Am Abend erscheint eine Freundschaftsanfrage. Absender ist scheinbar eine bekannte Person aus dem eigenen Umfeld. Profilbild, Name, sogar gemeinsame Kontakte wirken vertraut. Kurz darauf folgt eine Nachricht: ein Gewinnspiel, eine Sicherheitswarnung oder der Hinweis auf ein „neues Konto“. Wer klickt und seine Zugangsdaten eingibt, verliert im schlimmsten Fall die Kontrolle über das eigene Profil.
Derzeit häufen sich Berichte über gestohlene Facebook-Konten, kopierte Profile und übernommene Seiten. Parallel dazu kursieren Beiträge mit der Behauptung, „fast alle Facebook-Konten“ würden aktuell gehackt. Diese Zuspitzung ist falsch. Die zugrunde liegenden Betrugsmaschen existieren jedoch seit Jahren – und werden aktuell offenbar wieder verstärkt eingesetzt.
Fast alle Facebook Konten wurden oder werden im Moment gehackt. Das Profilbild und euer Name wird dazu verwendet, um ein neues FB-Konto zu eröffnen. Dann versuchen sie eure Freunde zu überreden, euch als Freund erneut zu adden… Und voilà – sie versuchen euer Leben zu ruinieren! Eure Freunde werden denken, es ist euer Konto und akzeptieren die Freundschafts-anfrage. Von diesem Moment an können diese Piraten in eurem Namen schreiben, was immer sie wollen!!
Dieser Text kursiert derzeit erneut
Ich möchte Euch heute mitteilen, dass ich KEINE Pläne habe, ein neues Konto zu eröffnen!! Also akzeptiert bitte keine zweite Einladung von mir
Kopiert und postet diese Nachricht auf eure Startseite, damit eure Freunde gewarnt sind!!!
Nicht weiterleiten oder teilen.
Einfach den Finger länger auf den Text halten und auf Text kopieren, danach auf eurer Startseite – auch länger da drücken, wo ihr schreibt. Es erscheint „Text einfügen“ und fertig.
Keine Massenhacks, aber organisierte Maschen
Ein flächendeckender Hackerangriff auf „fast alle Konten“ findet nicht statt. Für eine solche Behauptung gibt es keine belastbaren Hinweise.
Was es hingegen gibt, sind organisierte Betrugsstrukturen. Täter nutzen öffentlich sichtbare Profildaten, kopieren Fotos und Namen und erstellen täuschend echte Zweitprofile. Mit diesen Kopien senden sie Freundschaftsanfragen an Kontakte des Originals. Viele akzeptieren die Anfrage, weil sie glauben, es handle sich um ein neues oder zusätzliches Konto einer bekannten Person.
Parallel dazu kursieren gefälschte Login-Seiten. Sie sehen der offiziellen Facebook-Anmeldung zum Verwechseln ähnlich. Wer dort E-Mail-Adresse und Passwort eingibt, übermittelt die Zugangsdaten direkt an die Betrüger. Von einem technischen „Hacken“ im engeren Sinn kann in vielen Fällen nicht gesprochen werden – häufig handelt es sich um sogenanntes Phishing.
Wie aus Profilen Werkzeuge werden
Sobald Täter Zugriff auf ein echtes Konto haben, beginnt die eigentliche Verwertung. Ein übernommenes Profil wirkt glaubwürdig. Nachrichten stammen scheinbar von einer realen Person mit gewachsenem Freundeskreis.
Über solche Konten werden neue Phishing-Links verschickt, Fake-Gewinnspiele verbreitet oder betrügerische Investmentangebote beworben. Besonders lukrativ ist die Übernahme von Konten mit Administrationsrechten. Wer Gruppen oder Seiten verwaltet, öffnet im Ernstfall den Zugang zu ganzen Communities. Mit wenigen Klicks lassen sich Inhalte austauschen, neue Administratoren einsetzen oder Seiten weiterverkaufen.
Hinzu kommt der Wert der Daten selbst. Fotos, Freundeslisten, Interessen oder frühere Beiträge ermöglichen gezielte Betrugsansprachen. In manchen Fällen werden Opfer unter ihrem echten Namen angeschrieben – mit Bitten um Geld oder dringenden Notlagen. Die Glaubwürdigkeit entsteht allein durch das vertraute Profil.
Warum sich die Masche schnell verbreitet
Der Effekt ähnelt einer Kettenreaktion. Jedes übernommene Konto dient als Ausgangspunkt für weitere Kontakte. Je größer das Netzwerk eines Profils, desto höher der mögliche Schaden.
Dabei ist nicht jede doppelte Freundschaftsanfrage automatisch ein Zeichen für einen Kontodiebstahl. Es kommt vor, dass Personen ihr Passwort vergessen und ein neues Profil anlegen. Entscheidend ist der Kontext: Werden unmittelbar nach Annahme der Anfrage Links verschickt oder SMS-Codes abgefragt, ist Vorsicht geboten.
Ein häufiger Trick besteht darin, nach einer Mobilfunknummer zu fragen und um Weitergabe eines per SMS erhaltenen Codes zu bitten. Diese Codes können für kostenpflichtige Dienste missbraucht werden. Die alleinige Weitergabe einer Telefonnummer führt in der Regel nicht zu einer direkten Abbuchung – die Kombination mit Bestätigungscodes jedoch kann finanzielle Folgen haben.
Konkrete Schutzmaßnahmen
Der wirksamste Schutz beginnt bei einfachen Grundregeln. Zugangsdaten sollten ausschließlich direkt über die offizielle Adresse facebook.com eingegeben werden – nicht über Links aus Nachrichten, Kommentaren oder angeblichen Gewinnspielen.
Freundschaftsanfragen von „Redaktionen“, „Support-Teams“ oder Seiten sind grundsätzlich kritisch zu prüfen. Seiten versenden üblicherweise keine privaten Freundschaftsanfragen. Auch doppelte Anfragen bekannter Personen sollten hinterfragt und im Zweifel telefonisch verifiziert werden.
Sinnvoll ist zudem ein Blick in die Privatsphäre-Einstellungen. Wer seine Freundesliste auf „Nur ich“ oder „Freunde“ beschränkt, erschwert das systematische Kopieren von Kontakten. Beiträge müssen nicht dauerhaft öffentlich sichtbar sein. Je weniger Informationen frei zugänglich sind, desto geringer ist die Angriffsfläche.
Wird ein kopiertes Profil entdeckt, sollte es unmittelbar über die Plattform gemeldet werden. Bei finanziellen Schäden oder Identitätsmissbrauch empfiehlt sich zusätzlich eine Anzeige bei der zuständigen Polizeidienststelle. Spezialisierte Cybercrime-Einheiten sind mit diesen Fällen vertraut, sind jedoch auf Hinweise Betroffener angewiesen.
Ein Geschäftsmodell, kein Einzelfall
Die aktuellen Fälle sind kein isoliertes Phänomen und kein harmloser Spam. Hinter vielen Angriffen stehen arbeitsteilige Strukturen. Konten, Gruppen und Seiten besitzen einen Marktwert. Je älter und aktiver ein Profil, desto attraktiver ist es für Weiterverkauf oder Missbrauch.
Entscheidend ist daher die Einordnung: Es gibt keine Belege für eine flächendeckende Kompromittierung „fast aller“ Facebook-Konten. Gleichzeitig sind Profilkopien, Phishing-Seiten und Kontoübernahmen reale Risiken, die regelmäßig auftreten.
Wer Anfragen prüft, Login-Links meidet und SMS-Codes nicht weitergibt, reduziert das Risiko erheblich. Aufmerksamkeit ersetzt dabei keine Technik – sie bleibt jedoch der wirksamste Schutz im Alltag.
Das Wichtigste in Kürze:
- Sobald ein Konto die Freundesliste auf “Nur ich” gestellt hat, ist es für die Internetbetrüger bereits uninteressant.
- Poste, wenn möglich, nie „öffentlich“
- Bitte HIER Einstellungen prüfen
Quellen
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