Bei der ägyptischen Plattform Matsadaash haben sechs Journalisten gearbeitet. Jetzt sind alle sechs in Haft. Sicherheitskräfte haben sie zwischen Montagabend und Dienstagabend nacheinander abgeholt. Warum, hat bisher keine Behörde offiziell gesagt.
Bestätigt haben das die Plattform selbst auf Facebook und EIPR. Das ist eine ägyptische Organisation, die sich für Menschenrechte einsetzt. Ihre Anwälte vertreten die sechs Männer.
Wer ist Matsadaash?
Matsadaash gibt es seit 2018. Die Plattform deckt Falschmeldungen auf, in Ägypten und in anderen arabischen Ländern. Der Name bedeutet ungefähr „Glaub’s nicht“. Die Redaktion prüft auch, ob stimmt, was Politiker und Behörden sagen. Zuletzt hat sie zum Beispiel nachgerechnet, wie viele Geflüchtete wirklich im Land leben – nachdem der Außenminister eine Zahl genannt hatte. Ob die Festnahmen mit diesem oder einem anderen Beitrag zu tun haben, ist nicht bekannt.
Ärger mit den Behörden hatte die Redaktion schon einmal. Im August 2023 wurde ein Redakteur zu Hause festgenommen. Nach zwei Tagen kam er wieder frei.
Was man über die Festnahmen weiß
Dass Journalisten in Ägypten im Gefängnis landen, ist kein Einzelfall. Nach Zählung von EIPR sitzen dort jetzt 26 Journalisten wegen ihrer Arbeit in Haft – die sechs von Matsadaash mitgezählt.
Was hat das mit uns zu tun?
Auch wir bei Mimikama machen Faktenchecks. Wir suchen die Herkunft eines Videos, rufen Quellen ab, rechnen Zahlen nach. Das ist oft mühsam, aber gefährlich ist es für uns selten. Meistens kommen danach höchstens wütende Kommentare.
In Ägypten ist das anders. Wer dort nachrechnet, ob eine Zahl der Regierung stimmt, macht im Grunde das Gleiche wie wir. Nur kann ihn das dort die Freiheit kosten. Davon bekommt man selten etwas mit. Man sieht ja meist nur den fertigen Faktencheck, nicht die Menschen, die ihn geschrieben haben.
Deshalb haben auch Faktenchecker aus anderen Ländern den Aufruf unterschrieben, zum Beispiel aus Italien, Griechenland, Georgien und Estland. Dazu kommen große Organisationen, die sich weltweit für Journalisten einsetzen, etwa Reporter ohne Grenzen.
Wer rechnet jetzt nach?
Matsadaash schreibt auf Facebook, man wolle trotz allem weiterarbeiten und weiter Informationen prüfen. Wie das ohne die sechs Journalisten gehen soll, sagt die Plattform nicht. Sicher ist nur: Die Menschen, die bisher nachgerechnet haben, wenn ein Minister eine Zahl nennt, können das im Moment nicht. Wo weniger nachgeprüft wird, bleiben Behauptungen eher stehen – auch falsche.
Wir ergänzen diesen Artikel, sobald es neue gesicherte Informationen gibt.
Quellen
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