Die Behauptung
In sozialen Netzwerken wird behauptet, ein altes Schwarz-Weiß-Foto zeige Frank-Walter Steinmeier in den 1970er Jahren als RAF-Sympathisanten oder gar Mitglied einer „sozialistischen Juristen“-Gruppe mit DDR- oder Terrornähe.
Aufgestellt von: Social Media
Falsch
Das Foto ist authentisch, die Begleitbehauptungen sind erfunden. Es zeigt Steinmeier als jungen Jurastudenten, nicht als RAF-Unterstützer. Weder biografische noch historische Quellen belegen irgendeine Nähe zur RAF oder zu extremistischen Gruppen.
Analyse – Die Fakten dahinter
Das verbreitete Schwarz-Weiß-Foto zeigt tatsächlich den jungen Frank-Walter Steinmeier während seines Jurastudiums an der Universität Gießen in den späten 1970er Jahren. Mehrere Medien bestätigen seine Echtheit. Steinmeier selbst hat das Bild später sogar für eine Wohltätigkeitsauktion signiert.
Entgegen kursierender Falschbehauptungen handelt es sich nicht um eine Fotomontage oder eine andere Person. Das im Hintergrund sichtbare Logo gehört zur studentischen Initiative „Kritische Juristen“ – nicht zu einer Gruppe namens „Sozialistische Juristen“, die in keiner seriösen Quelle belegt ist.
Während seines Studiums engagierte sich Steinmeier in der Juso-Hochschulgruppe der SPD und arbeitete im AStA als Finanzreferent. Zudem schrieb er für die linke Fachzeitschrift „Demokratie und Recht“ (DuR), die im Pahl-Rugenstein-Verlag erschien. Dieser Verlag wurde später bekannt, weil er teilweise DDR-finanziert war. Doch Steinmeiers Mitarbeit dort war rein redaktionell – er schrieb juristische Texte, gemeinsam mit Kommilitonin Brigitte Zypries, der späteren Justizministerin.
Der Pahl-Rugenstein-Verlag wurde vom Verfassungsschutz beobachtet, allerdings nicht wegen illegaler Aktivitäten, sondern aufgrund seiner linken Ausrichtung und seiner Kritik am sogenannten Radikalenerlass (Berufsverbote). Das entsprach dem politischen Klima der Zeit, nicht einer extremistischen Haltung.
Zudem gibt es keine Belege für Sympathien Steinmeiers zur Rote Armee Fraktion (RAF). Im Gegenteil: In späteren Reden bezeichnete er die RAF klar als „Linksterroristen“ und forderte 2017 öffentlich, dass die Täter ihr Schweigen brechen sollten (Tagesspiegel).
Wirkung & Mechanismus
Solche Falschbehauptungen funktionieren, weil sie zwei Dinge mischen: alte Fotos mit sichtbarer „linker Ästhetik“ und den heutigen Reflex, alles aus der damaligen Protestkultur mit Extremismus gleichzusetzen. Wer den historischen Kontext ignoriert, kann leicht eine harmlose Studentenzeit in eine verschwörerische Erzählung verwandeln. Misstrauen gegen etablierte Politiker wird so emotional verstärkt – ein klassischer Desinformationsmechanismus.
Fazit
Die Behauptung ist falsch.
Das Bild ist echt, aber aus dem Zusammenhang gerissen. Steinmeier war engagierter Juso, kein Terror-Sympathisant. Die Verbindungen zum Pahl-Rugenstein-Verlag erklären seine politische Sozialisierung – nicht eine Nähe zur RAF.
Faktenbarometer
🟩 Falschbehauptung, durch Kontextverzerrung erzeugt.
Das Foto ist echt, aber die RAF-Behauptung entbehrt jeder Grundlage. Die Geschichte wird gezielt zur politischen Diskreditierung genutzt.
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