Werden Weihnachtsmärkte wegen Protesten von Migranten abgesagt?

In mehreren kursierenden Videos und Fotos wird behauptet, Migranten – insbesondere Muslime – würden Weihnachten ablehnen und Weihnachtsmärkte durch Proteste verhindern.

Die Behauptung

Migranten in Europa würden Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkte mit Protesten stören oder deren Absage erzwingen.

Aufgestellt von: Unbekannt

Falsch

Die verbreiteten Videos zeigen überwiegend ältere oder anders kontextualisierte Demonstrationen, meist pro-palästinensische Kundgebungen. Hinweise auf gezielte Proteste gegen Weihnachten oder auf abgesagte Weihnachtsmärkte aus diesen Gründen gibt es nicht.

→Wie funktioniert Desinformation im politischen Kontext? Antworten finden Sie im Leitfaden Politische Desinformation.

Unsere Prüfung zeigt: Die gezeigten Aufnahmen sind alt, aus dem Kontext gerissen oder falsch zugeordnet. Weihnachtsmärkte wurden nicht aufgrund solcher Proteste abgesagt.

Mehrere vielgeteilte Videos und Fotos wurden genutzt, um ein einheitliches Narrativ zu transportieren: Migrantische Gruppen oder muslimische Communities wollten Weihnachten „verbieten“ oder Weihnachtsmärkte verhindern. Die Überprüfung der Aufnahmen zeigt jedoch durchgehend fehlerhafte Zuordnungen.

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Brüssel (Börseplatz):

Ein virales Video wurde als angeblicher Protest „gegen Weihnachten“ verbreitet. Tatsächlich handelte es sich um eine regulär angemeldete pro-palästinensische Kundgebung der Gruppe Ahrar Palestine. Aufnahmen und Posts der Organisatoren belegen den politischen Kontext der Demonstration. Die zeitliche Nähe zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts führte zu falschen Interpretationen.
Ein virales Video wurde als angeblicher Protest „gegen Weihnachten“ verbreitet. Tatsächlich handelte es sich um eine regulär angemeldete pro-palästinensische Kundgebung der Gruppe Ahrar Palestine. Aufnahmen und Posts der Organisatoren belegen den politischen Kontext der Demonstration. Die zeitliche Nähe zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts führte zu falschen Interpretationen.
(Wir haben HIER darüber berichtet.)

Mailand (Domplatz):

Ein Video, das angeblich eine Störung der „Eröffnung der Weihnachtsmärkte“ zeigt, stammt weder vom Eröffnungstag noch aus diesem Zusammenhang. Die Märkte wurden erst einige Tage später eröffnet; auch der im Clip sichtbare beleuchtete Baum widerspricht dem offiziellen Ablauf. Bildvergleiche ordnen die Szenen den Neujahrsfeiern 2025 zu, bei denen eine Gruppe mit verschiedenen Landesfahnen gegen die Polizei protestierte.
Ein Video, das angeblich eine Störung der „Eröffnung der Weihnachtsmärkte“ zeigt, stammt weder vom Eröffnungstag noch aus diesem Zusammenhang. Die Märkte wurden erst einige Tage später eröffnet; auch der im Clip sichtbare beleuchtete Baum widerspricht dem offiziellen Ablauf. Bildvergleiche ordnen die Szenen den Neujahrsfeiern 2025 zu, bei denen eine Gruppe mit verschiedenen Landesfahnen gegen die Polizei protestierte.

Wien:

Ein weiteres Video wurde so kommentiert, als riefen Demonstrierende zu „islamischem Dschihad“ auf. Laut Angaben der Polizei gab es dafür keine Hinweise. Die gezeigten Szenen stammen von einem pro-palästinensischen Protestmarsch, der an Weihnachtsständen vorbeizog.
Ein weiteres Video wurde so kommentiert, als riefen Demonstrierende zu „islamischem Dschihad“ auf. Laut Angaben der Polizei gab es dafür keine Hinweise. Die gezeigten Szenen stammen von einem pro-palästinensischen Protestmarsch, der an Weihnachtsständen vorbeizog.

Hamburg (St. Georg):

Ein häufig geteiltes Video wurde fälschlich als „Massenprotest gegen Weihnachten“ bezeichnet. Recherchen und ein Reverse-Search ergaben: Die Aufnahme stammt aus dem Oktober 2024 und zeigt eine Demonstration von Muslim Interaktiv zur Lage der Uiguren. Das nächstgelegene Weihnachtsmarkt-Event startete erst Wochen später. https://www.mimikama.org/muslimischer-angriff-auf-einen-weihnachtsmarkt/
Ein häufig geteiltes Video wurde fälschlich als „Massenprotest gegen Weihnachten“ bezeichnet. Recherchen und ein Reverse-Search ergaben: Die Aufnahme stammt aus dem Oktober 2024 und zeigt eine Demonstration von Muslim Interaktiv zur Lage der Uiguren. Das nächstgelegene Weihnachtsmarkt-Event startete erst Wochen später.
(Wir haben HIER darüber berichtet.)

Essen:

Ein weiteres Video wurde als Angriff auf deutsche Weihnachtsmärkte ausgegeben. Tatsächlich feierten Syrer in Essen im Dezember 2024 den Sturz des syrischen Machthabers Bashar al-Assad.
Ein weiteres Video wurde als Angriff auf deutsche Weihnachtsmärkte ausgegeben. Tatsächlich feierten Syrer in Essen im Dezember 2024 den Sturz des syrischen Machthabers Bashar al-Assad.
(Wir haben HIER darüber berichtet.)

Absage von Weihnachtsmärkten:

Mehrere Posts behaupteten, Deutschland oder andere Länder würden Weihnachtsmärkte wegen „Migrantenprotesten“ abschaffen. Recherchen von DW und lokalen Medien zeigen: Die weit über 2.500 deutschen Weihnachtsmärkte öffneten regulär. Vereinzelte regionale Absagen, etwa in Hamburg-Rahlstedt, waren wirtschaftlich begründet.
Auch Behauptungen über abgesagte Märkte in Magdeburg erwiesen sich als falsch; die Veranstaltung fand nach finaler Genehmigung statt.
In Großbritannien wurde der Ausfall eines „Licht-Einschalt­events“ in Sheffield fälschlich als Abschaffung der Weihnachtsbeleuchtung dargestellt. Die Beleuchtung selbst blieb in Betrieb; bereits seit 2023 war das Event aus organisatorischen Gründen gestrichen.

Wirkung & Mechanismus

Die Narrative funktionieren, weil sie an vertraute Jahresrhythmen anknüpfen: Weihnachtszeit, öffentliche Räume, Sicherheitsdebatten. Bilder großer Menschenmengen oder Fahnen aus bestimmten Herkunftsländern lösen bei manchen Nutzern emotionale Schnellurteile aus.
Durch Wiederverwendung alter Aufnahmen entsteht der Eindruck einer „Welle“ von Vorfällen. Plattformalgorithmen verstärken diese Wahrnehmung, wenn emotional kommentierte Beiträge hohe Reichweite erzeugen. Die Kombination aus saisonaler Aufmerksamkeit, Misstrauen gegenüber Migrationsthemen und fehlendem Kontext begünstigt die Fehldeutung.

Fazit

Die geprüften Aufnahmen widersprechen der Behauptung, Weihnachtsmärkte würden wegen migrantischer Proteste bedroht oder abgesagt. Die Fälle beruhen auf Fehlzuordnungen und der Wiederverwendung älterer Demonstrationsvideos.

Faktenbarometer

🟥 Manipulativ
Die Inhalte stellen politische oder soziale Demonstrationen fälschlich als Angriffe auf Weihnachten dar und verzerren die tatsächliche Lage der Weihnachtsmärkte.

Quelle: Are Christmas Markets Being Cancelled Due to Immigrant Protests?

Auch dazu passend: Demos, KI-Fotos: Diese Fake News zu Weihnachtsmärkten gehen viral (ZDFheute)

MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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