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Der Parasit in der Gottesanbeterin

Ralf Nowotny,

Was in jenem Video auf Facebook zu sehen ist, finden viele Nutzer entweder gruselig oder faszinierend. Und viele fragten uns, ob das Video echt sei.

Man sieht in dem Video eine Gottesanbeterin, aus der sich, sobald sie unter Wasser getaucht wurde, ein sehr langer Wurm schlängelt.

Screenshot mimikama.org
Screenshot mimikama.org

Hier könnt ihr euch dieses Video ansehen:

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„Hallo, ich bin ein Nematomorpha!“

Ich bin sicher, dass ihr euch diesen Namen nicht merken könnt. Nennt mich deswegen einfach „Saitenwurm“. Könnt ihr euch leicht merken, denn ich bin so dünn wie eine Saite, höchstens drei Millimeter. Dafür kann ich aber bis zu zwei Meter lang werden!

Ich bin eigentlich ein Wassertier. Aber Wasser ist gefährlich! Meine Eier können da viel zu einfach von Fischen oder anderen Viechern verspeist werden! Deswegen hab ich mir was ganz Raffiniertes einfallen lassen: Ich habe einen Bohrapparat, mit dem ich den weichen Körper von Insekten durchpieksen kann, ohne sie zu töten. Dann lege ich meine Eier einfach in das Insekt, welches sich zu nah ans Wasser getraut hat!

Ich finde das toll: Meine Eier sind in dem Insekt dann geschützt, und wenn sie schlüpfen, können sich meine lieben Kinderchen in aller Ruhe in dem Insekt entwickeln und sorglos aufwachsen. Kein böser Fressfeind weit und breit. Ich bin so klug!

Ich fragt euch nun sicher, wie meine Kleinen, wenn sie erwachsen sind, wieder zurück ins Wasser kommen, stimmts?
Ha, keine Sorge, ich habe an alles gedacht! Wenn mein Sproß erwachsen ist, löst er eine Art Selbstmordmechanismus im Wirtsinsekt aus. Das Insekt wird sich dann ins Wasser begeben, ob es will oder nicht. Sobald dann der erwachsene Saitenwurm spürt, dass das Ziel erreicht ist, wird es sich aus dem sterbenden Insekt hinauswinden. Genau wie in dem Video!

Die arme Gottesanbeterin!

Das Video ist schon ein wenig gemein. Das arme Würmchen wurde ausgetrickst, die Gottesanbeterin war noch gar nicht wirklich im offenen Gewässer!
Doch wäre die Gottesanbeterin ohnehin gestorben, somit kann man dem Ersteller des Videos nicht wirklich einen Vorwurf machen. Allenfalls hat er das Leiden des Tierchens verkürzt, da es sicher nicht angenehm ist, von einem Wurm im Inneren gesteuert zu werden.

Fazit

Das Video ist echt. Saitenwürmer nutzen Insekten als Wirtstiere. In ihrem Inneren schlüpfen die Eier des Saitenwurms, wachsen heran und zwingen das Wirtstier dann ins Wasser, wo das Insekt stirbt und der erwachsene Saitenwurm den Körper des Insekts verlässt.

Diese Methode des Parasitentums ist im Tierreich weit verbreitet. Auch ist das Untertauchen von Insekten unter Wasser ist keine ungewöhnliche Handlung, wie Kollegin Anke sagt; dadurch testen Tierärzte und Tierpfleger, ob der Bestand in einem bestimmten Gebiet von solchen und ähnlichen Parasiten befallen ist.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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