CO2: Macht es die Erde wärmer, oder nicht?

Es wird fälschlicherweise behauptet, dass CO2 ab einer bestimmten Menge keinen Einfluss mehr auf die Erderwärmung hat – ein gefährlicher Irrtum!

Die Behauptung

Aktuell macht ein Video die Runde, das besagt, dass CO2 nur bis zu einem bestimmten Punkt die Erde erwärmt und danach keinen großen Einfluss mehr hat.

Falsch

Das stimmt nicht. Auch wenn CO2 mit der Zeit weniger stark wirkt, wird es trotzdem weiterhin wärmer. CO2 trägt immer noch zur Erwärmung bei, wie die Wissenschaft zeigt.

Kurze Faktenübersicht:

  • CO2 und Wärme: CO2 fängt Wärme ein und sorgt dafür, dass die Erde wärmer wird – auch bei höheren Mengen.
  • Der Effekt wird kleiner: Je mehr CO2 es gibt, desto weniger stark wird es wärmer, aber die Erwärmung hört nie ganz auf.
  • IPCC-Formel: Die Wissenschaftler haben viele Studien gemacht und bestätigen: CO2 sorgt dafür, dass es wärmer wird.

📖Welche Falschinformationen gibt es zum Klimawandel? Antworten finden Sie im Leitfaden Klima-Desinformation.

Verstehen, wie CO2 die Erde erwärmt

In einem Video wird behauptet, dass CO₂ nur bis zu einem bestimmten Punkt zur Erwärmung beiträgt. Angeblich sei die Wirkung „gesättigt“ und mehr CO₂ würde nichts mehr ändern. Doch das ist falsch. Hier ist die richtige Erklärung.

Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Wie CO2 die Erwärmung beeinflusst

CO₂ ist ein Gas, das Wärme in der Erdatmosphäre einfängt und verhindert, dass sie ins Weltall entweicht. Je mehr CO₂ in der Luft ist, desto mehr Wärme bleibt auf der Erde und sorgt dafür, dass es wärmer wird. Das ist ein gut erforschtes Phänomen, das von vielen Wissenschaftlern bestätigt wurde.

Der Effekt wird kleiner, aber er hört nicht auf

Es stimmt, dass der zusätzliche Erwärmungseffekt kleiner wird, je mehr CO₂ in der Luft ist. Aber: Die Erwärmung hört nie ganz auf. Auch bei hohen CO₂-Werten bleibt die Erde weiterhin wärmer, nur nicht mehr so schnell wie vorher. Dies wurde in vielen wissenschaftlichen Studien bestätigt.

Fehler im Video

Das Video behauptet, dass CO₂ irgendwann keine Wirkung mehr hat, also dass ab einem bestimmten Punkt keine weitere Erwärmung mehr erfolgt. Diese Behauptung ist falsch. Wissenschaftliche Berechnungen und Messungen zeigen, dass CO₂ auch in großen Mengen weiterhin die Erwärmung der Erde verstärkt. Die Berechnungen des IPCC, auf die sich viele Studien stützen, sind korrekt.


Beispiel aus dem Alltag: Stell dir vor, du deckst dich nachts mit einer Decke zu, um warm zu bleiben. Wenn du eine zweite Decke hinzufügst, wirst du noch wärmer, aber nicht doppelt so warm wie mit der ersten Decke. Je mehr Decken du auflegst, desto weniger spürst du den Unterschied, aber du wirst trotzdem immer ein bisschen wärmer. Genauso ist es mit CO₂: Jede zusätzliche Menge CO₂ in der Atmosphäre sorgt für eine weitere Erwärmung, aber der Effekt wird mit jeder neuen „Schicht“ CO₂ schwächer. Die Erwärmung hört aber nicht auf.


Behauptung 1: „CO₂ absorbiert Photonen in einem bestimmten Bereich von elektromagnetischen Strahlen und irgendwann ist es egal, wie viel CO₂ man hinzufügt – dann passiert nichts mehr.“

Faktencheck:
Diese Aussage ist falsch. CO₂ absorbiert tatsächlich Infrarotstrahlung im Bereich von etwa 15 Mikrometer, aber der Effekt hört nicht auf, auch wenn er langsamer wird. Wissenschaftliche Modelle zeigen, dass der Einfluss von CO₂ auf die Erwärmung logarithmisch ist: Mit steigender CO₂-Konzentration nimmt der zusätzliche Erwärmungseffekt ab, aber er verschwindet nicht vollständig. Jede zusätzliche Erhöhung von CO₂ führt weiterhin zu einer Erwärmung der Erde, nur langsamer. Dies ist ein gut dokumentiertes Phänomen in der Klimawissenschaft und wird auch vom IPCC so beschrieben​​.


Behauptung 2: „Die Kurve der Erwärmung durch CO2 erreicht eine Sättigung. Je mehr CO2 man hinzufügt, desto flacher wird die Kurve. Irgendwann passiert nichts mehr.“

Faktencheck:
Auch diese Behauptung ist falsch. Die „Sättigung“ bezieht sich auf die Tatsache, dass die Wirkung von CO2 mit zunehmender Konzentration langsamer wird, aber sie endet nicht. Der Effekt wird logarithmisch schwächer, aber selbst bei hohen CO2-Konzentrationen gibt es weiterhin eine Erwärmung, die messbar ist. Die Behauptung im Video ignoriert diesen wichtigen Aspekt und führt zu einem falschen Verständnis des CO2-Effekts​​.


Behauptung 3: „Das IPCC sagt: ‚Nimm mehr CO2, dann wird es wärmer, und wir werden alle sterben.'“

Faktencheck:
Diese Aussage übertreibt und verzerrt die Aussagen des IPCC stark. Das IPCC warnt vor den Auswirkungen von steigenden CO2-Konzentrationen, insbesondere wenn keine Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen ergriffen werden. Es geht darum, langfristige Klimaveränderungen zu verhindern, die zu extremen Wetterereignissen, Meeresspiegelanstieg und anderen negativen Folgen führen können. Die Botschaft des IPCC ist, dass die Menschen handeln müssen, um diese Entwicklungen zu verlangsamen und zu stoppen – nicht, dass die Menschheit sofort „sterben“ wird​.


Behauptung 4: „Die Formel, die das IPCC verwendet, stammt aus dem Jahr 1998 und ist veraltet.“

Faktencheck:
Die IPCC-Formel zur Berechnung des Strahlungsantriebs ist zwar 1998 entwickelt worden, wurde aber seither regelmäßig überprüft und bestätigt. Sie basiert auf umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen und ist weiterhin gültig. Die Formel beschreibt, wie CO2 die Atmosphäre erwärmt und berücksichtigt den logarithmischen Zusammenhang, der den abnehmenden Effekt bei steigender CO2-Konzentration erklärt. Zahlreiche unabhängige Studien haben die Formel seitdem bestätigt​​.


Behauptung 5: „Bei einer CO2-Konzentration von 420 ppm haben wir 2,17 Watt pro Quadratmeter mehr Energie, die auf die Erde zurückwirkt. Es wird wärmer, und wenn wir so weitermachen, steigt es weiter an.“

Faktencheck:
Diese Aussage ist im Wesentlichen korrekt, beschreibt jedoch nicht die gesamte Komplexität des Problems. Der Strahlungsantrieb durch CO2 führt tatsächlich zu einer Erwärmung der Erde, was durch viele Studien belegt ist. Doch die genauen Auswirkungen hängen von vielen Faktoren ab, wie den Rückkopplungseffekten (z. B. wie Wasserdampf und Wolken reagieren). Der Strahlungsantrieb beträgt derzeit etwa 2,17 W/m² seit Beginn der industriellen Revolution und trägt zur aktuellen Erwärmung bei​​.


Behauptung 6: „Wir sehen, dass die CO2-Kurve eine Sättigung erreicht. Es ist egal, wie viel CO2 man noch hinzufügt, dann passiert nichts mehr.“

Faktencheck:
Das Konzept der „Sättigung“ ist ein Missverständnis. Während der Effekt von CO2 mit zunehmender Konzentration langsamer wird, bleibt er dennoch bestehen. CO2 absorbiert weiterhin Infrarotstrahlung und trägt zur Erwärmung bei, auch wenn dieser zusätzliche Effekt geringer wird. Die Sättigung, wie sie im Video beschrieben wird, entspricht nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Verständnis. Der Erwärmungseffekt bleibt auch bei höheren CO2-Werten vorhanden​.


Behauptung 7: „Wenn man die Formel des IPCC zurückrechnet, stimmt sie nicht. Die CO2-Absorptionswahrscheinlichkeit ist bei 400 ppm größer als bei 800 ppm, aber das IPCC behauptet das Gegenteil.“

Faktencheck:
Diese Aussage ist ebenfalls falsch. Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass die Absorption von Strahlung durch CO2 mit zunehmender Konzentration abnimmt, was in der IPCC-Formel bereits berücksichtigt wird. Der logarithmische Effekt besagt, dass der zusätzliche Strahlungsantrieb mit höheren CO2-Werten geringer wird, aber immer noch vorhanden ist. Die Behauptung, dass die Formel falsch sei, basiert auf einem Missverständnis der wissenschaftlichen Prinzipien​.


Behauptung 8: „CO2 hat bei den aktuellen Konzentrationen kaum noch Einfluss auf die Erwärmung. Alles, was CO2 leisten kann, hat es bereits geleistet.“

Faktencheck:
Diese Aussage ist schlichtweg falsch. CO2 trägt weiterhin zur Erwärmung der Erde bei, selbst wenn der Effekt langsamer wird. Messungen zeigen, dass steigende CO2-Konzentrationen immer noch zu höheren Temperaturen führen. Die Vorstellung, dass CO2 „gesättigt“ ist und nichts mehr bewirken kann, widerspricht allen aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der zusätzliche Effekt mag geringer sein, aber er ist nachweislich vorhanden​​.


Fazit: CO₂ und die Erwärmung der Erde

Die Behauptung, dass CO2 die Erde nur bis zu einem gewissen Punkt erwärmen kann und dann nichts mehr passiert, ist falsch. Wissenschaftliche Studien zeigen klar, dass CO2 weiterhin zur Erwärmung beiträgt. Der Effekt wird langsamer, aber er hört nicht auf.

Die Behauptungen im Video basieren größtenteils auf Missverständnissen oder falschen Interpretationen wissenschaftlicher Fakten. Der Effekt von CO2 auf die Erwärmung der Erde ist gut erforscht und wissenschaftlich bestätigt. Auch wenn die Erwärmung mit steigenden CO2-Konzentrationen langsamer wird, hört sie nicht auf. Die vom IPCC verwendeten Modelle sind fundiert und basieren auf umfangreichen Studien und Messungen. Behauptungen über eine „Sättigung“ oder veraltete Formeln sind wissenschaftlich nicht haltbar.

Quellen:

  • Why the Forcing from Carbon Dioxide Scales as the Logarithm of Its Concentration – Artikel im Journal of Climate AMETSOC‌
  • Radiative Forcing – Wikipedia-Artikel Wikipedia‌
  • IPCC – Berichte über Strahlungsantrieb und Klimawandel IPCC‌
  • Explained: Radiative Forcing – Artikel des MIT (Massachusetts Institute of Technology) MIT News)‌
  • Is there a point at which adding more CO2 will not cause further warming? – Royal Society Royal Society

Zusatzinformationen und Hintergrundwissen zur Verbreitung von Fehlinformationen

Fehlinformationen verbreiten sich schneller denn je. Videos, die einfache, aber falsche Behauptungen über wissenschaftliche Themen wie den Klimawandel aufstellen, werden oft viral, weil sie leicht verständliche Erklärungen bieten. Dabei nutzen solche Videos oft eine Mischung aus wahren und falschen Aussagen, was es für viele schwer macht, die Täuschung zu erkennen. Solche Behauptungen wirken oft glaubwürdig, weil sie echte wissenschaftliche Begriffe verwenden, diese aber verzerren oder missinterpretieren.

Fehlinformationen sind besonders gefährlich, weil sie die öffentliche Meinung und das politische Handeln beeinflussen können. Falschinformationen zum Klimawandel können etwa dazu führen, dass Menschen die Dringlichkeit des Themas unterschätzen und sich nicht für notwendige Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen einsetzen.

Warum verbreiten sich Fehlinformationen so schnell?

  • Einfache Erklärungen: Komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge werden oft stark vereinfacht oder verzerrt dargestellt, damit sie leicht verständlich sind.
  • Emotionale Ansprache: Viele solcher Videos wecken Angst, Unsicherheit oder Wut, was dazu führt, dass sie öfter geteilt werden.
  • Bestätigung eigener Meinungen: Menschen neigen dazu, Informationen zu glauben und zu teilen, die ihre bestehenden Ansichten bestätigen, auch wenn sie falsch sind.

Es ist wichtig, solche Fehlinformationen zu erkennen und zu korrigieren, um die Verbreitung falscher Vorstellungen über wichtige Themen wie den Klimawandel zu stoppen.


Wie man wissenschaftliche Informationen überprüft

Um sicherzustellen, dass eine Information wissenschaftlich korrekt ist, können folgende Schritte helfen:

  1. Quellen prüfen: Stammen die Informationen von vertrauenswürdigen wissenschaftlichen Institutionen wie dem IPCC, der NASA, oder der Royal Society? Diese Institutionen stützen sich auf umfassende, geprüfte wissenschaftliche Studien und haben eine hohe Glaubwürdigkeit.
    • IPCC-Berichte
    • NASA Climate
    • Royal Society: Klimawandel
  2. Studien verstehen: Wenn wissenschaftliche Studien zitiert werden, ist es wichtig, sie richtig zu interpretieren. Viele Missverständnisse entstehen, weil Daten falsch dargestellt oder aus dem Kontext gerissen werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse basieren auf Experimenten, Modellen und einer breiten Datenbasis, die sorgfältig überprüft wird.
  3. Kritische Fragen stellen:
    • Werden mehrere Studien oder nur eine Quelle verwendet?
    • Gibt es wissenschaftliche Belege für die Behauptungen, die auch von anderen Experten überprüft wurden?
    • Sind die Schlussfolgerungen aus den Daten logisch und stimmig?

Lesen Sie auch:

Artikelbild: Freepik

MIMIKAMA · FAKTENCHECK

Faktencheck als Bild teilen

Den Faktencheck per Artikellink teilen oder das 4:5-Faktenbild als PNG herunterladen.

Social-Faktenbild · 4:5 · 1080 × 1350 px

Bild wird vorbereitet …

Bitte prüfe beim Teilen, ob der gekürzte Text die Aussage korrekt wiedergibt. Die vollständige Recherche ist im Artikel verlinkt.


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.