Schockanrufe auf Russisch: So machen Betrüger Druck

In Münster brachten falsche Polizisten eine Seniorin zur Geldübergabe. Der Fall zeigt, wie Betrüger eine vertraute Sprache und die Angst um Angehörige ausnutzen.

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Das Wichtigste in Kürze

Worum geht es?
Die Polizei Münster warnt nach mehreren Meldungen vor Schockanrufen, die vornehmlich auf Russisch geführt werden. Eine Seniorin aus Gievenbeck übergab am 29. Oktober 2026 zweimal Bargeld.

Was haben wir herausgefunden?
Die Anrufenden täuschten laut Polizei einen Unfall der Tochter vor und gaben sich als Polizisten aus. Schockanrufe auf Russisch sind bereits seit Jahren dokumentiert.

Wo liegt die Gefahr?
Vertraute Sprache kann die Täuschung erleichtern. Wer aus Angst um Angehörige Geld übergibt, bezahlt für eine erfundene Notlage. Bei solchen Forderungen gilt: auflegen und Angehörige selbst kontaktieren.

Die Tochter habe einen Verkehrsunfall verursacht, jetzt drohe ihr eine Verhaftung: Mit dieser erfundenen Geschichte brachten Betrüger eine Seniorin in Münster-Gievenbeck dazu, ihnen Geld auszuhändigen. Die angeblichen Polizisten kündigten einen Abholer an. Er kam am 29. Oktober 2026 zweimal zur Adresse der Frau, gegen 18 Uhr und rund 20 Minuten später. Beide Male bekam er Bargeld. Wie viel die Seniorin insgesamt verlor, nennt die Polizei Münster in ihrer Mitteilung vom 2. November nicht.

Demnach hatten sich ein unbekannter Mann und eine unbekannte Frau zwischen 16.32 und 19.19 Uhr wiederholt bei ihr gemeldet, abwechselnd am Festnetztelefon und am Handy. Auch der Abholer sprach laut der Geschädigten Russisch. Der Fall zeigt, wie aus einer angeblichen Nachricht über Angehörige eine konkrete Geldforderung wird: Die Anrufenden behaupten, nur eine Zahlung könne die angedrohten Folgen verhindern.

Schockanrufe auf Russisch sind seit Jahren bekannt

Die Polizei Münster berichtet, dass ihr in den vorangegangenen zwei Wochen vermehrt solche Anrufe gemeldet worden seien. Die Täter schienen die Menschen gezielt in deren eigener Sprache anzusprechen, vornehmlich auf Russisch. Eine genaue Fallzahl nennt die Behörde nicht. Ihre Beobachtung bezieht sich auf die bei ihr eingegangenen Meldungen; eine bundesweite Zunahme lässt sich daraus nicht ableiten.

Die Formulierung „neue Variante“ in der Überschrift der Polizeimeldung bedeutet deshalb auch nicht, dass diese Vorgehensweise gerade erst entstanden ist. Bereits am 30. August 2016 berichtete die Polizeidirektion Landau über russischsprachige Schockanrufe in Germersheim. Damals wurde ebenfalls eine Notlage innerhalb der Familie vorgetäuscht. Im Mai 2026 warnte auch das Polizeipräsidium Niederbayern vor gezielten Anrufen auf Russisch.

Vertraute Sprache kann Nähe vortäuschen

Das Polizeipräsidium Niederbayern beschreibt, wie die Täter dabei vorgehen: Mit der Muttersprache versuchen sie, persönliche Nähe herzustellen und schneller Vertrauen zu gewinnen. Gleichzeitig sollen dramatische Schilderungen und Zeitdruck die Angerufenen zur Geldübergabe bewegen. Wer jemanden gut versteht, hat dessen Identität damit allerdings noch nicht überprüft. Auch eine Person, die vertraut klingt und sich als Polizist vorstellt, kann eine erfundene Rolle spielen.

Zum Druck gehört bei solchen Taten häufig auch, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes erklärt, dass Betroffene mitunter bis zur Übergabe am Handy in der Leitung gehalten werden. Dadurch sollen sie keine Gelegenheit bekommen, mit anderen Menschen zu sprechen und die Geschichte zu überprüfen. Im Münsteraner Fall sind wiederholte Anrufe auf beiden Telefonen dokumentiert.

Die Sprache der Gespräche erlaubt übrigens keinen verlässlichen Schluss auf die Staatsangehörigkeit der Beteiligten. Woher die Täter die Kontaktdaten der Seniorin hatten und wie sie ihre Opfer auswählten, geht aus der Münsteraner Mitteilung nicht hervor.

Auflegen und Angehörige selbst anrufen

Die Forderung, Bargeld an einen Abholer zu übergeben, damit ein Angehöriger nach einem Unfall nicht verhaftet werde, ist ein eindeutiges Warnsignal. Echte Polizeibedienstete verlangen keine solche Geldübergabe. Wer mit dieser Geschichte angerufen wird, sollte das Gespräch beenden und die betroffene Person über eine bereits gespeicherte oder anderweitig bekannte Nummer selbst anrufen. Eine vom Anrufer genannte Rückrufnummer eignet sich dafür nicht.

Ist die Tochter oder der Sohn gerade nicht erreichbar, bestätigt das die Unfallgeschichte nicht. Dann kann eine andere Vertrauensperson helfen, die Situation zu klären. Bis dahin weder Geld übergeben noch Auskunft über Ersparnisse geben. Bei einem laufenden Betrugsversuch ist in Deutschland die Polizei unter 110 erreichbar; in Österreich gilt der Polizeinotruf 133. Auch nach einer Geldübergabe sollte der Vorfall bei der Polizei angezeigt werden.

Angehörige können solche Warnungen gemeinsam besprechen und ein Kennwort für Telefonate vereinbaren, wie es die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt. In Familien mit mehreren Sprachen sollte die Erklärung in jener Sprache erfolgen, in der sich alle sicher verständigen können. Wer bereits betroffen ist, braucht Unterstützung beim Melden des Vorfalls und keine Vorwürfe.

Zum konkreten Fall sucht die Polizei Münster Zeuginnen und Zeugen: Wer am 29. Oktober im Bereich der Heinrich-Ebel-Straße in Gievenbeck verdächtige Beobachtungen gemacht hat, kann sich unter 0251 275-0 melden.

Quellen

BEHÖRDE
Polizeidirektion Landau
30. August 2016
BEHÖRDE
Bundesministerium für Inneres (Österreich)
Ohne Datumsangabe
BEHÖRDE
Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
Ohne Datumsangabe


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