Klimagelder: Wer zahlt und wer profitiert?

Kreditgeber bekommen Geld zurück, und Unternehmen aus reichen Ländern erhalten Aufträge. Gleichzeitig sind Leistungen für Menschen in ärmeren Ländern dokumentiert. Was sich über Klimagelder belegen lässt.

Die Behauptung

Das Geld für Klimamaßnahmen komme ärmeren Ländern nicht zugute. Es fließe von Steuerzahlern vor allem in die Taschen der Reichen und Mächtigen.

Aufgestellt von: Über Facebook verbreitete Behauptung über die Verwendung internationaler Klimagelder; dokumentiert durch die eingereichte Nutzeranfrage und den Screenshot.

Irreführend

Irreführend. Kreditgeber erhalten Rückzahlungen und Zinsen. Aufträge an Unternehmen aus Geberländern sind ebenfalls belegt. Gleichzeitig sind Leistungen für Menschen in ärmeren Ländern dokumentiert. Klimafinanzierung umfasst auch private Mittel. Eine vollständige Bilanz, welcher Anteil als Gewinn bei Vermögenden landet, liefern die geprüften Quellen nicht. Die pauschale Bereicherungsbehauptung geht deshalb über die Belege hinaus.

📖Welche Falschinformationen gibt es zum Klimawandel? Antworten finden Sie im Leitfaden Klima-Desinformation.

Bei einem Klimaprojekt können gleichzeitig Unternehmen Geld verdienen und Menschen im Empfängerland Hilfe erhalten. Wird etwa eine Solaranlage bezahlt, bekommt die Firma einen Auftrag. Die Menschen vor Ort können dafür Strom nutzen. Aus einem Auftrag an ein ausländisches Unternehmen lässt sich deshalb noch nicht ablesen, ob das Geld sinnvoll verwendet wurde oder jemand unangemessen daran verdient.

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Zur internationalen Klimafinanzierung gehören öffentliche Gelder und private Investitionen. Ein Teil stammt somit aus Steuergeld. Staaten unterstützen Projekte direkt oder über Entwicklungsbanken und Fonds. Dabei gibt es Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen, und Kredite.

Kreditgeber bekommen Geld zurück

Laut OECD bestanden 2024 rund 67 Prozent der erfassten öffentlichen Klimafinanzierung aus Krediten und 29 Prozent aus Zuschüssen. Kredite müssen zurückgezahlt werden. Dazu können Zinsen und Gebühren kommen. Die Kritik, dass Klimahilfen neue Schulden schaffen können, hat also eine sachliche Grundlage.

Oxfam und CARE haben die spätere Belastung durch gemeldete Klimakredite aus dem Jahr 2022 geschätzt. Bei rund 62 Milliarden Dollar an Krediten kommen sie auf insgesamt etwa 80 bis 88 Milliarden Dollar an Rückzahlungen samt Zinsen und Gebühren. Das sind geschätzte Zahlungen über die gesamte Laufzeit. Es handelt sich weder um bereits vollständig zurückgezahltes Geld noch um reinen Gewinn: Auch der ursprünglich geliehene Betrag steckt darin.

Auch reiche Länder profitieren von Aufträgen

Eine Recherche von Reuters und Big Local News aus dem Jahr 2024 untersuchte Daten zu den Jahren 2015 bis 2020. Sie fand unter anderem mindestens elf Milliarden Dollar an klimabezogenen Krediten, bei denen Aufträge oder Materialkäufe an Unternehmen aus den Geberländern gebunden waren. Solche Vorgaben verschaffen diesen Unternehmen Vorteile und schränken die Auswahl der Empfänger ein.

Wirtschaftliche Vorteile für Geberländer sind damit für konkrete Finanzierungen dokumentiert. Das ist jedoch keine Rechnung darüber, welcher Anteil aller Klimagelder als Gewinn bei reichen Menschen landet. Ein Auftragswert umfasst etwa auch Materialkosten und Löhne.

Was bei Menschen vor Ort ankommt

Ein Beispiel ist das Stromprogramm Beyond the Grid Fund for Africa, das unter anderem Deutschland und Schweden finanzieren. Es unterstützt Unternehmen dabei, Menschen ohne verlässlichen Stromanschluss zu versorgen. Die Betreiber meldeten für das Gesamtprogramm bis Ende 2025 rund 26 Millionen Euro an ausgezahlten Fördermitteln. Über die unterstützten Unternehmen hätten mehr als 4,3 Millionen Menschen Zugang zu Strom erhalten. Diese Angaben stammen vom Programm selbst; sie sind keine unabhängige Prüfung durch Mimikama.

Die geprüften Quellen zeigen somit konkrete Geldflüsse und dokumentierte Leistungen vor Ort. Eine vollständige Bilanz aller Gewinne liefern sie nicht. Die pauschale Behauptung, Klimagelder kämen ärmeren Ländern nicht zugute und dienten vor allem der Bereicherung der Reichen, lässt sich damit nicht belegen. Für die Bewertung einzelner Projekte braucht es genaue Abrechnungen und belegte Ergebnisse.

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