Die Behauptung
Die Auseinandersetzung im Cockpit von Flydubai-Flug FZ1073 am 30. September 2026 sei zwischen einem russischen Piloten und seinem ukrainischen Co-Piloten ausgebrochen.
Aufgestellt von: X-Beitrag von @WWIIIAR, 30. September 2026: https://x.com/WWIIIAR/status/2105197291090940371
Faktencheck: Falsch
Falsch. Der angegriffene Kapitän ist Inder, das hat die indische Botschaft bestätigt. Ein Russe und ein Ukrainer sollen laut Medienberichten zwar an Bord gewesen sein – aber als Passagiere, nicht im Cockpit.
Für diese Behauptung braucht es nur eine einzige gesicherte Tatsache, um sie zu widerlegen. Im Cockpit saßen zwei Piloten. Ist auch nur einer der beiden weder Russe noch Ukrainer, kann das Paar „Russe gegen Ukrainer“ nicht stimmen – ganz gleich, woher der zweite stammt. Genau diese Tatsache gibt es inzwischen.
Die Angabe über Russen und Ukrainer stammt aus den ersten Stunden nach dem Vorfall. Damals kursierten mehrere Versionen gleichzeitig, und keine davon war offiziell bestätigt. Möglicherweise wurden dabei zwei verschiedene Gruppen von Piloten durcheinandergebracht, die an Bord waren.
Was offiziell feststeht
Flug FZ1073 der Fluglinie Flydubai war am 30. September 2026 von Dubai nach Tel Aviv unterwegs. Flydubai bestätigte eine „Auseinandersetzung“ im Cockpit. Laut der Airline haben eigene Crew-Mitglieder, die auf dem Flug mitreisten, das Flugzeug gesichert und nach Tabuk in Saudi-Arabien umgeleitet. Gründe und Motive seien noch unbekannt.
Der saudische Flughafenverbund Cluster2, zu dem der Flughafen Tabuk gehört, meldete: Um 8:44 Uhr Ortszeit ging ein Notruf des Flugs ein, um 9:45 Uhr landete das Flugzeug sicher. Kapitän und Erster Offizier – so heißt der Co-Pilot in der Fachsprache – waren verletzt und kamen ins Spital.
Wer der Kapitän ist, hat die indische Botschaft in Saudi-Arabien bekanntgegeben: Es ist der indische Pilot Smit Machchhar. Er sei in Tabuk im Spital und in stabilem Zustand. Das indische Außenministerium bestätigte später, dass er zur weiteren Behandlung nach Abu Dhabi gebracht wurde. Indiens Premierminister Narendra Modi bezeichnete ihn öffentlich als Helden.
Am 1. Oktober äußerte sich erstmals die saudische Regierung. Nach einer ersten Untersuchung des Innenministeriums wurde der Kapitän von seinem Co-Piloten angegriffen, beide wurden dabei verletzt. An Bord waren laut Ministerium 174 Passagiere und acht Crew-Mitglieder. Die beiden Piloten wurden inzwischen in Begleitung eines Sicherheitsteams aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Abu Dhabi gebracht.
Wie das Durcheinander entstand
Dass ausgerechnet Russland und die Ukraine ins Spiel kamen, hat eine nachvollziehbare Vorgeschichte. Innerhalb weniger Stunden lagen gleich mehrere Versionen darüber vor, wer im Cockpit saß – aus sehr unterschiedlich verlässlichen Quellen.
Die dritte Version ist dabei die interessanteste. Laut Israel Hayom, wie die ukrainische Nachrichtenagentur UNN berichtet, reisten zwei weitere Flydubai-Piloten mit – ein Russe und ein Ukrainer –, allerdings nicht im Dienst, sondern als Passagiere. Sie sollen das Flugzeug nach dem Angriff übernommen und sicher gelandet haben. Ob die frühe Meldung genau diese beiden Männer mit den Piloten im Cockpit verwechselt hat, lässt sich nicht beweisen. Es würde aber erklären, woher die Nationalitäten kommen. Auch die Angabe zu den beiden Passagier-Piloten hat bisher keine Behörde und nicht Flydubai bestätigt.
Auch der Rest des Beitrags stimmt so nicht
Der arabischsprachige Beitrag auf X, der bis zum Zeitpunkt unseres Screenshots rund 1,7 Millionen Mal angezeigt wurde, spricht von einem „Emirates-Flugzeug“. Emirates und Flydubai sind zwei verschiedene Fluglinien. Die Karte im Beitrag selbst zeigt den Flug mit der Kennung FZ1073 und dem Flydubai-Logo.
Außerdem beschreibt der Beitrag eine „Prügelei“ zwischen dem Piloten und seinem Stellvertreter. Das klingt nach einem Streit, an dem beide gleich beteiligt waren. Nach dem vorläufigen Ergebnis der saudischen Behörden war es ein Angriff des Co-Piloten auf den Kapitän. Fluggäste und Crew-Mitglieder überwältigten den Angreifer laut übereinstimmenden Berichten im Cockpit.
Was noch offen ist
Woher der Co-Pilot stammt, ist bisher nicht offiziell geklärt. Die Angabe, er sei Omaner, stammt von israelischen Beamten. Weder Flydubai noch die saudischen Behörden haben seine Staatsangehörigkeit bisher genannt. Ebenfalls offen ist das Motiv. Die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate untersucht unter anderem, ob ein terroristischer Hintergrund oder eine Planung durch Dritte dahintersteckt. Auch die saudische Unfalluntersuchungsstelle hat Ermittlungen aufgenommen.
- Wer sagt das – mit Namen?Steht eine Behörde, Airline oder Botschaft dahinter? Oder nur „Medienberichte“ und „Beamte“, die nicht genannt werden wollen?
- Passen die Details im Beitrag zusammen?Hier nennt der Text Emirates, die Karte darunter zeigt einen Flydubai-Flug.
- Widerspricht eine bestätigte Tatsache?Eine einzige offizielle Angabe kann eine ganze Behauptung kippen – hier die Nationalität des Kapitäns.
Quellen
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