Die Behauptung
Muslimische Eltern hätten verlangt, Schweinefleisch aus Schulkantinen oder Kindergärten zu entfernen. Ein Bürgermeister habe dies abgelehnt und eine scharfe Erklärung zur Integration verschickt.
Aufgestellt von: Unbekannt
Falsch
Der Text ist ein alter Kettenbrief. Er kursiert seit Jahren mit wechselnden Ländern, Städten und Bürgermeistern. Dementis gibt es unter anderem zur Version aus Dorval/Kanada und zur Version aus Metz/Frankreich. Der angebliche Brief ist kein belegtes offizielles Schreiben, sondern ein islamfeindlicher Hoax.
Update vom 26. Mai 2026:
Dieser Kettenbrief kursiert erneut, diesmal wieder in einer Variante mit einem angeblichen Bürgermeister und Schweinefleisch in Schulen oder Kindergärten. Wir haben unseren Faktencheck aktualisiert und frühere Versionen aus Kanada, Frankreich, den Niederlanden und Österreich ergänzt.
Ein Kettenbrief: Der Bürgermeister von Metz weigert sich, das Schwein aus dem Menü der Kantine der Schule zu entfernen, und erklärt, warum.
Es geht um diesen „mutigen“ Bürgermeister, der die Bitte von muslimischen Eltern ablehnt, Schweinefleisch aus den Kantinen der Schulen zu verbannen. Laut einem Kettenbrief war es der Bürgermeister von Metz mit dem Namen Dominique Gros, der sich tapfer gegen das Ende des Schweinefleisches einsetzt (Kettenbrief findet sich am Ende dieses Artikels).
Dieser Kettenbrief findet natürlich großen Anklang, da es ja um die Verteidigung der westlichen (Schweinefleisch‑)Kultur geht. Doch dieser Kettenbrief hat ein großes Problem: Er ist ein Fake!
Woher wir das wissen? Ganz einfach: Der Kettenbrief ist nicht neu, sondern schon seit Jahren im Umlauf. Und immer wieder wird dort ein anderer Politiker genannt, der sich aufopferungsvoll gegen die Bitte muslimischer Eltern einsetzt. Nur kurz zu Identifikationszwecken an dieser Stelle der Anfang des Kettenbriefs:
Der Bürgermeister von Metz, Dominique Gros (PS), weigert sich, das Schwein aus dem Menü der Kantine der Schule zu entfernen, erklärt warum.
Muslimische Eltern haben die Abschaffung des Schweins aller Kantinen der Schulen in einem Vorort von Metz Borny beantragt. Der Bürgermeister lehnte ab, und der Stadtsekretär hat allen Eltern eine Notiz mit folgender Erklärung geschickt :
Muslime müssen verstehen, dass sie sich an Lothringen und Frankreich, ihre Bräuche, ihre Traditionen, ihren Lebensstil anpassen müssen, denn dorthin haben sie sich entschieden einzuwandern.

Bürgermeister weltweit: Derselbe Kettenbrief, andere Orte
Diesen Kettenbrief gibt es nicht nur in der Version „Metz“. Seit Jahren kursiert derselbe Text mit wechselnden Ortsangaben und angeblichen Bürgermeistern. Mal soll der Vorfall in Dorval, einem Vorort von Montreal, stattgefunden haben, mal in Metz-Borny in Frankreich, mal in einer nicht näher genannten Stadt in den Niederlanden, mal in Ath in Belgien, und auch in einer Österreich-Version.
Das Muster bleibt dabei nahezu identisch: Muslimische Eltern sollen angeblich gefordert haben, Schweinefleisch aus Schulen oder Kantinen zu entfernen. Ein Bürgermeister soll daraufhin mit einer scharfen Erklärung über Integration, nationale Traditionen und angebliche Zugeständnisse an den Islam reagiert haben.
Genau diese Austauschbarkeit ist ein zentrales Warnsignal. Echte kommunale Schreiben ändern nicht einfach Land, Stadt und Bürgermeister, während der politische Botschaftskern gleich bleibt. Bei diesem Kettenbrief werden Ortsnamen, nationale Bezüge und einzelne Formulierungen angepasst, damit dieselbe Falschbehauptung in unterschiedlichen Ländern glaubwürdig wirkt.
Bekannt sind unter anderem Varianten aus Kanada, Frankreich, den Niederlanden und Österreich. Die kanadische Version wurde bereits dementiert. Auch zur Metz-Version gibt es Dementis und Berichte, die den Text als Falschmeldung beziehungsweise islamfeindlichen Hoax einordnen.
Am Ende bedient dieser Kettenbrief ein bekanntes Narrativ: Musliminnen und Muslime würden angeblich christlich oder „westlich“ geprägte Alltagskultur verdrängen wollen. Genau diese emotionale Erzählung macht die Falschmeldung so anschlussfähig, obwohl der konkrete Fall nicht belegt ist.
Dementi aus Dorval: Auch die Kanada-Version war falsch
Für die kanadische Version gibt es bereits seit Jahren ein Dementi. Die Stadt Dorval stellte klar, dass der damalige Bürgermeister eine solche Stellungnahme nie abgegeben hatte. Auch kein Mitarbeiter der Stadt habe diesen angeblichen Brief verfasst oder verschickt.
Das ist für die Bewertung des Kettenbriefs wichtig, weil die Dorval-Version zu den älteren bekannten Fassungen gehört. Spätere Varianten übernahmen denselben Aufbau und tauschten lediglich Ort, Land und kulturelle Bezüge aus. Aus Kanada wurde Frankreich, aus Dorval wurde Metz, später wurden auch die Niederlande oder Österreich eingesetzt.
Gerade diese Wanderbewegung zeigt: Es handelt sich nicht um einen belegten kommunalen Vorgang, sondern um einen Hoax, der immer wieder an neue Länder angepasst wird.
Dennoch ignorierten viele Internetnutzer diese Klarstellung und teilten den Kettenbrief weiterhin, als wäre er wahr. Hier zeigen sich die Gefahr von Falschmeldungen und die Bedeutung von Faktenchecks. Die Wahrheit kann unterdrückt werden, aber sie wird sich letztendlich ihren Weg bahnen.
Die einzelnen Kettenbriefe als Wortlaut
Fazit
Der Kettenbrief über einen angeblichen Bürgermeister, der muslimischen Eltern wegen Schweinefleisch in Schulkantinen eine scharfe Antwort gegeben haben soll, ist nicht belegt. Die Geschichte kursiert seit Jahren in verschiedenen Versionen, mal mit Dorval in Kanada, mal mit Metz in Frankreich, mal mit den Niederlanden, mit Belgien oder Österreich. Der Aufbau bleibt gleich, nur Ortsnamen und nationale Bezüge werden ausgetauscht.
Genau das ist ein klares Warnsignal. Echte kommunale Schreiben wandern nicht von Land zu Land und ändern dabei nur ihre Kulisse. Die Dorval-Version wurde bereits dementiert, auch zur Metz-Version gibt es klare Hinweise auf eine Falschmeldung. Es handelt sich nicht um einen mutigen Bürgermeisterbrief, sondern um einen alten Hoax, der ein bekanntes antimuslimisches Narrativ bedient.
Wer solche Texte erhält, sollte sie nicht weiterleiten, sondern prüfen. Kettenbriefe dieser Art arbeiten mit Empörung, kultureller Abgrenzung und scheinbar einfachen Wahrheiten. Genau deshalb verbreiten sie sich so hartnäckig. Der Fall zeigt: Eine Falschmeldung wird nicht wahrer, nur weil sie seit Jahren immer wieder neu verpackt wird.
FAQ zum Thema: Dominique Gros und Metz-Brief
Hat Dominique Gros das wirklich gesagt?
Nein. Der kursierende Wortlaut ist kein belegtes Zitat von Dominique Gros. Der Text wurde über Jahre immer wieder anderen Bürgermeistern und Städten zugeschrieben.
Woher stammt die Aussage über Metz und Schweinefleisch?
Sie stammt nicht aus einem verifizierten Schreiben der Stadt Metz. Der Text gehört zu einem alten Kettenbrief, der international in ähnlicher Form verbreitet wurde.
Wie prüft man solche Zitate im Internet?
Am besten sucht man nach markanten Satzteilen in Anführungszeichen und ergänzt Stadt- oder Namensangaben. Wenn derselbe Text in mehreren Ländern mit wechselnden Personen auftaucht, ist das ein starkes Warnsignal.
Quellen
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