Irgendwann erfährt es jemand. Vielleicht erzählt die Mutter am Telefon von einer seltsamen Überweisung. Vielleicht fällt dem Sohn eine Abbuchung auf. Oder man muss selbst den Mut finden, es dem Partner zu sagen.
Im letzten Teil der Serie geht es um dieses Gespräch. In diesem Moment kann ein einziger Satz darüber entscheiden, ob jemand weiter erzählt oder sich zurückzieht. Der erste Satz sollte deshalb nicht „Wie konntest du nur?“ lauten.
Warum reagieren Angehörige oft falsch?
Aus Schreck, aus Sorge, manchmal aus Wut über das verlorene Geld. Das ist menschlich. Für Betroffene fühlt es sich aber an wie eine Bestätigung ihrer Scham, über die es in Teil 1 ging.
Die Kriminologin Cassandra Cross beschreibt, dass Familie, Freunde und auch Behörden die Schuldgefühle von Betrugsopfern häufig noch verstärken. Ältere Betroffene berichteten ihr sogar, dass Angehörige sich von ihnen abgewandt oder ihnen nicht mehr zugetraut hätten, ihr Leben selbst zu regeln. Wer aus Angst vor so einer Reaktion schweigt, bleibt mit dem Problem allein.
Was können Angehörige konkret tun?
Zuerst zuhören, dann handeln. Nach einem Betrug sind viele so aufgewühlt, dass sie Sperrnummern nicht finden oder Formulare nicht verstehen. Dann hilft es, die Schritte aus Teil 2 gemeinsam durchzugehen: die Bank anrufen, Zugänge sichern, Unterlagen sammeln.
Auch zur Anzeige kann man mitgehen. Das Informationsportal des deutschen Justizministeriums rät ausdrücklich, dass aufgewühlte Betroffene eine nahestehende Person um Unterstützung bitten können. Angehörige können sich auch selbst beraten lassen: Das Opfer-Telefon des Weissen Rings in Deutschland ist ausdrücklich auch für Menschen da, die für jemand anderen anrufen.
Wie schützt man vor dem nächsten Mal, ohne zu bevormunden?
Nach einem Betrug ist die Gefahr nicht vorbei. Teil 4 hat gezeigt, dass Kriminelle frühere Opfer gezielt wieder ansprechen. Eine einfache Absprache kann hier viel bringen: Bei jedem Angebot, verlorenes Geld zurückzuholen, wird zuerst gemeinsam darüber gesprochen.
Die Versuchung ist groß, jemandem nach einem Betrug alles abzunehmen: Konto, Handy, Online-Banking. Das kann gut gemeint sein und trotzdem verletzen. Besser ist es, gemeinsam zu vereinbaren, was sich ändert – etwa niedrigere Limits, die man mit der Bank abspricht, oder eine kurze Rücksprache vor größeren Zahlungen. Gemeinsame Regeln schützen besser als Kontrolle, die sich wie eine Strafe anfühlt.
Und wenn man es selbst erzählen muss?
Einen perfekten Moment gibt es nicht. Es kann helfen, gleich zu sagen, was man braucht: „Ich brauche jetzt keine Vorwürfe, sondern Hilfe bei der Bank.“ Das gibt dem Gegenüber eine Aufgabe statt Raum für Vorwürfe. Wer das nicht in der Familie besprechen möchte, kann auch bei einer Beratungsstelle anfangen – die Nummern stehen in Teil 1.
Quellen
- Cassandra Cross: Stellungnahme an den NSW Sentencing Council zu Betrug.
- hilfe-info.de (Bundesministerium der Justiz): Internetwachen.
- Weisser Ring: Opfer-Telefon 116 006.
- Opfer-Notruf 0800 112 112 (Österreich).
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)
