Drohungen gegen Berliner Schulen: Was hinter den kursierenden Gewaltankündigungen steckt

Die am Wochenende verbreiteten Anschlagsdrohungen gegen Berliner Schulen sind nach Einschätzung der Polizei Falschinformationen, die gezielt Angst auslösen sollen.

Die Behauptung

Über mehrere Messenger-Dienste kursierten am Wochenende Texte und Videos, die angebliche Anschlagspläne gegen rund 20 Berliner Schulen enthielten. Die Verfasser kündigten brutale Taten an, nannten konkrete Schulen und inszenierten sich als religiös motivierte Tätergruppe.

Aufgestellt von: Unbekannt

Falsch

Die Polizei Berlin stuft die kursierenden Drohungen als nicht glaubwürdig ein. Hinweise auf eine reale Gefährdung, konkrete Täter oder vorbereitete Anschläge liegen nicht vor. Ermittlungen wurden wegen Störung des öffentlichen Friedens aufgenommen.

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Analyse – Die Fakten dahinter

Die am Wochenende massenhaft weitergeleiteten Nachrichten enthielten extreme Gewaltfantasien und die Behauptung, eine Gruppe von „50 Kämpfern“ wolle am 17.11.2025 mehrere Berliner Schulen angreifen. Dazu wurden reale, aber teils auch veraltete Schulnamen aufgelistet. Die Drohtexte vermischten religiöse Kampfbegriffe, politische Schlagworte und eine bewusst chaotische Selbstbeschreibung. Wir berichteten bereits hier: Drohungen gegen Berliner Schulen: Polizei warnt vor gezielter Desinformation

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Die Berliner Polizei bestätigte am Sonntag und Montag mehrfach öffentlich, dass bei der Lagebewertung keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohung vorliegen:

„Nach Lageeinschätzung unserer Expertinnen und Experten des Polizeilichen Staatsschutzes beim LKA weisen wir Sie auf folgende Information hin:
Hinweise auf Gefährdungen oder konkrete Bedrohungen liegen uns nicht vor.
Es handelt sich hierbei um Falschinformationen, die gezielt Ängste schüren sollen.“

Polizei Berlin / X-Beitrag

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Mehr Informationen

Ziel sei offenkundig, Angst zu schüren. Gleichzeitig reagierten viele Eltern und Lehrkräfte nachvollziehbar verunsichert: Über den Notruf gingen mehr als 900 Anrufe ein.

Auffällig ist außerdem, dass in den Drohnachrichten eine Schule genannt wird, die bereits seit Jahren geschlossen ist – ein klassisches Merkmal von kopierten oder zusammengestellten Fake-Listen, die wenig Bezug zur Realität haben.

Die Polizei spricht inzwischen von weiteren Trittbrettfahrer-Drohungen, die jedoch ebenfalls keinen Bezug zu konkreten Vorbereitungen zeigen.

Wirkung & Mechanismus

Solche Drohungen treffen einen empfindlichen Bereich, weil sie genau an reale Sorgen anknüpfen. Viele Menschen erinnern sich an tatsächliche Vorfälle an Schulen, dadurch wirkt eine Bedrohung plausibler, auch wenn Behörden sie nicht bestätigen. Eltern und Schüler:innen geraten in ein Dilemma: Einerseits will man Gerüchten keinen Raum geben, andererseits wäre es unerträglich, ein Risiko zu unterschätzen. Wenn Drohungen dann auch noch konkrete Schulnamen nennen, entsteht ein Gefühl von Nähe und Dringlichkeit. Diese Mischung aus realen Ängsten und künstlicher Zuspitzung macht derartige Falschmeldungen so wirkungsvoll.

Was Eltern, Schüler:innen und Lehrkräfte jetzt tun können

Drohungen gegen Schulen treffen einen sensiblen Bereich. Viele Familien denken unweigerlich an reale Vorfälle der vergangenen Jahre, und genau darauf spekulieren die Verfasser solcher Fake-Drohungen. Deshalb braucht es klare Orientierung:

1. Nur verifizierten Quellen vertrauen
Offizielle Mitteilungen der Polizei, Senatsverwaltung und Schulen haben Vorrang. Einzelne Screenshots, weitergeleitete Posts oder emotional formulierte Sprachnachrichten sind keine verlässlichen Informationen.

2. Inhalte nicht unreflektiert weiterleiten
Jede Weiterverbreitung erhöht die Reichweite der Falschmeldung und damit die Angst. Wenn eine Nachricht keinen klaren, überprüfbaren Ursprung hat, sollte sie nicht geteilt werden.

3. Schulen direkt kontaktieren
Bei Unsicherheit können Eltern oder Lehrkräfte die Schulleitung ansprechen. Schulen stehen vor allem in solchen Fällen in Austausch mit der Polizei und würden bei echter Gefahr sofort informieren.

4. Gefühle ernst nehmen
Kinder und Jugendliche erleben solche Drohungen oft ungefiltert. Angst ist eine normale Reaktion. Offene Gespräche helfen, die Situation einzuordnen und Fakten von Fantasie zu trennen.

5. Belastung ansprechen, auch für Lehrkräfte
Pädagog:innen tragen Verantwortung für viele Kinder und spüren den Druck besonders deutlich. Hier können schulinterne Teams, Präventionskräfte oder externe Beratungsstellen entlasten.

6. Erkennen, wie Manipulation wirkt
Drohungen dieser Art spielen gezielt mit der Furcht vor Kontrollverlust. Sie adressieren das Grundgefühl: „Es könnte ja doch etwas dran sein.“ Wer diese Mechanik versteht, kann ruhiger und bedachter reagieren, ohne Risiken zu ignorieren.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Sie verunsichert, weil sie reale Ängste anspricht und vertraute Orte instrumentalisiert – ein kalkulierter Angriff auf das Sicherheitsgefühl von Familien.

Faktenbarometer

🟥 Manipulativ – Die Drohungen sollten bewusst Angst auslösen und den Schulbetrieb verunsichern. Die Polizei kam nach Lagebewertung zu dem klaren Schluss, dass keine konkrete Gefahr bestand.

Quellen:
Polizei Berlin | X
Polizei stuft Anschlagsdrohungen an Berliner Schulen als nicht ernst ein | rbb24
Berliner Polizei beruhigt nach Anschlagsdrohungen | Tagesschau
Anschlagsdrohung gegen Berliner Schulen – Eltern in Sorge | Stern

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