ATACMS-Raketen erklärt: Faktencheck und strategische Einordnung

Was macht die ATACMS-Rakete so besonders, warum sorgt ihr Einsatz im Ukraine-Konflikt für Schlagzeilen, und welche strategischen Folgen könnte das haben? Unser Faktencheck klärt auf.

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Wie berichtet, beschuldigt Russland die Ukraine, am frühen Dienstagmorgen, 19.11.2024, erstmals ATACMS-Raketen gegen international anerkanntes russisches Territorium eingesetzt zu haben. Laut dem russischen Verteidigungsministerium traf der Angriff ein Militärdepot in der Region Bryansk. Die Ukraine bestätigte die Operation und erklärte, das Ziel habe nordkoreanische Munition und Flugabwehrraketen enthalten. (Unser Bericht dazu hier). Doch was genau sind ATACMS-Raketen, und welche Rolle spielen sie im Ukraine-Konflikt? In diesem Faktencheck und FAQ beleuchten wir die technischen Details, die strategische Bedeutung und die politischen Auswirkungen dieser Waffe.

ATACMS – FAQ: Faktencheck und strategische Einordnung

Grundlagen und technische Details

ATACMS steht für „Army Tactical Missile System“. Es handelt sich um ein bodengestütztes ballistisches Kurzstreckenraketensystem, das von den USA entwickelt wurde. Die Raketen ermöglichen präzise Angriffe auf strategische Ziele tief hinter feindlichen Linien.

Die ATACMS-Raketen werden von Lockheed Martin hergestellt und sind seit 1990 im Einsatz. Sie messen 4,00 Meter in der Länge und 604 Millimeter im Durchmesser. Ihre Reichweite beträgt bis zu 300 Kilometer, und sie fliegen mit einer Geschwindigkeit von Mach 3 (ca. 3.700 km/h). Die Treffgenauigkeit liegt bei einem Streukreisradius von 10 bis 20 Metern.

Je nach Variante wiegt eine ATACMS-Rakete zwischen 1.321 und 1.670 Kilogramm, einschließlich des Gefechtskopfes.

Die Raketen fliegen eine ballistische Kurve mit einem Scheitelpunkt in etwa 48 Kilometern Höhe. Sie nutzen einen HTPB-Komposit-Feststofftreibsatz, der sie schnell beschleunigt. Die Steuerung erfolgt durch ein Trägheitsnavigationssystem, das durch GPS-Daten ergänzt wird.

ATACMS-Raketen können mit verschiedenen Gefechtsköpfen ausgestattet werden, darunter Streumunition, die bis zu 300 kleine Sprengsätze („Bomblets“) auf einer Fläche von bis zu 33.000 Quadratmetern verteilt, oder hochexplosive Ladungen, die gezielt Infrastruktur wie Bunker oder Munitionsdepots zerstören.

Der Stückpreis liegt je nach Variante zwischen 820.000 und 1,7 Millionen USD.

Langfristig sollen die ATACMS durch die Precision Strike Missile (PrSM) ersetzt werden. Dieses System bietet eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern und eine verbesserte Zielgenauigkeit.

Einsatz und strategische Bedeutung

Die Ukraine setzte ATACMS erstmals im Oktober 2024 in einer Version mit kürzerer Reichweite (165 km) ein. Die Version mit einer Reichweite von 300 Kilometern kam erstmals im November 2024 bei einem Angriff auf russisches Gebiet zum Einsatz.

Die Hauptaufgabe besteht darin, strategische Ziele wie Munitionslager, Flugabwehrsysteme und Nachschubbasen tief im feindlichen Hinterland zu zerstören.

ATACMS-Raketen erreichen eine Höhe von etwa 48 Kilometern, was sie nahe an die Grenze des Weltraums bringt.

Die Raketen verfügen über eine Treffgenauigkeit mit einem Streukreisradius von 10 bis 20 Metern, abhängig von den Navigationssystemen und Zielparametern.

ATACMS ermöglichen präzise Angriffe auf strategische Ziele wie Munitionsdepots und Nachschubbasen tief im russischen Hinterland, insbesondere in Regionen wie Bryansk und Kursk. Ihre Einführung durch die USA markiert eine Eskalationsstufe im Konflikt.

Experten sind geteilter Meinung: Die Raketen stören Nachschublinien und greifen wichtige Infrastruktur an, doch sie allein können den Krieg nicht entscheiden. Ihre Effektivität hängt von weiteren westlichen Waffenlieferungen und der Gesamtstrategie ab.

Vergleich mit anderen Waffensystemen

Wie unterscheiden sich ATACMS von anderen westlichen Waffensystemen?
ATACMS sind bodengestützte Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Im Vergleich dazu sind der deutsche Taurus und die britisch-französische Storm Shadow / Scalp Marschflugkörper, die von Kampfflugzeugen abgefeuert werden. Der Taurus erreicht eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern und bietet durch autonomen Tiefflug eine höhere Präzision und Abfangsicherheit. Storm Shadow und Scalp haben Reichweiten über 250 Kilometer und sind ebenfalls für präzise Angriffe auf geschützte Ziele ausgelegt.

Fazit:

ATACMS sind eine bedeutende Waffe für die Ukraine. Ihre Reichweite und Geschwindigkeit ermöglichen präzise Angriffe tief im russischen Hinterland. Während Russland den Einsatz als Eskalation einstuft, betonen die Ukraine und die USA, dass die Raketen ausschließlich gegen militärische Ziele verwendet werden. Dennoch erhöht die Lieferung solcher Waffen das Eskalationspotenzial des Konflikts – sowohl militärisch als auch politisch.

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