Die Behauptung
Russland verursacht GPS-Störungen, die auch NATO-Staaten im Ostseeraum und in Teilen Nord- und Osteuropas betreffen.
Aufgestellt von: Leseranfrage zur geteilten ItaMilRadar-Karte und der Verbindung zu russischen GPS-Störaktionen. Geprüft anhand der EU-Kommission zur ICAO-Feststellung, Traficom und bereitgestellter Screenshots. Originalbeitrag: https://x.com/ItaMilRadar/status/2117940220003758530
Wahr
Richtig. Die ICAO und die finnische Behörde Traficom haben russische Störaktivitäten auf Grundlage von Belegen und technischen Untersuchungen bestätigt. Die geteilte Karte zeigt betroffene Gebiete. Sie allein belegt jedoch nicht die russische Verantwortung für jede einzelne dargestellte Störung.
Eine Europakarte mit einem roten Band entlang der östlichen NATO-Grenze macht derzeit in sozialen Medien die Runde. Die gezeigten GPS-Störungen werden mit Russland in Verbindung gebracht. Dass Russland GPS-Störungen verursacht, die auch NATO-Staaten betreffen, ist belegt. Die UN-Luftfahrtorganisation ICAO und die finnische Behörde Traficom stützen diese Zuordnung auf Belege und technische Untersuchungen. Die Karte allein weist allerdings nicht für jedes einzelne Feld den Verursacher nach.
Eine Leseranfrage hat uns auf die Grafik aufmerksam gemacht. In den uns vorliegenden Kommentaren vermuten manche einen bevorstehenden Angriff auf die NATO. Andere halten die NATO selbst für den Verursacher der Störungen. Wir prüfen die Behauptung über russische GPS-Störaktionen und erklären, was sich aus der Karte ablesen lässt.
Was über russische Störaktionen bekannt ist
Die UN-Luftfahrtorganisation ICAO verurteilte Russland im Oktober 2025 wegen wiederholter Störungen der Satellitennavigation. Nach Angaben der EU-Kommission erkannte sie auf Grundlage von Belegen aus sechs europäischen Staaten an, dass die untersuchten Störungen in den baltischen sowie ost- und nordeuropäischen Regionen aus Russland stammen.
Auch die finnische Verkehrs- und Kommunikationsbehörde Traficom erklärte am 21. April 2026 ausdrücklich, dass die von ihr untersuchten Störungen aus russischem Gebiet kommen. Ihre Berichte beruhen auf technischen Messungen und Beobachtungen. Die Behörde bringt die Störungen mit russischen Maßnahmen zum Schutz wichtiger Einrichtungen in Verbindung. Bereits im Juli 2025 hatte der Rat der EU eine russische Einheit für elektronische Kriegsführung in Kaliningrad sanktioniert und dabei auf Störungen in mehreren europäischen Ländern verwiesen.
Was die geteilte Karte tatsächlich zeigt
ItaMilRadar veröffentlichte die Grafik am 4. November 2026 auf X und bezeichnete sie als Karte des Vortags, also des 3. November. Auf Nachfrage nannte der Account AirNav Radar als Datenquelle. Der ursprüngliche Beitrag beschreibt die Störungen, nennt selbst aber keinen Verursacher. Das zeigen der Screenshot und die zugängliche Kopie des Beitrags.
AirNav nutzt Meldungen von Flugzeugen über deren Position und die Genauigkeit ihrer Positionsbestimmung. Die direkte AirNav-Ansicht ist ebenfalls in den bereitgestellten Screenshots zu sehen. Diese neuere Übersicht betrifft den 5. November 2026, 08:00 bis 12:00 Uhr österreichischer Zeit. Sie zeigt einen ähnlichen auffälligen Bereich im östlichen Europa, bildet aber nicht die genauen Werte vom 3. November ab.
Laut der sichtbaren Legende zeigt jedes Sechseck dieser Ansicht die durchschnittlich gemeldete GPS-Genauigkeit auf einer Skala von 0 bis 11. Rot steht für niedrige Werte, Grün für gute. Flugzeuge, die GPS verloren haben, berücksichtigt AirNav mit dem Wert null. Ein rotes Gebiet bedeutet deshalb nicht, dass dort jedes Handy oder Autonavi ausgefallen ist.
Ein rotes Feld: drei von drei Flugzeugen betroffen
Im geöffneten Detailfeld zeigt AirNav den Genauigkeitswert 0 und führt drei von drei erfassten Flugzeugen als betroffen an. Der Anbieter stuft das Feld als „kritische GPS-Störung“ ein. Diese Angaben betreffen nur das ausgewählte Feld; sie beschreiben nicht sämtliche Flugzeuge im gesamten roten Band.
Die Meldung wird dem Ort des Flugzeugs zugeordnet. Ein Flugzeug über Ostpolen kann GPS-Probleme melden, während der mögliche Störsender weit entfernt steht. Die rote Fläche verrät weder dessen Richtung noch seinen Betreiber. Deshalb braucht die Zuordnung jeder einzelnen Störung zusätzliche Belege – auch wenn russische Störaktivitäten unabhängig davon dokumentiert sind.
Warum über der Ukraine Flächen leer bleiben
Für solche Karten braucht es passende Flugzeugdaten. Der ukrainische Luftraum ist laut europäischer Flugsicherheitsagentur EASA für zivile Flüge geschlossen. Das erklärt plausibel die großen leeren Flächen. Leer bedeutet nicht, dass GPS dort störungsfrei funktioniert.
Der andere Kartendienst GPSJAM erklärt außerdem, warum ein Handy am Boden funktionieren kann, während Flugzeuge darüber Probleme melden: In großer Höhe können Flugzeuge Störsignale empfangen, die am Boden nicht ankommen. Störungen können auch nur zeitweise auftreten.
Die EASA unterscheidet zwischen „Jamming“, das den Empfang von Satellitensignalen stört, und „Spoofing“, das etwa einen falschen Standort vortäuscht. Solche Eingriffe können Umleitungen von Flugzeugen erforderlich machen. Die Karte liefert jedoch keine Angaben über Angriffspläne oder bevorstehende Truppenbewegungen.
Quellen
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.

