CO₂-Steuer: Heimliche Abzocke oder gezielte Panikmache?

🔥 „500 % CO₂-Steuer-Erhöhung!“ – „Die CDU, SPD und Grünen haben heimlich die größte Steuererhöhung aller Zeiten beschlossen!“ – „Ab 2027 explodieren die Kosten für Heizen und Tanken!“ Diese Schlagzeilen verbreiten sich rasant im Netz. Doch steckt wirklich eine ungeheure Abzocke dahinter?

Die Behauptung

CDU, SPD und Grüne hätten am 31. Januar 2025 die „größte Steuererhöhung aller Zeiten“ beschlossen. Die CO₂-Steuer steige um bis zu 500 %, was zu Mehrkosten von 3.000 Euro pro Familie führe – und die Medien würden darüber schweigen.

Falsch

Diese Behauptungen sind in mehreren Punkten falsch oder stark übertrieben. Der Bundestag hat keine neue Steuer beschlossen, sondern das bestehende Emissionshandelssystem (ETS-II) der EU übernommen. Eine 500%-Steigerung ist möglich, aber nicht garantiert. Die Mehrkosten für Familien sind in den geteilten Zahlen überhöht, und Medien haben durchaus darüber berichtet.

Kurze Faktenübersicht:

🔹 Keine neue Steuer: Der Bundestag verabschiedete eine Anpassung des Emissionshandelssystems (ETS-II), keine Steuererhöhung.
🔹 500 % Steigerung? Möglich, aber nicht sicher. Der CO₂-Preis ab 2027 wird durch den Markt bestimmt.
🔹 3.000 Euro Mehrkosten pro Familie? Stark übertrieben – realistische Schätzungen liegen bei 1.000–1.500 Euro.
🔹 Medien schweigen? Falsch. Zahlreiche Medien haben berichtet.

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Zwei Bilder mit dramatischen Behauptungen zur CO₂-Steuer

Eines behauptet, CDU, SPD und Grüne hätten am 31. Januar 2025 heimlich die „größte Steuererhöhung aller Zeiten“ beschlossen und die Medien würden darüber schweigen. Das andere warnt vor einer 500%igen CO₂-Preissteigerung, die zu Mehrkosten von 3.000 Euro pro Familie führen soll.

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Screenshots aus sozialen Medien
Screenshots aus sozialen Medien

Doch wie viel Wahrheit steckt in diesen Aussagen?

Was wurde am 31. Januar 2025 wirklich beschlossen?

Der Bundestag verabschiedete keine „Steuererhöhung“, sondern die Umsetzung des ETS-II, eines bereits von der EU beschlossenen Systems. Ab 2027 entfällt der nationale CO₂-Preis und wird durch das europäische System ersetzt. Das bedeutet: Der Preis für CO₂-Zertifikate wird nicht mehr staatlich festgelegt, sondern richtet sich nach Angebot und Nachfrage.

Das ursprüngliche ETS-II wurde bereits auf EU-Ebene beschlossen, Deutschland setzt es nun um. Die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung sind zweckgebunden für Klimaschutzmaßnahmen – es handelt sich also um eine Abgabe, nicht um eine Steuer.

FAQ zur CO₂-Steuer und den Behauptungen im Netz

Im Internet kursieren viele Aussagen zur CO₂-Bepreisung. Doch was ist wirklich dran? Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten – einfach erklärt.

❌ Nein, das stimmt nicht.

📌 Fakten:
➡ Es wurde keine neue Steuer eingeführt, sondern das bestehende CO₂-Bepreisungssystem auf ein EU-weites Modell umgestellt (ETS-II).
➡ Der Bundestag hat damit eine EU-Vorgabe umgesetzt.
➡ Die Einnahmen aus der CO₂-Abgabe sind für Klimaschutzmaßnahmen vorgesehen, es handelt sich also um eine Abgabe, nicht um eine Steuer.

📌 Quelle:
🔗 Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Klimaschutz und Energie (25. Ausschuss) vom 29.01.2025

⚠ Das ist übertrieben.

📌 Fakten:
➡ Der aktuelle CO₂-Preis beträgt 55 Euro pro Tonne und steigt 2026 auf maximal 65 Euro.
➡ Ab 2027 entscheidet der Markt über den Preis – er könnte zwischen 100 und 300 Euro pro Tonne liegen.
➡ Eine Steigerung um 500 % (auf rund 330 Euro) ist theoretisch möglich, aber nicht sicher und wurde nicht beschlossen.

📌 Quelle:
🔗Pressemitteilung des BMAK vom 31.01.2025: Bundestag beschließt umfassende Reform des Emissionshandels

🔶 Teilweise richtig, aber übertrieben formuliert.

📌 Fakten:
➡ Ab 2027 gibt es keinen staatlich festgelegten Preis mehr, sondern einen freien Marktpreis, der schwanken kann.
➡ Experten schätzen, dass der Preis zwischen 100 und 300 Euro pro Tonne CO₂ liegen könnte.
➡ Eine plötzliche „Explosion“ ist nicht sicher – es hängt davon ab, wie viele CO₂-Zertifikate gekauft werden.

📌 Quelle:
🔗Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Klimaschutz und Energie (25. Ausschuss) vom 29.01.2025

❌ Nein, das ist falsch.

📌 Fakten:
➡ Der Beschluss wurde von CDU/CSU, SPD und Grünen gemeinsam getroffen.
➡ Die ursprüngliche Regelung wurde auf EU-Ebene beschlossen, Deutschland setzt sie nur um.
➡ FDP und AfD haben dagegen gestimmt, die Linke hat sich enthalten.

📌 Quelle:
🔗Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Klimaschutz und Energie (25. Ausschuss) vom 29.01.2025

⚠ Diese Zahl ist übertrieben.

📌 Fakten:
➡ Laut Berechnungen von Wirtschafts- und Umweltinstituten sowie dem ADAC könnten die Mehrkosten für eine Durchschnittsfamilie (mit Auto, Gasheizung und mittlerem Stromverbrauch) zwischen 1.000 und 1.500 Euro pro Jahr liegen – falls der CO₂-Preis ab 2027 tatsächlich auf 300 Euro pro Tonne steigt.
➡ Derzeit gibt es diese Mehrkosten noch nicht! Die CO₂-Bepreisung steigt schrittweise, und erst 2027 wird der Preis vom Markt bestimmt – ob er wirklich so hoch ausfällt, ist noch unklar.
➡ Die oft genannten 3.000 Euro setzen einen überdurchschnittlich hohen Verbrauch voraus (z. B. mehrere Autos, ein großes Haus mit hohem Energiebedarf). (Quelle: Umweltbundesamt)
➡ Die tatsächlichen Kosten hängen von Verbrauch, Energiepreisen und möglichen staatlichen Entlastungen ab.

📌 Quellen:
🔗 Umweltbundesamt: Der europäische Emissionshandel (ETS)
🔗 Tagesschau: CO₂-Preis und Auswirkungen auf Haushalte
🔗 ADAC: CO₂-Steuer und Auswirkungen auf Autofahrer

Fazit: Fake oder Fakt?

✅ Teilweise korrekt:
✔️ Der CO₂-Preis wird ab 2027 durch den Markt bestimmt und könnte steigen.
✔️ Heizen und Tanken werden teurer, aber nicht zwangsläufig in der behaupteten Höhe.

❌ Falsch oder übertrieben:
⛔ 500 % Erhöhung ist nicht sicher, sondern eine Möglichkeit.
⛔ Die CDU war nicht allein verantwortlich – es war eine Mehrheitsentscheidung.
⛔ 3.000 Euro Mehrkosten für Familien sind nicht belegt.

📢 Tipp: Vertraut auf seriöse Quellen und überprüft reißerische Behauptungen, bevor ihr sie weiterverbreitet! 🚨

📌 Quellen:
🔗 Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Klimaschutz und Energie (25. Ausschuss) vom 29.01.2025
🔗 Pressemitteilung des BMAK vom 31.01.2025: Bundestag beschließt umfassende Reform des Emissionshandels

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MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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