Die Behauptung
Schwedens König Carl XVI. Gustaf habe Selenskyj den Handschlag verweigert; daraufhin habe Selenskyj in seine Richtung gespuckt.
Aufgestellt von: Nutzeranfrage mit Screenshot eines Facebook-Beitrags; kein vollständiger Beitragslink und keine Videodatei übermittelt.
Falsch
Falsch. Der behauptete verweigerte Handschlag ist durch dokumentierte Handschläge widerlegt. Das zusätzlich behauptete Spucken ist anhand der verfügbaren Belege nicht bestätigt; die konkret geteilte Videofassung liegt uns nicht vor.
Der schwedische Sender SVT war bei dem Besuch in der Ukraine vor Ort: Seine Aufnahmen dokumentieren mehrere Handschläge zwischen König Carl XVI. Gustaf und Wolodymyr Selenskyj. Das Treffen fand am 17. April 2026 in Lwiw statt, also mehr als ein halbes Jahr vor der jetzt vorgelegten Facebook-Meldung. Für die zusätzliche Behauptung, Selenskyj habe in Richtung des Königs gespuckt, enthält der eingereichte Screenshot keinen überprüfbaren Beleg.
Am 22. Oktober wurde Mimikama ein Facebook-Beitrag mit folgendem Vorwurf vorgelegt: „Der schwedische König Carl XVI. Gustaf verweigert Selenskyj den Handschlag, daraufhin spuckt Selenskyj in seine Richtung.“ Zu sehen ist ein Standbild einer Begegnung vor einem Gebäude mit rotem Teppich. Der Begleittext verbindet die Szene mit abwertenden Aussagen über Selenskyj. Die konkrete Facebook-Videofassung wurde uns nicht mitgeschickt; die Prüfung des Ablaufs stützt sich deshalb auf die öffentlich dokumentierte Begegnung.
Der Handschlag ist dokumentiert
Bereits am 18. April berichtete SVT über die falsche Darstellung dieser Begrüßung. Der Sender hielt fest, dass der russische Staatssender RT einen Ausschnitt auf X als verweigerten Handschlag verbreitet hatte. SVT hatte selbst vor Ort gefilmt und dokumentierte, dass sich die beiden Männer während des Besuchs wiederholt die Hand gaben.
Auch die Informationschefin des schwedischen Hofes, Margareta Thorgren, widersprach gegenüber SVT. Ihr zufolge schüttelten Selenskyj und der König im zeitlichen Umfeld der verbreiteten Sequenz mehrfach die Hände. Damit trägt der herausgegriffene Moment die Erzählung von einer verweigerten Begrüßung nicht. Warum jemand in einer einzelnen Sekunde seine Hand noch nicht hebt oder sich zunächst anders hinstellt, lässt sich daraus ebenfalls nicht zuverlässig ableiten.
Was ist mit dem behaupteten Spucken?
Hier endet die Aussagekraft des vorgelegten Materials. Ein Screenshot zeigt keine Bewegungsfolge und kann daher nicht belegen, dass jemand spuckt. Uns liegt die konkret geteilte Videofassung nicht vor, um eine darin möglicherweise gemeinte Bewegung zu untersuchen. Auch der herangezogene SVT-Bericht liefert keinen Nachweis für diesen zusätzlichen Vorwurf.
Das angebliche Spucken ist damit anhand der verfügbaren Belege nicht bestätigt. Wir ersetzen die Behauptung auch nicht durch eine Vermutung darüber, ob Selenskyj gesprochen, ausgeatmet oder eine andere Bewegung gemacht habe. Für eine solche Erklärung müsste die betreffende Sequenz tatsächlich überprüfbar sein. Fest steht dagegen: Die als Auslöser behauptete Verweigerung des Handschlags wird durch die dokumentierten Handschläge widerlegt.
Der Besuch sollte Unterstützung ausdrücken
Das schwedische Königshaus erklärte am 17. April, dass Carl XVI. Gustaf gemeinsam mit Außenministerin Maria Malmer Stenergard nach Lwiw reiste, um Schwedens starke Unterstützung für die Ukraine zu zeigen. Selenskyj war Gastgeber des Besuchs. Diese ausdrücklich genannte Absicht liefert den politischen Kontext, den die Facebook-Darstellung ausblendet.
Am 21. April veröffentlichte der Hof außerdem ein Danktelegramm des Königs an Selenskyj. Darin bedankte sich Carl Gustaf für den Empfang in Lwiw und äußerte seine anhaltende Bewunderung für die Stärke der ukrainischen Bevölkerung angesichts des russischen Angriffskriegs. Das Telegramm beweist keine einzelne Geste, widerspricht aber der Deutung, die Begegnung zeige eine demonstrative Abkehr von der Ukraine.
Quellen
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
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