Die Behauptung
Ein Beitrag auf X stellt Abdul El-Sayed, der bei den US-Zwischenwahlen 2026 zum Senator für Michigan gewählt wurde, als Beteiligten an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 dar. Dazu zeigt er dessen Porträt neben einem Bild des angegriffenen World Trade Centers.
Aufgestellt von: Übermittelte Screenshots eines X-Beitrags von @iamhurad und einer vorgeschlagenen Community Note; unabhängige Prüfung anhand von FBI, University of Michigan, FOX 2 Detroit, PolitiFact und PNAS.
Falsch
Falsch. Abdul El-Sayed war keiner der 19 Flugzeugentführer vom 11. September 2001. Für eine andere Beteiligung an den Anschlägen liefert der Beitrag keine Belege. Sein tatsächlicher Wahlsieg wird mit einer unbelegten Terroranschuldigung verbunden.
Die Täter des 11. September sind identifiziert. Abdul El-Sayed gehört nicht zu den 19 Flugzeugentführern, die das FBI dokumentiert hat. Der Beitrag verknüpft sein Porträt und seinen Wahlsieg mit den Anschlägen, ohne einen Beleg für eine Beteiligung zu nennen.
Mimikama wurden zwei Screenshots aus dem Bereich „Kollektive Anmerkungen“ auf X übermittelt. Einer zeigt einen Beitrag des Accounts „Hurad“ (@iamhurad), datiert mit 4. November. In der eingeblendeten deutschen Übersetzung steht: „2001: Abdul war an einem Terroranschlag beteiligt. 2026: Abdul gewinnt eine US-Wahl. Amerika ist erledigt.“ Daneben stehen eine Aufnahme des angegriffenen World Trade Centers und ein Porträt El-Sayeds. Einen direkten Link zum Originalbeitrag enthalten die Screenshots nicht; seine aktuelle Reichweite lässt sich daraus nicht feststellen.
Wer Abdul El-Sayed ist – und wer die Anschläge verübte
El-Sayed ist ein US-amerikanischer Arzt und Epidemiologe. Seine Herkunft aus dem Raum Detroit und seinen beruflichen Werdegang beschreibt die University of Michigan bereits in ihrer Festschrift von 2017. Er studierte unter anderem in Michigan, Oxford und an der Columbia University und leitete später das Gesundheitsamt von Detroit. Diese Biografie ist unabhängig vom aktuellen Wahlkampf dokumentiert.
Die FBI-Liste der 19 Flugzeugentführer nennt andere Personen. Auch die heutige Übersicht des FBI zu den Ermittlungen ordnet die Entführer al-Qaida zu. El-Sayed wird dort nicht als Täter genannt. Eine bloße Ähnlichkeit von Namen oder eine gemeinsame Religionszugehörigkeit belegt keine Beteiligung an einem Verbrechen.
Der kurze Post lässt offen, ob er tatsächlich dieselbe Person behaupten oder „Abdul“ pauschal als Bezeichnung für muslimische Männer verwenden will. Die Gegenüberstellung stellt jedenfalls eine sachlich unbegründete Verbindung zwischen El-Sayed und den Anschlägen her. Auch als pauschaler Vergleich bedient sie das antimuslimische Vorurteil, ein muslimischer Politiker sei wegen seiner Religion mit Terroristen gleichzusetzen.
Warum der Beitrag gerade nach den Midterms auftaucht
Der politische Anlass ist El-Sayeds Wahlsieg. Der Demokrat gewann bei den US-Zwischenwahlen 2026 den Senatssitz für Michigan gegen den Republikaner Mike Rogers. FOX 2 Detroit berichtet über den Sieg und darüber, dass El-Sayed als erster Muslim in den US-Senat gewählt wurde. Die als Midterms bezeichneten Wahlen finden in der Mitte der vierjährigen Amtszeit eines US-Präsidenten statt. Der Screenshot greift dieses Wahlergebnis ausdrücklich auf und deutet es mit „Amerika ist erledigt“ als Bedrohung.
Die Verbindung von El-Sayed mit Terrorismus war schon vor der Wahl Teil der politischen Angriffe gegen ihn. PolitiFact dokumentierte am 27. Oktober, dass Donald Trump ihn bei einem Wahlkampfauftritt am 25. Oktober als „Dschihadisten“ bezeichnet und mit den Entführern vom 11. September verglichen hatte. Der Faktencheck bewertete Trumps Behauptung, El-Sayed sei ein Dschihadist und Mitglied der Muslimbruderschaft, als falsch.
Der vorliegende Post greift damit ein bereits im Wahlkampf verbreitetes Feindbild auf. Das erklärt seinen politischen Zusammenhang. Daraus lässt sich jedoch weder ableiten, dass Trump diesen konkreten Beitrag veranlasst hat, noch dass der Account Teil einer organisierten Kampagne ist. Dafür liegen uns keine Belege vor.
Warum Menschen solche Beiträge weiterverbreiten
Die Bilder und der Text bieten eine sehr einfache Deutung: Ein muslimischer Wahlsieger wird neben einen Terroranschlag gestellt, sein Erfolg erscheint dadurch als Gefahr. Wer diese Deutung übernimmt, kann mit dem Teilen zugleich politische Ablehnung ausdrücken. Das ist eine Analyse der sichtbaren Botschaft; was der Verfasser oder einzelne Teilende tatsächlich beabsichtigen, lässt sich aus dem Screenshot nicht feststellen.
Ein allgemeiner Mechanismus ist wissenschaftlich untersucht: William J. Brady und sein Forschungsteam analysierten 563.312 Twitter-Nachrichten zu Waffengesetzen, gleichgeschlechtlicher Ehe und Klimawandel. Moralisch und emotional aufgeladene Sprache hing mit stärkerer Weiterverbreitung zusammen, besonders innerhalb politisch gleichgesinnter Netzwerke. Die Studie von 2017 untersuchte allerdings weder diesen Beitrag noch die Midterms 2026. Sie hilft zu verstehen, weshalb Empörung die Verbreitung begünstigen kann; die konkreten Gründe aller Teilenden erklärt sie nicht.
Die sichtbare Community Note ist noch kein freigegebener Hinweis
Im zweiten Screenshot ist die vorgeschlagene Richtigstellung vollständig zu sehen. X kennzeichnet sie als Vorschlag eines experimentellen KI-Mitwirkenden. Zugleich stehen dort „Benötigt mehr Bewertungen“ und „Nicht auf X angezeigt“. Zum Zeitpunkt der Aufnahme wurde der Hinweis demnach noch nicht beim Beitrag angezeigt. Ob sich dieser Status inzwischen geändert hat, geht aus den Aufnahmen nicht hervor.
Eine solche Anmerkung ersetzt die Quellenprüfung nicht. Für den Vorwurf einer Tatbeteiligung braucht es einen belastbaren Beleg. Ein Terrorfoto neben dem Porträt eines Wahlsiegers liefert diesen Beleg ebenso wenig wie dessen Name.
Quellen
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.

