Fehlende Stromgeneratoren in Deutschland wegen Ukraine-Hilfe?

Nach dem Stromausfall in Berlin wird behauptet, dass Notstromaggregate gefehlt hätten, da Geräte des Technischen Hilfswerks (THW) an die Ukraine abgegeben worden seien.

Die Behauptung

Nach dem großflächigen Stromausfall in Berlin hätten Notstromaggregate gefehlt, da das THW seine Geräte seit 2022 an die Ukraine liefert. Dadurch habe Deutschland nicht mehr ausreichend Vorsorge für den eigenen Bevölkerungsschutz getroffen.

Aufgestellt von: Soziale Medien

Faktencheck: Falsch

Die an die Ukraine gelieferten Stromgeneratoren stammen nicht aus den Beständen des THW, sondern wurden zusätzlich und eigens für die Auslandshilfe beschafft. Die Einsatzfähigkeit des THW in Deutschland, auch während des Stromausfalls in Berlin, war dadurch nicht eingeschränkt.

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"[...] leider befinden sich alle deutsche Stromgeneratoren vom THW in der Ukraine!" | Screenshot Facebook
„[…] leider befinden sich alle deutsche Stromgeneratoren vom THW in der Ukraine!“ | Screenshot Facebook (hier archiviert)

Analyse – Die Fakten dahinter

Die Behauptung bezieht sich auf reale Hilfslieferungen des THW – darunter auch Stromgeneratoren – an die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Dabei werden jedoch mehrere zentrale Punkte verzerrt oder ausgelassen:

Herkunft der gelieferten Stromgeneratoren bzw. Notstromaggregate

Laut Bundesinnenministerium (BMI), THW und Bundesregierung wurden keine Geräte aus dem regulären THW-Bestand abgegeben.
Sämtliche Stromgeneratoren für die Ukraine wurden mit Sondermitteln des Auswärtigen Amtes und des BMI neu beschafft.
Dies wurde von der Bundesregierung in einer Antwort auf eine AfD-Anfrage im April 2024 ausdrücklich bestätigt.

Umfang der Hilfe

Seit 2022 wurden rund 1.700 Stromerzeuger an die Ukraine geliefert.
Diese Zahl ist korrekt, wird jedoch häufig ohne den entscheidenden Zusatz verbreitet, dass es sich nicht um vorhandene Einsatzreserven handelte.

Notstromversorgung in Deutschland

Das THW hält bundesweit mehrere tausend Stromerzeuger unterschiedlicher Leistungsklassen sowie mehrere hundert leistungsstarke Netzersatzanlagen für den Inlandseinsatz vor.
Beim Stromausfall in Berlin standen laut THW, dem Netzbetreiber Stromnetz Berlin, dem BMI und der Bundeswehr ausreichend Notstromaggregate zur Verfügung, um Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und andere kritische Infrastruktur zu versorgen.
Es kam zu keinen materialbedingten Engpässen.

Zweck von Notstromaggregaten

Notstromaggregate sind nicht für die Versorgung privater Wohnungen vorgesehen, sondern dienen der Absicherung kritischer Infrastruktur.
Mehr Generatoren hätten die Reparatur der beschädigten Hochspannungsleitungen nicht beschleunigt, da der Schaden die Netzstruktur selbst betraf.

Wirkung & Mechanismus

Die Behauptung wirkt plausibel, weil sie reale Hilfsleistungen mit einer aktuellen Krisensituation verknüpft, Zahlen ohne Kontext nutzt („1.700 Generatoren”), ein verbreitetes Gefühl von Knappheit und Prioritätenkonflikten anspricht und durch zugespitzte Überschriften zusätzlich verstärkt wird.
Der entscheidende Unterschied zwischen zusätzlich beschafftem Auslandsmaterial und nationaler Einsatzreserve bleibt dabei meist unerwähnt.

Fazit

Die Ukraine-Hilfe des THW hat keine Notstromaggregate aus Berlin oder Deutschland abgezogen. Die Versorgung kritischer Infrastruktur während des Stromausfalls war gewährleistet und die Darstellung eines Mangels durch Auslandshilfe ist sachlich nicht haltbar.

Lesen Sie auch: In sozialen Netzwerken wird ein Video verbreitet, das dem US-Vizepräsidenten JD Vance eine sicherheitspolitische Stellungnahme zum Stromausfall in Berlin zuschreibt. Für diese Aussage gibt es keine belastbaren Belege. Zur vollständigen Einordnung


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