, hier geht es um echtes Geld!
Hinter dem Geldversprechen steckt ein bekanntes Betrugsmuster
Was hier angeboten wird, ist kein Giveaway, sondern ein klassischer Money-Flip-Betrug. Die Masche ist nicht neu, taucht aber immer wieder in sozialen Netzwerken auf, meist auf Instagram, Telegram oder WhatsApp. Das Prinzip ist simpel: Wer zwischen 300 und 900 Euro überweist, soll angeblich das Doppelte zurückbekommen. Innerhalb von 60 Minuten, versprochen. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Und ist es auch. Niemand verdoppelt freiwillig dein Geld.
Das ist keine Glückschance, das ist eine Abzockfalle. Solche Versprechen zielen darauf ab, schnelle Gier zu wecken und Zweifel durch „vertrauensvolle“ Sprache zu zerstreuen. Die sogenannte Teilnahmebedingung, wonach man das Geld angeblich zurückbekommt, wenn der Pot leer ist, ist reine Show. In Wahrheit ist das Geld dann längst weg, und die Täter gleich mit.
Warum Überweisungs-Beweise kein Vertrauen verdienen
In den Storys und Beiträgen tauchen angebliche Überweisungs-Screenshots auf. Summen werden angezeigt, Namen zensiert, die Beträge scheinen korrekt. Diese Screenshots werden gepostet und re-postet, was eine größere Reichweite und Vertrauen bringen soll.
Das Ziel ist immer dasselbe: Menschen sollen glauben, dass das System funktioniert. Wer das glaubt, überweist. Und wer überweist, sieht sein Geld nie wieder. Diese Screenshots sind keine Bestätigung, sondern Köder. Digitale Köder, die in die Taschen von Betrügern führen. Und häufig sind derartige „Beweise“ auch entweder komplett gefälscht oder stammen aus anderen Kontexten, um die Masche zum Laufen zu bringen.
Auffällig ist außerdem: Viele dieser Überweisungen scheinen entweder per Echtzeitüberweisung oder über PayPal mit der Option „Freunde und Familie“ erfolgt zu sein. Und das natürlich nicht ohne Grund. Bei Echtzeitüberweisungen ist das Geld sofort weg, eine Rückholung kaum möglich. Bei PayPal-Zahlungen unter „Freunde und Familie“ besteht kein Käuferschutz, ein Rückfordern des Geldes ist praktisch ausgeschlossen. Diese Methoden werden bewusst gewählt, um Betrugsopfern jede Möglichkeit zur Gegenwehr zu nehmen.
WhatsApp-Nummer, neue Namen und verdächtige Rückversprechen
Die Täter nutzen oft dieselben Muster: Sie fordern, dass man sich über WhatsApp meldet, und schicken dort die Zahlungsanweisungen. Auch Emilia Braun verlangt genau das. Die Kommunikation soll schnell weg von Instagram, wo die Gefahr einer Account-Sperrung droht. Gleichzeitig wird Vertrauen erzeugt durch Aussagen wie „Jeder bekommt sein Geld“, „Ich gebe nicht auf“ oder „Wenn der Pot voll ist, kriegt ihr das Geld zurück“. Solche Aussagen sollen Sicherheit vorgaukeln, sind aber nichts als leere Worte.
Die Wahrheit ist: Die Täter arbeiten mit fremden oder gestohlenen Konten, oft sogenannten Muli-Konten, deren Inhaber nicht einmal wissen, dass ihr Konto für Betrug missbraucht wird. Rückverfolgung? Fast unmöglich. Geld zurück? Fehlanzeige.
So schützt du dich und andere vor dem Betrug
Wer solche Profile sieht, sollte eines tun: melden. Bei Instagram gibt es die Option, Accounts wegen Betrugs oder Scam zu melden: Nutze sie.
Und sonst:
- Schreib den angeblichen Personen hinter den Profilen nicht.
- Überweise kein Geld.
- Blockiere die angegebene Nummer auf WhatsApp.
- Und wenn du oder jemand aus deinem Umfeld bereits Geld überwiesen hat, dann:
- sofort die Bank kontaktieren (vielleicht ist eine Rückbuchung möglich),
- Betrug melden, und
- Wichtig: Beweise sichern, Screenshots machen, Chatverläufe speichern. Zur Anzeige bringen.
Nur, wenn solche Maschen öffentlich gemacht und konsequent angezeigt werden, haben die Täter weniger Chancen. Lass dich nicht täuschen: Niemand verdoppelt dein Geld. Und schon gar nicht auf Instagram.
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