Die Behauptung
Ein Evakuierungsflug nach Deutschland am 25. Februar 2025 habe ausschließlich aus männlichen Passagieren bestanden. Zudem seien kurz zuvor „47 vorwiegend Frauen und Kinder“ abgeschoben worden.
Falsch
Falsch! Laut Angaben des Auswärtigen Amtes befanden sich unter den 155 Passagieren über die Hälfte Frauen und Kinder. Das verbreitete Video stammt nicht von diesem Flug, sondern mutmaßlich von einem Linienflug aus Ankara nach Kabul. Auch die Abschiebezahl wird falsch dargestellt.
Kurze Faktenübersicht:
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Flug am 25. Februar: 155 Schutzsuchende aus Afghanistan, darunter 80 Frauen und Mädchen sowie über 60 Minderjährige.
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Falsches Video: Gezeigte Aufnahmen stammen aus Ankara und zeigen mutmaßlich einen Linienflug nach Kabul.
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Abschiebung am 17. Februar: 47 Personen wurden nach Bagdad abgeschoben, darunter laut niedersächsischem Innenministerium keine Frauen und Kinder.
Was wirklich geschah
Wer war an Bord des Evakuierungsflugs?
Am 25. Februar landete ein Charterflug mit 155 Menschen aus Afghanistan in Berlin. Laut einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes befanden sich darunter 80 Frauen und Mädchen. Zudem waren über 60 Passagiere minderjährig, darunter mehr als 40 Kinder unter zehn Jahren. Die Behauptung, es seien nur „Burschen“ an Bord gewesen, ist damit nachweislich falsch.
Die Evakuierten kamen über verschiedene Programme nach Deutschland. Darunter das Bundesaufnahmeprogramm für besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen sowie ein Programm für ehemalige Ortskräfte, die vor der Machtübernahme der Taliban 2021 für deutsche Organisationen gearbeitet hatten.
Irreführendes Video: Ein anderer Flug, ein anderes Land
Das zur Untermauerung der Falschbehauptung verwendete Video zeigt keine Aufnahme des Evakuierungsflugs. Stattdessen stammen die Bilder vom Flughafen in Ankara. Details wie ein Hinweisschild und die Architektur der Fluggastbrücke belegen dies. Die Aufnahmen wurden bereits am 24. Februar auf TikTok veröffentlicht.
Ein eingefügter Sticker verweist auf die Route „Ankara – Kabul“, was für einen Linienflug der Ariana Afghan Airlines spricht. Ein entsprechender Flug von Ankara nach Kabul fand am 24. Februar tatsächlich statt.
Der deutsche Evakuierungsflug startete hingegen in Islamabad, Pakistan, und hatte Tankstopps in Dubai und auf Zypern, bevor er in Berlin landete.
Die Wahrheit über die angeblichen Abschiebungen
In den kursierenden Beiträgen wird zudem behauptet, am 17. Februar seien „47 vorwiegend Frauen und Kinder“ abgeschoben worden. Tatsächlich gab es an diesem Tag einen Abschiebeflug von Hannover nach Bagdad mit 47 Personen an Bord. Laut niedersächsischem Innenministerium handelte es sich dabei um volljährige Männer. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Frauen oder Kinder unter den Abgeschobenen waren.
Der niedersächsische Flüchtlingsrat kritisierte die Abschiebung, insbesondere weil sich unter den Abgeschobenen ein Jeside aus der Region Shingal befand. Diese Region war 2014 Ziel eines Völkermords durch den Islamischen Staat (IS).
Fazit
Die Behauptung, dass der Evakuierungsflug nach Deutschland nur aus männlichen Passagieren bestand, ist nachweislich falsch. Mehr als die Hälfte waren Frauen und Kinder. Zudem zeigt das verbreitete Video keinen deutschen Evakuierungsflug, sondern mutmaßlich einen Linienflug von Ankara nach Kabul. Auch die Zahlen zur angeblichen Abschiebung von „vorwiegend Frauen und Kindern“ sind nicht belegt. Hier handelt es sich um eine gezielte Irreführung.
Quelle: DPA
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