Social Media erst ab 15? Was die EU plant – und was nicht

Seit Montag machen Meldungen die Runde: Die EU will Kindern unter 15 Social Media verbieten. Dahinter stehen Berichte von drei bekannten Medien – der Nachrichtenagentur Reuters, dem Politikportal Politico und dem Sender Euronews. Alle drei konnten interne Papiere der EU-Kommission einsehen. Die Kommission selbst hat noch nichts veröffentlicht.

💬Welche Regeln gelten für Kinder auf Social-Media-Plattformen? Antworten finden Sie im Leitfaden Plattformen und Regeln.

Stand: 15. September 2026. Der offizielle Vorschlag der EU kommt erst am Donnerstag.

Kurz gesagt
Das Wichtigste in drei Punkten
  • Die EU will Kinder im Netz besser schützen. Ein eigenes Social-Media-Konto soll es erst ab 15 geben.
  • Ein komplettes Verbot ist das nicht. Ab 13 sind eingeschränkte Konten geplant, die Eltern kontrollieren.
  • Beschlossen ist nichts. Es gibt nur Berichte über interne Papiere. Bis daraus ein Gesetz wird, dauert es Monate.

Was die EU vorhat

Das geplante Gesetz heißt „EU Kids Act“. Es soll Kinder und Jugendliche vor den Gefahren im Netz schützen. Die Grundidee ist einfach: Nicht die Kinder sollen sich an die Plattformen anpassen, sondern die Plattformen an die Kinder. In den Papieren steht laut Euronews sinngemäß, dass Eltern Europas Kinder erziehen sollen – und nicht Algorithmen.

Ab 15 ein eigenes Konto, davor Stufen

Ein einfaches „Verbot bis 15“ ist es nicht. Geplant ist ein Modell mit mehreren Stufen: Je älter ein Kind ist, desto mehr darf es. Gemeint sind vor allem soziale Netzwerke und Videoplattformen. Euronews nennt TikTok und YouTube als Beispiele.

Wer darf was?
Das geplante Stufenmodell für soziale Netzwerke und Videoplattformen
Unter 3 Jahren
Gar kein Zugang.
3 bis 12 Jahre
Nur kindgerechte Angebote. Die Eltern haben die volle Kontrolle über das Konto.
13 und 14 Jahre
Ein eingeschränktes Konto: kaum Kontakt zu Fremden, Zeitlimits, die Eltern schauen mit.
Ab 15 Jahren
Ein eigenes Konto, ohne Erlaubnis der Eltern. Schutzregeln gelten bis 18 weiter.
Nur ein Plan, noch kein Gesetz. Stand 15. September 2026, laut Berichten von Reuters, Politico und Euronews über interne Papiere. Laut Politico gilt das nur für Plattformen, die als besonders riskant eingestuft werden. Welche das sind, ist noch offen.

Genau dieser letzte Punkt ist wichtig. Ob am Ende jede App betroffen ist oder nur einige große, weiß heute niemand. Wer das jetzt schon sicher behauptet, weiß mehr als die Papiere hergeben.

Und was ist mit KI-Chatbots und Games?

Hier sind sich die Berichte nicht einig. Klar ist nur: Auch KI-Chatbots und Onlinespiele fallen unter das neue Gesetz. Laut Euronews gilt die Altersgrenze aber nur für soziale Netzwerke und Videoplattformen. Chatbots und Spiele müssten demnach vor allem sicherer werden. Reuters beschreibt das strenger und schreibt, die Einschränkungen für unter 15-Jährige sollen auch dort gelten. Was davon stimmt, zeigt erst der offizielle Text.

Was die Plattformen ändern müssten

Ein großer Teil des Plans betrifft nicht Familien, sondern die Konzerne. Sie sollen das Alter prüfen, wenn jemand ein neues Konto anlegt. Dafür ist laut Euronews unter anderem eine EU-App geplant, die nur prüft, ob jemand alt genug ist. Bei bestehenden Konten soll eine einfachere Prüfung reichen, zum Beispiel danach, wie lange es das Konto schon gibt.

Außerdem sollen Funktionen verschwinden, die Kinder am Handy festhalten. Euronews nennt endloses Scrollen und künstliche Benachrichtigungen. Konten von Kindern sollen automatisch privat sein, und Fremde sollen sie nicht anschreiben können. Eltern sollen Werkzeuge zur Kontrolle bekommen, schädliche Inhalte sollen leicht zu melden sein. Die Kosten für die Überwachung sollen laut allen drei Berichten die Unternehmen selbst zahlen.

Beschlossen ist noch gar nichts

Die EU-Kommission kann Gesetze nur vorschlagen. Beschließen müssen sie die EU-Staaten und das Europäische Parlament. Das dauert laut Reuters Monate, und dabei kann sich noch einiges ändern. Für heute heißt das: Aus diesem Plan gilt keine einzige neue Regel. Kein Konto wird deswegen gesperrt, und niemand muss deswegen jetzt sein Alter nachweisen.

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Offiziell bestätigt hat die Kommission bisher nur den Termin. Am Donnerstag, 17. September, soll der Vorschlag vorgestellt werden. Erste Details könnte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schon am Mittwoch in ihrer großen Rede vor dem EU-Parlament nennen.

So wird aus einem Plan schnell eine Falschmeldung

Bei solchen Themen dauert es meist nicht lange, bis aus „die EU plant“ im Netz „die EU verbietet“ wird. Konkrete Falschmeldungen zum EU Kids Act haben wir bisher nicht gefunden. Die folgenden Sätze sind deshalb Beispiele dafür, wie die Nachricht leicht verdreht werden kann.

Klingt ähnlich, stimmt aber nicht
„Die EU hat Social Media für Kinder verboten.“
Es gibt nur einen Plan. Beschlossen ist nichts, der Vorschlag kommt erst.
„Unter 15 ist alles verboten.“
Geplant sind Stufen. Ab 13 soll es eingeschränkte Konten geben, die Eltern kontrollieren.
„Ab sofort braucht jeder einen Ausweis für Instagram.“
Eine Altersprüfung ist geplant, aber nicht in Kraft. Laut Euronews soll sie nur zeigen, ob jemand alt genug ist.
Die Sätze links sind Beispiele, keine echten Beiträge. Grundlage rechts: Berichte von Reuters, Politico und Euronews, Stand 15. September 2026.
„Plant“ und „verbietet“ sind zwei sehr verschiedene Wörter.

Übrigens stimmt auch das Gegenteil nicht. Wer sagt „Das wird eh nie was“, weiß genauso wenig wie jemand, der schon ein fertiges Verbot verkündet. Sicher ist nur: Die EU arbeitet an strengeren Regeln, und wie sie am Ende aussehen, entscheidet sich in den nächsten Monaten. Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald der offizielle Vorschlag vorliegt.

Zum Mitnehmen
Drei Fragen, bevor du so eine Meldung teilst
  • Ist das beschlossen?Oder nur geplant?
  • Woher kommt die Info?Aus dem offiziellen Text oder aus einem Bericht darüber?
  • Für wen gilt es?Welches Alter, welche App, ab wann?
Die meisten Falschmeldungen zu neuen Gesetzen entstehen nicht durch Erfindung. Oft reicht ein falsches Wort.

Quellen


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