Die Behauptung
In sozialen Netzwerken kursiert ein Bild, das angeblich den Moment zeigt, in dem der 37-jährige Krankenpfleger Alex Pretti bei einem Protest in Minneapolis eine Waffe auf ICE-Beamte richtet. Konservative Accounts behaupten, dies beweise, dass die tödliche Schussabgabe gerechtfertigt gewesen sei.
Aufgestellt von: Unbekannt
Faktencheck: Falsch
Das Bild ist KI-manipuliert. Verifizierte Videoaufnahmen zeigen keinen bewaffneten Angriff. Sie zeigen einen Mann mit Telefon, nicht mit Waffe. Die Behauptung dient der Rechtfertigung tödlicher Gewalt und ist gefährliche Desinformation.
Kurz erklärt
Nach der Erschießung von Alex Pretti wurde online ein Bild verbreitet, das ihm eine Pistole in die Hand legt. Dieses Bild ist künstlich verändert. Unabhängige Medien haben Videoaufnahmen ausgewertet, die zeigen: Pretti hielt vor den Schüssen ein Handy, keine Waffe. Das Bild stellt den Vorfall nicht korrekt dar.
Zum Hintergrund des Falls und den offenen Fragen rund um den tödlichen ICE-Schuss haben wir bereits einen ausführlichen Faktencheck veröffentlicht.
Original vs. manipuliertes Bild
Ziehe den Regler, um die Fälschung zu erkennen
⚠️ KI-Manipulation erkannt: Das linke Bild ist eine Fälschung. Im gefälschten Bild wurde Alex Pretti eine Waffe in die Hand montiert.
🔍 So erkennt man die Fälschung:
- Fehlender Kopf: Dem Beamten vorne rechts fehlt der Kopf – ein typischer KI-Fehler
- Unrealistische Schärfe: Das Fake ist gestochen scharf, das Original ein körniger Video-Screenshot
- Hinzugefügte Waffe: Pretti hält im Original ein Smartphone, im Fake plötzlich eine Pistole
- Zu perfekte Details: Ausrüstung und Texturen wirken wie aus einem Videospiel
Analyse – Die Fakten dahinter
Was wirklich geschah
Am 24. Januar wurde Alex Pretti in Minneapolis während eines federalen Einsatzes von ICE-Beamten tödlich erschossen. Das Department of Homeland Security erklärte auf X, Pretti habe sich mit einer Handfeuerwaffe genähert und sich gewaltsam widersetzt.
Was Videos belegen
Unabhängig verifizierte Bystander-Videos – geprüft von Reuters, The New York Times, NBC News und The Wall Street Journal – zeigen:
Pretti hält ein Telefon. Eine Waffe ist nicht sichtbar, bis er bereits am Boden liegt. Erst danach ist ein Handgun-Objekt zu sehen, das ein Beamter entfernt.
Das manipulierte Bild
Kurz nach dem Vorfall verbreiteten Accounts auf X ein Bild, das eine Pistole in Prettis rechter Hand zeigt. Die Darstellung weist klare KI-Artefakte auf:
- Ein kopflose, kniende Beamtefigur
- Verzerrte Gliedmaßen
- Unnatürliche Proportionen
Das sind typische Hinweise auf KI-Manipulation.
Technische Einordnung
Welche KI konkret genutzt wurde, ließ sich nicht sicher bestimmen. Google Gemini verneinte eine Urheberschaft über sein Wasserzeichen-System. Tests mit ChatGPT und Grok zeigten, wie leicht sich Bilder „verbessern“ oder inhaltlich verändern lassen – bis hin zum Entfernen oder Hinzufügen von Personen. Genau hier liegt der Trick: visuelle „Beweise“ ohne Beleg.
Warum diese Fälschung wirkt
Bilder wirken schneller als Texte. Sie erzeugen Gewissheit, wo Zweifel angebracht wären. In aufgeheizten Lagen nach tödlichen Einsätzen dienen KI-Fakes dazu, Schuld umzudeuten, Opfer zu entmenschlichen und staatliche Gewalt nachträglich zu legitimieren.
Muster der Desinformation
Der Fall steht nicht allein. Bereits zuvor kursierten KI-Hoaxes nach tödlichen Schusswaffenereignissen in Minneapolis – inklusive falscher Identifizierungen von Beamten und angeblichen „Enthüllungsbildern“. Das Muster ist klar: Schnelligkeit vor Wahrheit, Emotion vor Beleg.
Wirkung & Mechanismus
Ein einzelnes Bild wirkt überzeugend, weil es komplexe Abläufe scheinbar eindeutig erklärt. In der frühen Phase nach Gewaltereignissen werden solche Darstellungen oft ungeprüft geteilt, besonders wenn sie bestehende politische Überzeugungen bestätigen.
Fazit
Das kursierende Bild ist manipuliert und widerspricht den überprüften Videoaufnahmen mehrerer unabhängiger Medien.
Faktenbarometer
Falsch – Das Bild ist KI-manipuliert, und es gibt keine Belege dafür, dass Alex Pretti vor den Schüssen eine Waffe in der Hand hatte.
Quellen
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
