Was dieses Testament von Jeannine Vromant mit dem Namen einer Bushaltestelle in Dieppe, Frankreich, zu tun hat, resultiert aus ihrer fabelhaften und nicht alltäglichen Geschichte.

Jeannine Vromant

Mademoiselle Vromant lebte in Dieppe. Sie war alleinstehend, nie verheiratet, hatte keine Geschwister und auch keine Kinder. Als Immobilienverwalterin hatte sie stets ein gutes Einkommen, lebte allerdings Zeit ihres Lebens eher sparsam. So hatte sie im Laufe der Jahre ein kleines Vermögen von rund 280.000 Euro angespart. Doch im Falle ihres Ablebens waren keine Erben da. So entschied sie im Alter von 80 Jahren, zu einem Notar zu gehen, um ihre Angelegenheiten in Sachen Testament zu erledigen.

Der glückliche Auserwählte war in diesem Fall Francis Bécu. Jeannine Vromant hatte als Immobilienverwalterin immer wieder eng mit der Anwaltskanzlei von Bécus Vater zusammengearbeitet.

Wie man einen Notar gut beschäftigen kann

Francis Bécu betrachtete Vromants Testament als „kein Geschenk“, wie er der Süddeutschen Zeitung in einem Interview erzählte. Als die Mademoiselle in seine Kanzlei kam und ihn mit der Vollstrecklung ihres Testaments im Fall ihres Ablebens betraute, hatte sie die nötigen Unterlagen dabei. „Unterlagen“ in Form von handgeschriebenen Zetteln, zahlreichen Notizen, eng beschriebenen Blättern in kleiner Schrift. Darin zu finden war eine Liste von rund 200 Personen, denen Vromant in ihrem Leben begegnet war. Und sie alle hatten eins gemeinsam: Sie waren zu der Dame nett gewesen. In unterschiedlichen Formen, auf unterschiedliche Arten.

Bécu sah eine horrende Aufgabe auf sich zukommen. Die Personen waren nur beschrieben, die Liste enthielt kaum oder unvollständige Namen. „Der Mann, der den Einkauf bringt“, „Michelle aus der Arztpraxis“, „die Kassierin im Supermarkt“ und all die anderen mussten also ausfindig gemacht werden. Ein harter Recherche-Job, der ihn lange Zeit beschäftigen würde. Er versuchte, Vromant umzustimmen und ihren Nachlass wohltätigen Organisationen oder Stiftungen zukommen zu lassen. Doch ihr Entschluss stand fest: Sie wollte diesen netten Personen in Form einer Erbschaft Danke sagen.

So kam es, dass Bécu sich nach Vromants Tod 2008 auf die Suche nach all jenen Menschen machte. Erschwerend hinzu kam hier, dass diese in mindestens drei Orten zu suchen waren: Tourcoing, Arras und Dieppe.
Schließlich versendete er einen Sammelbrief an alle Erben, woraufhin sich innerhalb von sechs Wochen 120 von ihnen meldeten. Ausbezahlt werden durfte das Erbe allerdings erst dann, wenn alle Erbberechtigten gefunden waren. Diese durften sich schließlich über rund 1.200 Euro freuen.

Oh halt, da war doch noch die Bushaltestelle!

Jeannine Vromant hatte gesundheitliche Probleme und war nicht gut zu Fuß. Sie besaß auch keinen Führerschein, also nahm sie oftmals den Bus. Dieppes Busfahrer kannten sie bereits und hatten sie immer vor ihrer Haustür aussteigen lassen, obwohl sich hier keine Bushaltestelle befindet. Eine nette Geste, um ihr das Leben etwas leichter zu machen.

Bereits einige Jahre vor ihrem Tod hatte sie Benoît Rigaud, den Direktor von Stradibus, um die Namen aller Busfahrer gebeten. Denn auch sie wurden in ihrem Testament bedacht.

Als Dank und zur Erinnerung erhielt eine Bushaltestelle in der Avenue Gambetta in Dieppe den Namen Jeannine Vromant, erzählte Emmanuel Peterfalvi in der NDR Talk Show.

Nett sein lohnt sich also durchaus. Und wer weiß, vielleicht ist die nächste Person, die dir gegenübersteht, dein persönliches Karma. 😉

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Nachrichten

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