Die Behauptung
Eine Sonntagsfrage des Instituts „OSTA“ im Auftrag von „Bild“ vom 13. September 2026 sieht die AfD bundesweit bei 33 Prozent und die Union bei 19,5 Prozent.
Aufgestellt von: X
Faktencheck: Falsch
Die Umfrage ist nicht echt. Ein Institut namens OSTA ist nicht auffindbar, die Werte für AfD und Union liegen deutlich außerhalb der veröffentlichten Sonntagsfragen, und die Grafik ist in einem früheren X-Beitrag als „Erstellt mit Grok Imagine“ ausgewiesen. Beim Weiterteilen ging dieser Hinweis verloren.
Auf X kursiert eine Grafik zur Sonntagsfrage. So heißen Umfragen, die zeigen, wie Deutschland wählen würde, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Laut dieser Grafik kommt die AfD auf 33 Prozent, die Union nur auf 19,5 Prozent. Als Quelle steht dort „OSTA für BILD“. Am 13. September teilte jemand das Bild mit dem Satz „Endlich! 33%“, auf unserem Screenshot wurde der Beitrag mehr als 56.000 Mal angezeigt.
Die Umfrage ist nicht echt. Die Grafik wurde mit Grok erstellt, dem KI-Programm der Plattform X. Drei Dinge zeigen das: Das Institut gibt es nicht, die Zahlen passen nicht, und unter einem älteren Beitrag steht ein klarer Hinweis auf die KI.
Wer ist OSTA?
Umfragen zur Bundestagswahl machen bekannte Firmen, etwa Forsa, INSA, YouGov oder Infratest dimap. Die Webseite wahlrecht.de sammelt ihre Ergebnisse. Eine Firma namens OSTA steht dort nicht. Auch im Internet fanden weder die Deutsche Presse-Agentur dpa noch wir ein solches Institut. Dazu kommt: Die Umfragen für „Bild“ macht normalerweise INSA.
Die Zahlen passen nicht
Echte Umfragen aus den Wochen davor sehen anders aus. Zwischen 18. August und 12. September 2026 lag die AfD dort bei 27 bis 29 Prozent, die Union bei 20 bis 22,5 Prozent. In der Grafik ist die AfD also deutlich stärker und die Union schwächer als in allen echten Umfragen.
Die KI-Grafik und die echten Umfragen
Echte Werte: Umfragen bekannter Institute, veröffentlicht zwischen 18.08. und 12.09.2026 (laut wahlrecht.de, Stand 14.09.2026).
| Partei | KI-Grafik | Echte Umfragen |
|---|---|---|
| AfD | 33 % | 27 bis 29 % |
| CDU/CSU | 19,5 % | 20 bis 22,5 % |
| SPD | 12,5 % | passt ungefähr |
| Grüne | 13,5 % | passt ungefähr |
| BSW | 5 % | [SPANNE ERGÄNZEN] |
| FDP | 3,5 % | [SPANNE ERGÄNZEN] |
Umfragen schwanken immer ein wenig. Eine abweichende Zahl allein beweist keine Fälschung. Hier gibt es aber nicht einmal das Institut.
Einige Werte wirken dagegen ganz normal, etwa bei SPD und Grünen. Genau das macht die Grafik glaubwürdig. Wäre jede Zahl völlig daneben, würde sie kaum jemand teilen.
Der Hinweis unter dem Bild
Die dpa hat nach dem Bild gesucht und einen älteren Beitrag auf X gefunden. Er zeigt genau dieselbe Grafik. Darunter steht klein: „Erstellt mit Grok Imagine“. Der Text dazu klingt spöttisch, dort heißt es etwa, eine Grenze bei 29 Prozent sei „aufgehoben“ worden.
So verschwand der KI-Hinweis
13. September, ca. 08:58 Uhr
Die Grafik erscheint auf X. Darunter steht: „Erstellt mit Grok Imagine“.
13. September, 11:16 Uhr
Ein anderes Konto teilt dieselbe Grafik mit „Endlich! 33%“. Der KI-Hinweis fehlt.
14. September
Die dpa prüft die Grafik: Die Umfrage ist nicht echt.
Die Uhrzeiten haben wir aus den Daten der X-Beiträge ausgelesen. Sie zeigen, welcher Beitrag früher kam – nicht, ob die Grafik davor schon woanders auftauchte.
Warum der Hinweis fehlt, ist schnell erklärt. Er steht nicht in der Grafik selbst, sondern nur unter dem Beitrag. Wer das Bild speichert und neu hochlädt, nimmt ihn nicht mit.
Scherz oder ernst gemeint?
Ob die Grafik als Scherz gedacht war, wissen wir nicht. Ob die Person, die sie später teilte, die Zahlen geglaubt hat, wissen wir auch nicht. Wir unterstellen deshalb niemandem etwas. Klar ist nur: Ohne den Hinweis sieht die Grafik aus wie eine echte Umfrage – und so kann sie auch weitergeteilt werden.
Zum Mitnehmen
Drei Fragen bei jeder Umfragegrafik
- Gibt es das Institut?Echte Umfragen findet man zum Beispiel auf wahlrecht.de.
- Wie viele Menschen wurden befragt?Echte Umfragen sagen das. Diese Grafik nennt nur ein Datum.
- Passt die Zahl zu anderen Umfragen?Weicht eine Umfrage weit von allen anderen ab, lieber skeptisch sein.
Eine Frage allein beweist noch nichts. Alle drei zusammen dauern aber keine Minute.
Quellen
- dpa-Faktencheck: Angebliche Wahlumfrage-Ergebnisse mit KI erstellt, 14. September 2026
- wahlrecht.de: Sonntagsfrage Bundestagswahl · Archivversion vom 14.09.2026
- Geteilter X-Beitrag mit der Grafik: Archivversion
- Älterer X-Beitrag mit Grok-Hinweis:
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