Ein Passagierflugzeug der Azerbaijan Airlines (Flugnummer J2-8243, Registriernummer 4K-AZ65) vom Typ Embraer E-190AR unterwegs von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku nach Grosny, der Hauptstadt der russischen Republik Tschetschenien, ist nach einer Umleitung nach Aktau, Kasachstan, kurz vor dem Erreichen des Flughafens bei einer Notlandung am ersten Weihnachtstag, dem 25. Dezember 2024, um 7:28 Uhr (MEZ) verunglückt. An Bord befanden sich nach Berichten 62 Passagiere und 5 Crewmitglieder. 32 Menschen sollen lebend geborgen worden sein.
Bisher sprechen bereits aufgetauchte Video- und Fotoaufnahmen dafür, dass das Passagierflugzeug im russischen Luftraum in oder in der Nähe von Tschetschenien von mindestens einer Luftabwehrwaffe beschädigt worden war, die diverse lebenswichtige Komponenten der Unglücksmaschine dabei funktionsunfähig gemacht haben könnten.
Im gleichen Zeit- und Luftraum sollen ukrainische Drohnen bekämpft worden sein, die dabei waren, in Grosny Militäreinrichtungen anzugreifen.
Es ist bisher unklar, warum russische/tschetschenische Behörden den Luftraum für zivile Luftfahrt nicht wegen der Kampfhandlungen geschlossen hatten. Gleichzeitig soll GPS Jamming und ebenfalls die aktive Luftverteidigung eingesetzt worden sein.
Das Passagierflugzeug verlor durch den Beschuss einer russischen Luftabwehrwaffe höchstwahrscheinlich alle 3 redundante Hydrauliksysteme und war praktisch kaum noch steuerbar.
Die Piloten haben die Entscheidung getroffen, das schwer beschädigte Passagierflugzeug über das Kaspische Meer nach Aktau, Kasachstan umzuleiten und konnten wahrscheinlich nur noch durch asymmetrischen Triebwerksschub gelenkt werden.
Die Schwierigkeit dieses notgedrungenen Manövers kann man vielleicht mit dem freihändigen Fahren eines Zweirades vergleichen, ohne dabei den Lenker zu berühren. Ein vergleichbares Unglück passierte in 1989 in Sioux City, USA mit einer McDonnell Douglas DC-10, wo die 3 Piloten auch nach Komplettverlust aller 3 redundante Hydrauliksysteme das Leben knapp der Hälfte der Passagiere retten konnten.
Die Umleitung wurde aus mehreren Gründen notwendig, statt nach Baku zurückzufliegen. Der Flughafen Baku liegt in einem dicht besiedelten Gebiet. Bei einem Crash, der sehr wahrscheinlich war, wären viele Menschen am Boden ebenfalls bedroht. Das Wetter in Baku soll nicht so gut sein und sie hätten eine Kurve fliegen müssen, die durch den Verlust der Hydraulik schwer zu beherrschen wäre. Der Flughafen Aktau ist von einem freien Feld nahe der Küste umgeben, unbesiedelt und flach, und deshalb deutlich besser geeignet für eine Notlandung als Baku.
Es gibt noch einige ungeklärte Fragen wie Berichte darüber, dass die Triebwerke womöglich kurz vor der Notlandung zusätzlich noch von einem Vogelschwarm beschädigt worden wären. Daher müssen die zwar bereits sehr detailliert vorhandenen Informationen noch mit Vorbehalt der Genauigkeit betrachtet und die endgültigen Untersuchungsergebnisse der fachlich autorisierten Institutionen abgewartet werden.
Dieser Artikel wurde verfasst von unserem Team-Mitglied Brian Miller.
Quellen: Tagesschau, The Aviation Herald, Flightradar24
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