Die Behauptung
Eine neue Studie beweise, dass CO₂ nicht der Hauptverursacher des Klimawandels sei – Sonnenstrahlung und natürliche Prozesse seien entscheidend.
Aufgestellt von: Unbekannt
Falsch
Die Studie existiert, wird aber von Report24 stark überhöht, verkürzt wiedergegeben und gegen den wissenschaftlichen Konsens instrumentalisiert. CO₂ bleibt laut Forschung der Haupttreiber der aktuellen Erderwärmung.
Analyse – Die Fakten dahinter
Ist die Klima-Studie falsch – oder nur falsch dargestellt?
- Ja, die Studie existiert. Sie stammt von Ad Huijser, wurde 2024 veröffentlicht und argumentiert, dass CO₂ möglicherweise nur zu einem Teil zur Erderwärmung beiträgt.
- Aber: Sie ist wissenschaftlich schwach, nicht unabhängig begutachtet und in einem Pseudojournal erschienen.
- Und: Report24 überhöht und verzerrt die Aussagen. Aus einem methodisch fragwürdigen Einzelbeitrag wird ein angeblicher „physikalischer Beweis“ gegen CO₂ gemacht.
Das Problem ist zweistufig:
- Die Studie ist nicht belastbar.
- Die mediale Darstellung verschärft die Fehlinterpretation weiter – mit politischer Schlagseite.
Huijser argumentiert, dass natürliche Schwankungen in Sonnenstrahlung und Wolkenbedeckung einen Großteil der Erwärmung seit 1950 erklären könnten. Er schätzt den Anteil von Treibhausgasen auf 25–35 %. Diese Einordnung widerspricht dem Stand der Klimaforschung:
- Laut Weltklimarat (IPCC) ist es extrem wahrscheinlich (>95 %), dass mehr als die Hälfte der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts vom Menschen verursacht wurde – vor allem durch CO₂.
- Die Aussage, CO₂ sei „physikalisch unmöglich“ als Klimatreiber, findet sich in der Studie nicht. Dort wird die Wirkung von CO₂ durchaus anerkannt.
- Das oft genutzte Argument, CO₂ mache nur 0,04 % der Atmosphäre aus, verkennt den physikalischen Effekt: Selbst geringe Mengen CO₂ absorbieren Infrarotstrahlung effektiv und tragen messbar zur Erwärmung bei.
- Der Report24-Artikel blendet zentrale Klimafaktoren aus (z. B. Aerosole, Ozeanzirkulationen) und arbeitet mit stark vereinfachten Gegenüberstellungen.
Der Beitrag vermischt echte Forschung mit Verzerrung – und erzeugt so ein irreführendes Gesamtbild.
Wirkung & Mechanismus
Die Behauptung spricht das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen an. Wenn der Mensch nicht schuld ist, braucht es keine politischen Maßnahmen. Begriffe wie „Klimadogma“ und „Zensur“ vermitteln Widerstand gegen angeblich unterdrückte Wahrheiten. Das schafft emotionale Nähe – aber keine Fakten.
Wenn die Welt zu komplex wird, klingt Kontrolle verführerisch. Sonne, Wolken, Zyklen – das klingt greifbar. Wahrheit ist anstrengender, und genau deshalb greifen viele nach der bequemeren Lüge.
Wer ist Ad Huijser?
Ad Huijser ist ein niederländischer Physiker und war lange Zeit bei Philips tätig. Er ist kein Klimaforscher und publiziert in fachlich randständigen Journalen. Die hier zitierte Arbeit erschien 2024 in der Zeitschrift Science of Climate Change – einer Plattform mit gravierenden wissenschaftlichen Defiziten.
Fragwürdige Veröffentlichung – Was ist „Science of Climate Change“?
Die Zeitschrift ist:
- nicht gelistet in anerkannten Datenbanken (Web of Science, Scopus, DOAJ),
- ohne dokumentiertes Peer Review, Redaktion oder wissenschaftliches Advisory Board,
- inhaltlich einseitig, mit wenigen Artikeln pro Jahr,
- und gekennzeichnet durch Eigenzitate und geschlossene Autorenschaften.
All das deutet auf ein sogenanntes Pseudojournal hin – also eine Plattform ohne echte wissenschaftliche Qualitätssicherung.
Einordnung: Was sind Pseudojournale?
Pseudojournale, auch predatory journals, veröffentlichen Texte ohne strenge Prüfung – oft gegen Gebühr. Sie geben sich wissenschaftlich, liefern aber keine unabhängige Qualitätssicherung. So können Einzelpersonen zweifelhafte Thesen veröffentlichen – ohne fachlichen Widerspruch.
Science of Climate Change erfüllt zentrale Kriterien solcher Plattformen:
- Kein nachvollziehbares Gutachterverfahren
- Keine wissenschaftliche Indexierung
- Mangelnde Transparenz zu Redaktion und Standards
- Thematische Einseitigkeit
Die Huijser-Studie ist daher kein wissenschaftlich belastbarer Beleg.
Was sagt die Klimaforschung?
| Thema | Forschungskonsens (IPCC) | Huijser laut Report24 |
| Hauptursache | Mensch, v. a. CO₂, >95 % sicher | Natürlich (Sonne, Wolken) |
| CO₂-Wirkung | Stark, durch Modelle und Labore belegt | Wirkung übertrieben |
| Sonnenaktivität | Seit 1980er leicht rückläufig | Hauptantrieb der Erwärmung |
| Wolkenbedeckung | Komplexes Feedbacksystem | Hauptursache laut Studie |
| Studienlage | Tausende Publikationen, global einheitlich | Einzelmeinung, randständig |
Warum solche Narrative wirken
- Vereinfachung: Komplexe Klimaphysik wird auf simple Alltagssätze reduziert – „Spurengas kann nichts bewirken“.
- Emotionale Erleichterung: Wer glaubt, unschuldig zu sein, fühlt sich entlastet – keine Verantwortung.
- Misstrauensrhetorik: Wissenschaft und Medien werden pauschal als „korrumpiert“ dargestellt.
- Scheinexpertise: Außenseiterthesen werden als unterdrückte Wahrheit inszeniert.
FAQ – Typische Einwände entkräftet
„CO₂ macht nur 0,04 % aus – das kann doch nichts bewirken?“
Doch. Schon geringe Mengen CO₂ absorbieren effektiv Infrarotstrahlung. Ohne natürliche Treibhausgase läge die globale Durchschnittstemperatur bei -18 °C statt +14 °C.
„Früher war es auch warm – ohne Menschen.“
Stimmt. Aber frühere Warmzeiten dauerten Jahrtausende. Die aktuelle Erwärmung verläuft innerhalb von Jahrzehnten – parallel zum CO₂-Anstieg durch Industrie und Verkehr.
„Kommt die Erwärmung nicht von der Sonne?“
Nein. Die Sonnenaktivität ist seit Jahrzehnten leicht rückläufig. Der Temperaturanstieg lässt sich nur mit menschlichen Emissionen erklären.
Fazit
Die Behauptung ist falsch. Sie wirkt, weil sie Misstrauen gegen Klimawissenschaft schürt und einfache Erklärungen liefert – doch wer sie durchschaut, erkennt ihre Schwäche.
Faktenbarometer
🟥 Manipulativ
Die Aussage verdreht Studieninhalte, ignoriert den Forschungskonsens und nutzt rhetorische Tricks, um Zweifel an der Klimaforschung zu säen.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der sachlichen Einordnung und Überprüfung öffentlich zugänglicher Aussagen und Quellen im Rahmen der journalistischen Berichterstattung (§ 5 GG, § 50 RStV). Die Nennung von Personen, Organisationen oder Webseiten erfolgt ausschließlich zur kritischen Auseinandersetzung mit nachprüfbaren Inhalten. Es handelt sich nicht um eine persönliche Bewertung, sondern um eine faktenbasierte Analyse im Sinne der Aufklärung und öffentlichen Meinungsbildung.
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